Frangi: „Das werde ich noch erleben“ Remarque-Preisträger glaubt an Frieden in Nahost


Osnabrück.Vor der Verleihung am Freitag, 15. November, im Rathaus stellten sich die Träger des diesjährigen Remarque-Friedenspreises sowie des Sonderpreises den Osnabrückern vor. Der palästinensische Politiker Abdallah Frangi, der gemeinsam mit Avi Primor, dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland, den Hauptpreis der Stadt Osnabrück erhält, warnte am Morgen eindringlich vor den Folgen eines Scheiterns der Friedensverhandlungen für die arabische Welt.

Die „Radikalen, die den Islam missbrauchen“, würden gestärkt, wenn es nicht zu einer friedlichen Lösung zwischen Israelis und Palästinensern käme. Eine solche hält Frangi, der Berater des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, in naher Zukunft für möglich: „Ich habe das Gefühl, dass etwas passieren wird, und das wird nicht mehr lange dauern.“ Frangis Hoffnung beruht vor allem darauf, dass die israelische Siedlungspolitik mittlerweile von einer „schweigenden Mehrheit“ der Menschen in Israel sowie von der internationalen Politik abgelehnt werde und sich die USA – wie Frangi und Primor – für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzten. „Ich werde das noch erleben!“, sagte Frangi, der am Freitag seinen 70. Geburtstag feiert. Primor und Frangi erhalten die mit 25000 Euro dotierte wichtigste Auszeichnung der Stadt Osnabrück für ihre „beharrlichen Bemühungen um Verständigung“, hieß es zur Begründung.

„Ich bin sehr glücklich über unseren Sonderpreis“, sagte Bernd Wagner, der Mitbegründer der Initiative EXIT , die seit 2000 Aussteiger aus der rechtsradikalen Szene unterstützt. Denn die Organisation habe seit ihrer Gründung nicht nur Lob erfahren, sondern viel Unverständnis: „Wieso sprecht ihr mit Nazis?“, sei er oft gefragt worden. Es sei es nicht leicht, ihren Ansatz zu etablieren: „EXIT-Deutschland verfolgt das Ziel, die demokratische Kultur zu fördern. Denn eine Demokratie zeichnet sich eben gerade auch dadurch aus, dass Menschen die Möglichkeit gegeben wird, zu den Werten einer demokratischen Gesellschaft zurückzukehren.“ Die Osnabrücker Auszeichnung sei eine Ermutigung, ihren Weg weiterzugehen, sagte Wagner. Ein anderes Problem sei, staatlichen Schutz für Aussteiger aus der Szene und deren Familien zu bekommen.

Vor allem hätten Initiativen wie EXIT große Schwierigkeiten, sich zu finanzieren. Wagner prangerte die „kurzatmige Finanzpolitik“ von Bund und Ländern durch eine nur mittelfristige projektbezogene Förderung an. Diese erschwere auch die Kontinuität bei der intensiven Betreuung der Aussteiger aus der Szene. Dabei habe EXIT eine gute Erfolgquote seit der Gründung: Lediglich zwölf von 512 Betreuten seien rückfällig geworden. Bernd Wagners Forderung an die Adresse von Bund und Ländern: Sie sollten die Förderung von Initiativen wie EXIT langfristig in ihren Haushalten festschreiben.


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