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04.11.2013, 11:18 Uhr KOLUMNE

Der eigene Kleingarten (4): Mann macht Feuer!

Von Jörg Sanders



Osnabrück. Auch diesen Samstag habe ich mich wieder meinem Kleingarten in der Deutschen Scholle in Osnabrück gewidmet, den meine Freundin und ich uns vor wenigen Wochen zugelegt hatten. Hätte ich den Samstag doch nur auf dem Sofa verbracht – noch am Montag tat mir alles weh.

Morgens, halb zehn in Deutschland ... Natürlich war ich da nicht im Garten. Schließlich war Wochenende. Aber gegen 11 Uhr war ich in der Deutschen Scholle, während meine Freundin mit einer Kollegin frühstücken war. Ich beschränkte mich auf geschmierte Brötchen und Kaffee aus dem Thermobecher.

Unkraut brandroden?

Ich wollte trotz grauen Himmels, kalten Windes und Nieselregens in den Garten, denn den Grünstreifen vor unserer Hecke mussten wir noch entfernen. Wie sollte ich das machen, ohne gleich den ganzen Boden bzw. Weg mit abzutragen? Schließlich glich der Streifen stellenweise einer Rasenfläche. Ich erwog kurz eine Brandrodung, dachte mir aber, dass das vermutlich nicht gerne gesehen wird. Ohnehin hatte ich kein Benzin oder dergleichen. Und so ein mit Gas betriebenes Abflamm-Ding besitze ich schon mal gar nicht. Also überlegte ich weiter, mir wurde kalt. Da ich den Weg nicht brandroden und mich daran erwärmen wollte, beschloss ich, erst einmal den Ofen in unserer Laube zu testen.

Mann macht Feuer

Denn in unserer Gartenlaube steht ein alter Ofen mit Kacheln, also vermutlich ein Kachelofen. Ein großes Holzscheit befand zu meiner Freude noch im Ofen, nun musste ich dieses nur noch zum Brennen kriegen. Nur wie, so ganz ohne Zunder, Papier und Pappe? Da mir die Einrichtung nicht sonderlich zusagt, erwog ich kurz, Teile davon als Anzünder zu nutzen. Ich verwarf die Idee. Da fiel mir die Tonne mit Kleinholz ein, die neben unserem Grill steht. Das Holz war knochentrocken, damit gelang es. Mann macht Feuer – ein Urinstinkt erwachte in mir, ich verspürte das Bedürfnis, mir auf die Brust zu trommeln. Ich ließ es. Der Ofen jedenfalls erwärmte die Hütte recht schnell, obwohl die Isolierung wohl nicht den heutigen Standards einer Wärmedämmung entspricht.

Retter in der Not

Nun war es Zeit, mich dem Grünstreifen vor der Hecke zu widmen. Ich beschloss die körperlich harte Variante und rupfte jegliches Unkraut und Gras mit der Hand heraus. Zwischendurch kam Heinz (Name geändert) vorbei, ebenfalls Kleingärtner in der Deutschen Scholle. Wir plauderten ein paar Minuten lang, ein netter Kerl. Danach ging es zurück an die Arbeit, und ich überlegte bereits, wie ich den immer größer werdenden Haufen zum Wertstoffhof am Moskaubad um die Ecke bringen könnte. Etwa eine halbe Stunde später kam Heinz zurück – mit einer Schubkarre. Die könne ich erst mal haben, im Winter benötige er diese nicht. Wie nett! Damit besiegelte er jedoch mein Schicksal für diesen Tag. Dazu gleich mehr.

Aua!

Nach insgesamt rund drei Stunden war der Weg endlich sauber – drei Stunden in der Kälte, in der Hocke. Aua. Der (gefühlt) halbe Weg kam übrigens tatsächlich mit heraus. Der entsprechend große und schwere Haufen musste nun zum Wertstoffhof um die Ecke. In dem Moment kam mein Kollege zu Besuch, allerdings ohne Kuchen. Es sei ihm verziehen. Meine Freundin kam wenige Minuten später ebenfalls vorbei. Nachdem wir unseren Kollegen stolz durch unseren Garten geführt hatten, wollte ich den Unrat wegbringen.

Eine Tortur

Ich bekam nur die Hälfte des Haufens in die Schubkarre, also zwei Mal laufen. Ich machte mich auf den Weg, um kurz daraufhin festzustellen, dass der Reifen Luft lässt. Na super. Da der Unrat nass und damit schwer war, wurde der Weg zum Wertstoffhof wahrlich eine Tortur. Sie gab meinem Rücken den Rest. Mein Kollege bot mir nach Abladen der ersten Fuhre eine Luftpumpe an, er wohnt nur ein paar Meter weiter. Gesagt, getan, der Reifen hatte wieder Luft. Ich verabschiedete mich von Kollege und Freundin und ging zurück, lud die Schubkarre erneut voll und ging los. Nach etwa Hundert Metern war die Luft wieder raus. Die Schubkarre ließ sich kaum noch schieben und eierte schon stark, aber Umdrehen machte nun auch keinen Sinn. Tief durchatmen ... Mit aller Kraft stemmte ich mich gegen die blöde Karre, Meter für Meter, alle drei Meter eine Pause, bis ich endlich den Wertstoffhof erreichte. Ich lud den Mist ab, ging zurück, stellte die Karre im Nebenraum der Hütte ab – und ging heim. Für diesen Tag hatte ich die Nase voll. Vielleicht kann ich mich beim nächsten Mal einer erfreulicheren Arbeit widmen ...

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