Projekt läuft nach drei Jahren aus Uni Osnabrück: Weiterbildung für Imame endet

Von

Etwa 100 Imame und Seelsorgerinnen haben seit dem Wintersemester 2010/11 am Weiterbildungsprogramm der Uni Osnabrück teilgenommen. Foto: Archiv/Michael HehmannEtwa 100 Imame und Seelsorgerinnen haben seit dem Wintersemester 2010/11 am Weiterbildungsprogramm der Uni Osnabrück teilgenommen. Foto: Archiv/Michael Hehmann

adb Osnabrück. Die Universität Osnabrück bietet keine Weiterbildung für Imame und Seelsorger mehr an. Nach drei Jahren ist das Projekt des Instituts für Islamische Theologie ausgelaufen. Das bestätigt Yilmaz Gümüs, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts, unserer Zeitung.

Mehr als 100 Imame und Seelsorger aus Niedersachsen und ganz Deutschland hatten seit dem Wintersemester 2010/11 an der Weiterbildung teilgenommen, die je zwei Semester dauerte. Der Imam ist Vorbeter und berät die Gemeinde in theologischen Fragen, Seelsorger helfen in wichtigen Lebenslagen. Nun endet das Projekt, weil die zunächst auf drei Jahre angelegte Förderung vom Bundesamt für Migration, dem Bildungsministerium und der Universität Osnabrück ausgelaufen ist. Das Projekt wird jetzt ausgewertet, danach soll entschieden werden, ob die Weiterbildung zum Wintersemester 2014/15 wieder aufgenommen wird. Eine weitere Förderung scheint derzeit wahrscheinlich.

Zweimal in der Woche haben sich die Teilnehmer mit dem deutschen Politik- und Bildungssystem beschäftigt und Grundlagen der Religions- und Gemeindepädagogik erlernt – auf Deutsch. „Diese Weiterbildung ist wichtig für Imame und Seelsorgerinnen, weil ein Großteil von ihnen nicht in Deutschland geboren und aufgewachsen ist“, sagt Yilmaz Gümüs. Zwar würden immer mehr Muslime in Deutschland geboren, die meisten Imame würden aber immer noch im Ausland ausgebildet. „Sie verstehen deswegen die Anliegen ihrer deutschen Gemeinden oft nicht und können nicht richtig helfen. So können wir die junge Generation nicht an den Moscheen halten.“

Alle Kurse auf Deutsch

Den Beruf des Imams habe es im Islam ursprünglich nicht gegeben, erläutert Gümüs. Erst in den vergangenen Jahrhunderten habe sich herausgestellt, dass eine Führungsperson in der Gemeinde gebraucht werde. Der Imam leitet die täglichen Gebete, kennt die Riten und Pflichten des Islams und steht seiner Gemeinde mit Rat und Tat zur Seite.

Seelsorger begleiten Familien etwa bei Hochzeiten oder Beschneidungen, aber auch bei Todesfällen oder Auseinandersetzungen. „Oft gibt es in muslimischen Familien in Deutschland einen Generationenkonflikt“, sagt Gümüs. „Die Eltern kommen aus einer anderen Kultur, das Umfeld und die Wünsche ihrer in Deutschland aufwachsenden Kinder sind ihnen fremd.“ Gerade in solchen Fällen sei die Weiterbildung der Imame nötig, damit sie die Probleme erkennen und dann vermitteln können.

Diese Erfahrung hat auch der Aachener Imam Mehmed Jakubovic gemacht. Obwohl der gebürtige Bosnier schon seit mehr als 20 Jahren in Deutschland lebt, hat er vor zwei Jahren die Weiterbildung an der Universität Osnabrück besucht. „Ich weiß nun viel mehr über das Land, in dem ich schon so lange lebe. Außerdem hat sich im Kurs mein Deutsch verbessert“, sagte er. Jakubovic empfiehlt Imamen, die neu nach Deutschland kommen, sich zu integrieren, Deutsch zu lernen und Anschluss zu suchen. „Ich selbst habe Jahre verloren, weil ich mich nur in der Gemeindearbeit vergraben habe. Bei der Weiterbildung habe ich gemerkt: In Deutschland hat sich etwas bewegt, und ich muss daran teilhaben“, sagte der 55-Jährige.

Seit dem vergangenen Wintersemester gibt es den Studiengang „Islamische Theologie“ an der Universität Osnabrück, der auch der Ausbildung von Imamen dient. Da sich die Weiterbildung aber speziell an Imame und Seelsorgerinnen richtete, die nicht in Deutschland ausgebildet wurden, hofft man im Institut für Islamische Theologie auf die Fortführung der Osnabrücker Kurse.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN