Ausstellung im Klinikum Osnabrücker Fotografen lassen Raum für Fantasie

Von Carolin Hlawatsch

Nicht alle Ausschnitte sind so eindeutig wie dieses Motiv aus der Ausstellung im Klinikum. Foto: Michael GründelNicht alle Ausschnitte sind so eindeutig wie dieses Motiv aus der Ausstellung im Klinikum. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. „Was ist das bloß?“, fragten sich Besucher beim Betrachten der Fotos, die wie Bilderrätsel erscheinen. Der Kniff an den Fotos: Sie zeigen nur einen Ausschnitt eines Gegenstandes, eines Ortes oder einer Szenerie. So regte die Ausstellung der Fotografischen Gesellschaft Osnabrück, schon während der Eröffnung im Klinikum Osnabrück zum Nachdenken, ganz genau hinschauen und diskutieren an. Der Titel der Fotoexposition ist gleich dem Jahres-Thema der Fotografischen Gesellschaft: „Nicht das Ganze“.

Beim Anschauen des Ausstellungs-Flyers, denkt man zuerst an abstrakte Kunst, man sieht Rechtecke in warmen Farben. Lässt man sich länger auf das Foto ein, kommt die Erkenntnis: „Aha, ein Dachfenster“. Doch wo dieses Foto genau entstanden ist, in welcher Höhe sich das Fenster befindet, wie groß der dazugehörige Raum ist und ob sich Menschen darin befinden bleibt ungewiss. Viel Platz für Fantasie also. Nur der Fotograf selbst, in diesem Fall Detlef Ludwig aus Wallenhorst, weiß, dass das Fenster Teil der Buddha Fabrik in Braunschweig ist.

Die Variation der 45 Exponate ist groß: Fotos in Farbe und in Schwarz-Weiß eröffnen eine ganz andere Sicht auf Dinge wie zum Beispiel einen Güterwaggon, ein Dorf im Orient oder ein verdorrtes Blatt. „Ich habe dieses Blatt im Frühjahr in meinem Garten gefunden und fand die Struktur so interessant“, erklärte Hobbyfotograf Norbert Emeis aus Osnabrück. Mit der Methode der Makrofotografie setzte er das Blatt-Skelett geheimnisvoll in Szene.

Die rätselhaften Fotos hätten schon beim Aufbauen der Ausstellung Patienten aus dem Klinikum angezogen und hätten viel positive Resonanz ausgelöst, berichtete Werner Michallek. Der Vorsitzende der Fotografischen Gesellschaft eröffnete die Ausstellung mit einer Ansprache, in der er dem Klinikum für die Ausstellungsmöglichkeit dankte und betonte, wie schwer es der Jury viel von den 350 eingereichten Bildern 45 zur Präsentation auszuwählen.

Seit März beschäftigten sich die Fotografen mit dem Thema „Nicht das Ganze“. „Schnell bemerkten wir, dass unser Jahres-Thema eine große Herausforderung war“, erinnerte sich Michallek. Dank eines Workshops mit der Münsteraner Foto-Trainerin Jutta Engelage, sei den Mitgliedern dann aber klar geworden, worauf es hinauslaufen soll. Zirka 80 Gäste bestaunten das Resultat am Samstag. Interessierte haben bis zum 31. Dezember die Möglichkeit die Ausstellung im Klinikum Osnabrück, Am Finkenhügel 1-3 zu besuchen.

Wer nicht nur gerne Fotografie betrachtet, sondern sie auch selbst praktiziert ist bei der Fotografischen Gesellschaft Osnabrück von 1912 willkommen. Bei wöchentlichen Treffen, dienstags um 20 Uhr in der Lagerhalle werden Fotos analysiert, Aufnahmetechniken und Bildgestaltung diskutiert und Fototreffs und Ausstellungen organisiert. Spaß daran haben derzeit 35 Mitglieder, deren bunte Palette Fotografen von 21 bis 90 Jahren umfasst.