Bariton George Gagnidze Vom Theater Osnabrück an die New Yorker „Met“

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Osnabrück. Die New Yorker Metropolitan Opera gehört zu den bedeutendsten Opernhäusern weltweit. Mit dem gebürtigen Georgier George Gagnidze präsentiert sich in der „Met“ nun ein Sänger, dessen große Karriere in Osnabrück begonnen hat. Wer den Bariton live erleben möchte, muss dafür nicht mal nach New York fliegen.

Wenn sich am Samstag um 13 Uhr Ortszeit in der „Met“ der Vorhang für eine Matinée der Oper „Tosca“ hebt, sehen neben dem New Yorker Publikum auch Zuschauer in 56 Ländern die Inszenierung von Puccinis Meisterwerk. Live-Übertragungen von großen Opern sind immer stärker im Kommen – auch Zuschauer in Osnabrück können am Samstag die „Tosca“ genießen: Das „Cinestar“ am Hauptbahnhof zeigt die Aufführung ab 19 Uhr. Karten sind laut den Betreibern noch reichlich vorhanden.

Der Mann, der in der Inszenierung den bösen Polizeichef Scarpia gibt, freut sich über die weltweite Aufmerksamkeit: „Das ist eine tolle Werbung für die Oper. Ich glaube, jeder Sänger findet das gut.“ Im normalen Leben heißt Scarpia George Gagnidze, und dieser Name ist in Osnabrück noch in guter Erinnerung. Von 2003 bis 2005 hatte der gebürtige Georgier ein Engagement an den Städtischen Bühnen . Hier startete seine Weltkarriere mit Gastspielen an der Mailänder Scala, dem Wiener Opernhaus und nun eben an der New Yorker „Met“.

Der Erfolg bringt allerdings auch seine Verpflichtungen mit sich. Und die Wichtigste für George Gagnidze war am Donnerstag, zwei Tage vor der Tosca-Aufführung: nicht krank zu werden. „Als Sänger muss man den Mund halten und darf sich nicht erkälten“, sagt Gagnidze mit einem Lachen. Am Freitag verlässt er die Wohnung schon nicht mehr, am Tag vor dem Auftritt wird er außerdem 24 Stunden lang schweigen.

Für eine Aufführung in der Met müsse man schon sehr gut vorbereitet sein, sagt Gagnidze. „Ein bisschen nervös bin ich vorher natürlich auch. Aber der Auftritt hängt natürlich nicht nur von mir, sondern auch von der Leistung der Kollegen ab.“

Spricht man den Sänger auf seine alte Heimat Osnabrück an, gerät er ins Schwärmen. „Osnabrück war mein erstes Engagement außerhalb von Georgien, und ich habe in der Stadt ganz viel Toleranz erfahren.“ In den zwei Jahren in der Hasestadt hätten seine Familie und er sich wie zu Hause gefühlt, sagt Gagnidze. Auf die Frage, was für ihn das Besondere an Osnabrück sei, antwortet er sofort: Erich Maria Remarque. „Mir hat Remarques Haltung immer sehr gefallen, er war ein großer Schriftsteller. Als ich mitbekommen habe, dass er in Osnabrück geboren wurde, fand ich das super.“

Mittlerweile verbringt Gagnidze die Zeit zwischen seinen internationalen Gastspielen in Weimar. Nach den zwei Jahren in Osnabrück hatte er ein Engagement am dortigen Deutschen Nationaltheater . Im kommenden Jahr will er dann nach Berlin ziehen. „Ich bin jetzt ja freischaffender Sänger und habe nach einer großen Stadt mit Flughafen und einem guten kulturellen Angebot gesucht.“

In seinem Beruf möchte Gagnidze in den nächsten Jahren vor allem vielseitiger werden. Seine Paraderollen Scarpia und Rigoletto sind dramatische Figuren; nun will sich der Georgier aber auch in der „Opera buffa“, der komischen Oper, profilieren. „Meine erste komische Rolle spiele ich 2015 in Tokio in Verdis Oper ‚Falstaff‘.

Irgendwann will Gagnidze sich dann auch als Wagner-Sänger versuchen. Als Bariton drängt sich der Wotan im „Ring des Nibelungen“ geradezu auf. „Momentan bin ich stimmlich aber noch nicht so weit.“

In diesem Jahr spielt Gagnidze noch einige Male seine Paraderolle als Scarpia in „Tosca“. Ein lokales Highlight findet am 17. Dezember statt: Der brasilianische Tenor Ricardo Tamura, der ebenfalls einige Jahre am Theater Osnabrück engagiert war, kommt für eine einzelne Vorstellung nach New York. George Gagnidze freut sich schon jetzt: „Zwei Osnabrücker auf der Bühne der ‚Met‘, das ist doch was!“

„Große Emotionen und große Stimmen im Goldrahmen“ – Bericht von Christine Adam über die Osnabrücker „Tosca“-Inszenierung 2004 mit George Gagnidze und Ricardo Tamura vom 18. April 2004

„Wo Wellen wild wogen, wuchern düstere Seelendramen“ – Bericht von Ralf Döring über die Osnabrücker Inszenierung von Wagners „Fliegendem Holländer“ 2005 mit George Gagnidze in der Titelrolle


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