Kuriose Szene auf der Autobahn A1-Unfall: Senior trampt zur Raststätte

Von Sven Mechelhoff


Osnabrück. Einen verwaisten Pkw fand die Polizei am Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr auf der A1 bei Neuenkirchen-Vörden vor – auf der Überholspur! Dessen 70-jähriger Fahrer aus Bonn hatte zuvor ein vorausfahrendes Fahrzeug gerammt. Anstatt die Unfallstelle zu sichern und die Polizei zu alarmieren, ließ er sich allerdings von einem anderen Verkehrsteilnehmer zur nächsten Raststätte mitnehmen. Verletzt wurde niemand.

Als die Polizisten an der Unfallstelle eintrafen, hätten andere Verkehrsteilnehmer bereits vorbildlich reagiert und Warndreiecke aufgestellt, erklärte ein Polizeisprecher den Vorfall. Fast zeitgleich mit dem Eintreffen der Polizei vor Ort habe sich jedoch auch der Unfallfahrer telefonisch in der Leitstelle gemeldet.

Was war passiert? Im sich verdichtenden Verkehr habe der Bonner auf der Überholspur offenbar nicht mehr rechtzeitig bremsen können, als vor ihm eine 23-Jährige zum Überholen auf die linke Fahrbahn ausgeschert sei. Er habe das Fahrzeug gerammt. Sein eigenes Auto sei dabei so stark beschädigt worden, dass es in der Folge fahrunfähig war.

Der daraufhin ausgestiegene 70-Jährige habe zwar noch das Warnblinklicht eingeschaltet, jedoch kein Warndreieck aufgestellt. Angesprochen von einem anderen Fahrer habe sich der Mann stattdessen bis zur nächsten Raststätte mitnehmen lassen – offenbar um die Gefahrenzone zu verlassen, mutmaßte der Polizeisprecher. Die 23-Jährige die wenige 100 Meter weiter zum Stehen gekommen sei, sei von der Fahrgemeinschaft wohl nicht bemerkt worden.

„Man sollte zwar sein Auto verlassen – das ist richtig“, kommentierte der Polizeisprecher. „Aber wenn es möglich ist, sollte man die Unfallstelle nicht komplett verlassen, sondern sich hinter die Leitplanken begeben.“ Eine Strafe drohe dem 70-Jährigen in der Sache aber nicht, schließlich habe er kurz darauf die Polizei noch selbst informiert und sich wohl nur in Sicherheit bringen wollen. Der Auffahrunfall sei hingegen eine Ordnungswidrigkeit.

Allen Autofahrern empfahl der Sprecher, bei Autobahnunfällen immer die Polizei anzurufen. „Man sollte auf keinen Fall überschwängliche Eigeninitiative ergreifen und sich selbst gefährden.“ Sicherheitsmaßnahmen sollten nur insoweit ergriffen werden, wie es sich selbst zugetraut werde. Sowohl bei beobachteten Unfällen als auch bei eigenen sei es korrekt – sofern noch möglich – auf dem Standstreifen zu halten und von dort aus ein Warndreieck aufzustellen. Die Fahrbahn sollte nicht betreten werden.

In vorliegenden Fall sei die Gefahr für den nachrückenden Verkehr wegen der aufmerksamen anderen Autofahrer, der schnell eingetroffenen Polizei und des sich sehr bald nach dem Unglück stauenden Verkehrs bereits nach kurzer Zeit gering gewesen.

Sowohl der 70-Jährige als auch die junge Frau, deren Pkw der Senior gerammt hatte, seien unverletzt geblieben. Die Höhe des Sachschadens beträgt nach Polizeischätzung 5000 Euro. Der Bonner habe an der Raststätte – nachdem er von der Polizei vernommen worden sei – seine Reise mit dem Abschleppdienst fortsetzen können.