„Jetzt ist Leben in der Bude“ Pflegefamilien in der Region treffen sich zum Austausch

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Osnabrück. Mit so viel Andrang hatten die Organisatoren nicht gerechnet: 40 Pflegeeltern und ihre Kinder kamen am Samstag zum Frühstück in den Stadtteiltreff Hellern, der seit einem Jahr Sitz des Verbandes sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) ist. Unter den Gästen war auch ein Ehepaar aus Hasbergen, das sich nach einem Artikel in der Neuen OZ dafür entschied, ein Pflegekind aufzunehmen.

Wie ist das eigentlich, wenn man plötzlich für einen Siebenjährigen verantwortlich ist? „Super ist das“, sagt Udo Painczyk. „Jetzt ist richtig Leben in der Bude!“, meint seine Frau Petra.

Im November 2012 berichtete die NOZ darüber, dass das „Netzwerk Pflegefamilien“ des nordrhein-westfälischen VSE ein Büro in Osnabrück bezogen habe und neue Pflegeeltern in der Region suche. Nach dem Artikel meldeten sich zahlreiche Paare im Hellerner Büro. Darunter waren auch Petra und Udo Painczyk aus Hasbergen.

Ein Jahr später sind sie mit ihrem Pflegekind Luca (Name geändert) zum Frühstück des VSE nach Osnabrück gekommen. Während ihr Pflegesohn mit den anderen Kindern spielt, berichten die Painczyks von ihrem neuen Leben mit einem Siebenjährigen.

Knapp ein halbes Jahr hat es gedauert, bis sie ihren Pflegesohn aufnehmen konnten. Das sei ungewöhnlich schnell, „aber länger als ein Jahr müssen bei uns die wenigsten Paare warten“, sagt Stefan Tobergte vom VSE.

„Am Anfang hatten wir schon den Wunsch, dass unser Pflegekind nicht älter als vier Jahre sein sollte“, sagt Udo Painczyk. Heute sei das kein Thema mehr. In Luca stecke „noch genug Kind“. Die Mitarbeiter des VSE hätten ihnen vor der Aufnahme ihres Pflegekindes gesagt, sie sollten sich nicht wundern, wenn der Siebenjährige plötzlich kuscheln wolle wie ein Dreijähriger. „Wir haben das am Anfang nicht für möglich gehalten“, sagt Udo Painczyk. Doch genauso sei es gekommen.

„Viele Pflegekinder haben ein sehr großes emotionales Nachholbedürfnis“, sagt Stefan Tobergte vom VSE. Deshalb könnten auch Kinder, die erst mit zehn Jahren in eine Pflegefamilie vermittelt werden, noch sehr von dem Zusammenleben profitieren.

Über die Zusammenarbeit mit dem VSE kann das Ehepaar Painczyk nur Gutes berichten. Alle vier Wochen kommt ein Mitarbeiter zu ihnen nach Hause. Sie empfänden diese Treffen nicht als Kontrollbesuche, und auch für Luca sei es völlig normal, dass einmal im Monat der Mann vom VSE vorbeischaue. „Für uns ist das eine tolle Unterstützung“, sagt Petra Painczyk. „Wenn es Probleme geben sollte, könnten wir auch nachts jederzeit jemanden erreichen.“

Geradezu begeistert sind die Pflegeeltern davon, wie ihr Umfeld auf Luca reagiert hat. Sowohl im Freundes- und Verwandtenkreis als auch bei ihren Arbeitgebern hätten sie nur große Offenheit erlebt, sagt Petra Painczyk.

Begeistert ist auch Stefan Tobergte davon, wie viele Paare sich seit November vergangenen Jahres im Osnabrücker Büro des VSE gemeldet haben. „Wir konnten schon viele Pflegekinder vermitteln, zum Beispiel nach Wallenhorst, Voxtrup oder Melle.“

Trotzdem sei der VSE weiterhin auf der Suche nach Pflegefamilien, da die Zahl der Pflegekinder in jedem Jahr deutlich steige. Der VSE mache dabei keinen Unterschied, in welchen formalen Verhältnissen die Bewerber leben. Singles, Patchworkfamilien oder gleichgeschlechtliche Paare sind laut Stefan Tobergte genauso willkommen wie das klassische heterosexuelle Ehepaar.

Wer Interesse hat, ein Pflegekind aufzunehmen, erreicht den VSE in Osnabrück unter Telefon 0541/ 96384191.


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