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28.10.2013, 10:12 Uhr KOLUMNE

Der eigene Kleingarten (2): Den ersten Kampf verloren

Von Jörg Sanders


Osnabrück. Ich bin Kleingärtner in der Deutschen Scholle in Osnabrück! Auch nach rund vier Wochen klingt das noch immer merkwürdig in meinen Ohren. Viel Arbeit liegt bereits hinter mir und meiner Freundin, und ein Kampf bereits längst verloren: Der „Staatsfeind“ unserer Scholle ist ohne Zweifel der Giersch. Dennoch: Kleingärtnern ist wunderbar!

Seit Anfang Oktober sind meine Freundin und ich stolze Besitzer eines Kleingartens in der Deutschen Scholle. Der Garten war von Anfang an recht gut in Schuss, dennoch gab und gibt es jede Menge zu tun. Der Wertermittler sagte, zuerst müsse die Hecke vom Giersch befreit werden. Giersch? Ich hatte keine Ahnung, was Giersch ist. Nun weiß ich es: hartnäckig, unbesiegbar, und ansonsten fallen mir nur Schimpfwörter zu dem Gestrüpp ein.

Exkurs: Eine kleine Gierschkunde

Giersch gilt als äußerst hartnäckiges Unkraut, das vielen Gärtner zu schaffen macht. Seine unterirdischen Triebe sind unglaublich lang und weit verzweigt, sodass man ihn nie ganz entfernen kann. Er gilt allerdings auch als Salat respektive Wildgemüse und soll geschmacklich an Spinat und auch Petersilie erinnern. Probiert habe ich ihn aber noch nicht, denn ich hasse ihn!!! Es hat ungezählte Stunden gedauert und Rückenschmerzen sowie Muskelkater nach sich gezogen, bis wir die Hecke vorschriftsmäßig vom Giersch befreit hatten. Und als dieser endlich entfernt war, war er wenige Tage später auch schon wieder da.

Wer Giersch probieren möchte, kann sich mit einer E-Mail an mich wenden – wir hätten da noch eine schätzungsweise 250-Liter-Tonne voll von abzugeben (Angebot gilt ohne die Tonne, Selbstabholung im Garten).

Kein Masterplan

Meine Freundin und ich hatten schon gehört, dass Giersch unbesiegbar sei – zumindest ohne chemische Mittel. Und auf diese wollen wir definitiv im gesamten Garten verzichten. Also müssen wir mit dem Giersch in der Hecke (und eigentlich auch sonst überall in unserem Garten) leben oder ihn permanent aus der Erde reißen. Eine Entscheidung diesbezüglich steht noch aus ...

Schmerz ... tut gut!

Aber genug der Klage, denn Kleingärtnern ist super! Sitzt man wie wir täglich mindestens acht Stunden vorm PC, hat es nahezu eine kathartische Wirkung, ein Loch an der frischen Luft zu buddeln, auf dicke Äste einzuhacken und die Hecke zu schneiden. Schließlich darf diese maximal 1,25 Meter hoch sein – so will es das Bundeskleingartengesetz (ja, das gibt es!). Der Hecke ging ich übrigens mit einer antik anmutenden Heckenschere, die nach der Behandlung mit ein paar Tropfen Öl wieder hervorragend funktionierte, an den Kragen – manuell. Bei schätzungsweise 30 Metern dauerte es zwar, bis sie auf beiden Seiten sowie oben gestutzt war, aber der Schmerz am nächsten Tag erinnerte daran: Man hat Muskeln, wo man sie gar nicht vermutete. Ein schönes Gefühl ...

Klare Aufgabenteilung

Inzwischen sind auch alle Blumenbeete vom Unkraut befreit, meine Freundin pflanzte (gefühlt) eine Tonne Tulpenzwiebeln darin ein. Ein paar Krokusse waren es auch. Am Rande des Gemüsebeets pflanzte sie Himbeeren. Gelbe, die sie auf dem Markt bekommen hatte. Bis dahin wusste ich nicht einmal, dass es gelbe Himbeeren gibt. So war die Aufteilung der Arbeit unabgesprochen klar: Ich mähe Rasen und kümmere mich um die Hecke, sie ist die Blumen- und Beerenbeauftragte. Gemeinsam wird im Frühjahr das Gemüsebeet umgegraben.

Geschäftsort Kompost

Zwischendurch hatten wir uns bei der Fachberatung – einer netten älteren Dame – diverse Tipps geholt. Pullern könne man auf dem Kompost, der bei uns direkt am Weg positioniert ist – also eher ungeeignet als Klo. Dafür bekamen wir von ihr ein Gartengerät geschenkt. War es ein Grubber? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls hat das Ding drei Zacken und eignet sich gut zum Umgraben.

Zwergenland

Nach Entfernen des Unkrauts, Bearbeiten der Hecke, Säubern der Wege und sonstigen vielen Aufgaben, sieht unser Garten nun schon ziemlich gut aus. Das sagen auch Freunde und Kollegen, die uns bereits im Garten besuchten oder gar mithalfen. Die Mutter meiner Freundin nahm sich unserer Holzbank an und strich diese neu. Von so manchem Ideal sind wir aber noch weit entfernt. So testet ein Kleingärtner etwa 50 Meter weiter, wie viele Gartenzwerge man auf rund 350 Quadratmeter unterbringen kann. Das Zwischenergebnis kann sich sehen lassen. Gezählt habe ich sie nicht, aber es sind viele. Sehr viele!

Als nächstes steht die Hütte auf der Agenda. Sie ist furchtbar schmutzig und nicht gerade wohnlich. Aber dazu mehr im nächsten Teil ...

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