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10.11.2013, 22:27 Uhr KOLUMNE

Der eigene Kleingarten (5): Nostalgie funktioniert nicht

Von Jörg Sanders



Osnabrück. In der kalten und dunklen Jahreszeit hält sich die Anzahl der zu erledigenden Dinge in einem Schrebergarten in Grenzen – nicht anders in der Deutschen Scholle, wo meine Freundin und ich unseren Schrebergarten haben. Zu tun gibt es allerdings immer etwas. Am vergangenen Samstag wollte ich endlich mal den Rasen mähen – er war sicher schon wenig ansehnliche zehn Zentimeter hoch. Und er ist es bis auf wenige Quadratmeter noch immer, denn leider musste ich feststellen, dass Nostalgie in einem Kleingarten nicht immer unbedingt passend ist.

Warum? Der Vorpächter ließ meiner Freundin und mir einen Handrasenmäher zurück, auch Spindelmäher genannt. Das Gerät ist alt, offensichtlich sehr alt. Im Grunde genommen ist es ein quietschendes Stück Rost auf Rädern. Dennoch mag ich ihn, denn ich mag alte Dinge, und in meinem Garten möchte ich ohnehin alles ohne Strom und Benzin bewerkstelligen. Schließlich möchte ich mich körperlich betätigen statt eine Maschine alles machen zu lassen. Mit der antik wirkenden Heckenschere hatte ich schließlich schon die gesamte Hecke erfolgreich geschnitten. Wie auch immer, am Samstagnachmittag wollte ich mit dem Ding jedenfalls den Rasen unserer Scholle mähen. Bei dem Plan sollte es bleiben, nach schätzungsweise zehn Quadratmetern gab ich auf. Denn die Kombination aus Rost auf Rädern und dem Gewicht von schätzungsweise zehn Kilogramm erwies sich als sehr ungünstig. Der Mäher ließ sich praktisch gar nicht bewegen, obgleich ich mich schon mit meinem gesamten Gewicht dagegen stemmte – sehr zur Freude so mancher Spaziergänger, die mich sichtlich amüsiert beobachteten. Aber das Ding ließ sich einfach kaum bewegen. Der Rost machte den Mäher schwergängig, und durch das hohe Gewicht versank er nahezu im Moos (ich habe an manchen Stellen mehr Moos als Rasen, was mich aber nicht weiter stört, ist schließlich schön weich). Jeder Zentimeter, lautstark quietschend, wurde zur Qual, nach wenigen Quadratmetern gab ich völlig aus der Puste auf. Ich ging nach Hause, die Moral war am Boden.

Neues Gerät muss her

Meinen Vorsatz, alles ohne Strom und Benzin zu machen, verwarf ich allerdings nicht. Kaum zu Hause angekommen, ging ich ins Internet und suchte nach einem neuen Spindelmäher. In Kleinanzeigen wurde ich nicht fündig – gebraucht kaufen schont Ressourcen und Geldbeutel – also kaufte ich mir einen neuen Spindelmäher. Er ist eine Empfehlung von Stiftung Warentest, hoffentlich behält sie recht. Den alten Mäher werde ich aber nicht entsorgen. Er bekommt einen besonderen Platz im Garten – aber nur noch als Deko-Objekt.

Am Sonntag wollte ich eigentlich mal gar nichts machen, aber dann schien die Sonne. Also beschloss ich, wieder in den Garten zu gehen. Wie bereits erwähnt: Zu tun gibt es im Schrebergarten immer etwas. Auf dem Weg dahin gab allerdings die Kupplung meines Autos auf, das nun irgendwo im Stadtteil Hafen steht und wohl auch erst mal stehen bleiben wird. Da ich keine Gang mehr einlegen konnte, musste ich es zurücklassen und zu Fuß in die Wüste laufen. Als ich dort endlich angekommen war, war mir die Lust aufs Gärtnern gänzlich vergangen. Aber das nächste Wochenende kommt bestimmt – und dann muss der neue Spindelmäher beweisen, was er drauf hat. Ob er es hat, lesen Sie dann im nächsten Teil.

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