Hausgemachte Probleme Klinikum Osnabrück: Ex-Chef ist der Sündenbock

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Notfall Klinikum Osnabrück. Foto: Gert WestdörpNotfall Klinikum Osnabrück. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, Millionen-Defizite, strategische und personelle Fehlentscheidungen: Das Klinikum Osnabrück hat in den vergangenen Monaten vor allem negative Schlagzeilen gemacht – trotz der unbestritten hohen medizinischen Kompetenz. Und die Ursachen für diese Schlagzeilen sind ausschließlich hausgemacht.

Alle zeigen dabei auf den früheren Geschäftsführer Hansjörg Hermes , der voller Pflichtbewusstsein bis 2012 das Klinikum führte, obwohl er mit einer todbringenden Krankheit rang. Heute ist klar: Das war ein Fehler. Hermes war es zwar gelungen, das Klinikum 2001 aus seiner ersten großen Finanzkrise zu führen (wobei die Beschäftigten in einem „Zukunftspakt“ auf Geld verzichteten). Doch im „System Hermes“ war für Kritiker kein Platz, und viele Entscheidungen traf der Ex-Chef nach Gutdünken. Der Aufsichtsrat, besetzt aus Mitgliedern des Rates, griff nicht oder zu spät ein . Er versagte als Kontrollgremium und glaubte auch den Aussagen, das Klinikum könne nur durch Expansion gesunden. So übernahm die städtische Tochtergesellschaft die Krankenhäuser in Georgsmarienhütte und Dissen. Das Dissener Haus schreibt rote Zahlen, die das Klinikum aktuell mit 5,6 Millionen Euro belasten.

Hinzu kommen Belastungen durch hohe Investitionen etwa in das Zentrum für Geriatrie oder eine neue Notaufnahme. Die Folge: Das Klinikum ist nicht liquide. Die Rechnungen werden zurzeit quasi aus den täglichen Überschüssen anderer Tochtergesellschaften der Stadt bezahlt. Am Dienstag beschloss der Stadtrat, für 36 Millionen Euro zu bürgen, die das Klinikum bis Mitte 2014 braucht.

Die neue dreiköpfige Geschäftsführung hat sich vier Jahre Zeit gegeben, das Klinikum finanziell zu sanieren – und wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen.


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