Eine heiße Tasse Nächstenliebe Kaffeeallianz unterstützt Aktion „suspended coffee“ zum Wohl Benachteiligter

Von Kathrin Pohlmann

Carlos Tomas vor seinem Café in der Großen Gildewart. Hier können Bedürftige einen „aufgeschobenen“ Kaffee bekommen. Foto: Jörn MartensCarlos Tomas vor seinem Café in der Großen Gildewart. Hier können Bedürftige einen „aufgeschobenen“ Kaffee bekommen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. „Einer für mich und einer für Dich“ – die Rede ist von Kaffee, um genau zu sagen von „suspended coffee“ also aufgeschobenem Kaffee. Das Prinzip ist ganz einfach: zwei Tassen Kaffee bezahlen und nur einen trinken und damit einem Bedürftigen ein warmes Getränk spenden.

„Einer für mich und einer für Dich“ – die Rede ist von Kaffee, um genau zu sagen von „suspended coffee“ also aufgeschobenem Kaffee. Das Prinzip ist ganz einfach: zwei Tassen Kaffee bezahlen und nur einen trinken und damit einem Bedürftigen ein warmes Getränk spenden.

Die Idee kam über Facebook nach Deutschland und Carlos Tomas war mit seinem Café Kaffeeallianz in der Osnabrücker Altstadt deutschlandweit 18. Teilnehmer der Aktion. „Ich habe über Facebook davon erfahren und fand die Idee gleich gut“, sagt der 33-Jährige. Vor knapp einem Monat fing er damit an. Ein Schild hinter dem Tresen in seinem Café deutet auf die Aktion hin. „Die ersten Kunden haben neugierig nachgefragt, was das für eine Aktion ist. Es lief anfangs schleppend an“, erzählt er. Aber mittlerweile haben schon einige seiner Kunden einen Kaffee gespendet. Vor allem jüngere beteiligen sich an der Aktion und finden die Idee gut. Die „aufgeschobenen“ Kaffees werden angeschrieben und wenn Bedürftige sich aufwärmen wollen dann bekommen sie einen Kaffee bei Tomas. „Einer stand vor meiner Tür und sagte ‚ hast du einen Kaffee für mich, ich habe aber kein Geld‘. Macht nichts den hat schon ein anderer für Dich bezahlt‘, habe ich dann geantwortet und er hat ganz verdutzt geschaut“, sagt der Café-Besitzer. Er freut sich, wenn er Menschen mit dieser Aktion eine Freude machen kann. Bisher hat er gut vier Kunden pro Woche, die sich einen aufgeschobenen Kaffee abholen. Tomas schätzt, dass zum Winter noch mehr Menschen in sein Café kommen werden.

Aber es gibt auch schwarze Schafe, die sich einen kostenlosen Kaffee erschleichen wollen. Aber Tomas hat einen Blick für seine Kunden und weiß, wer ein heißes Getränk nötig hat und wer ihn nur täuschen will.

Das Konzept des „suspended coffee“ ist aber nicht ganz neu. Ursprünglich kommt es aus Neapel in Italien und heißt „caffe sospeso“. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Menschen in Neapel wenig Geld. Da Kaffee in Italien sozusagen ein Grundnahrungsmittel ist, haben sich Betuchte, die sich mehr als einen Kaffee leisten konnten, für zwei bezahlt und eben einen davon gespendet. Diese Art der Nächstenliebe gibt es in Italien schon mehr als 100 Jahre.

Mittlerweile hat sich diese Art der Spende dank sozialer Netzwerke weltweit herumgesprochen. Auf Facebook tummeln sich allein 136000 Freunde dieser Idee, in Foren und auch beim Kurznachrichtendienst Twitter wird das Thema diskutiert. Viele kleine Cafés beteiligen sich an der Aktion, Ketten wie Starbucks hingegen nicht – zumindest nicht in Deutschland. Sie planen eine eigene Aktion, sagte Sprecherin Yenia Zaba.