Stilistische Vielfalt mit Humor „Buchkunst aus der DDR“: Volker Pfüller stellt aus

Volker Pfüller stellt unter anderem einen schwarz-weißen Theater-Linolschnitt zu „Woyzeck“ und Brechts „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“ aus. Foto: Hermann PentermannVolker Pfüller stellt unter anderem einen schwarz-weißen Theater-Linolschnitt zu „Woyzeck“ und Brechts „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“ aus. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. In der dritten Ausstellung der Reihe „Buchkunst aus der DDR“ präsentiert das Literaturbüro Westniedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Osnabrücker Buchkünstler Wilfried Bohne und der Stadtbibliothek Osnabrück etwa 60 Arbeiten des mehrfach ausgezeichneten Berliner Buchillustrators, Grafikers und Hochschuldozenten Volker Pfüller.

Im Beisein des Künstlers wurde am Donnerstag die Ausstellung im Galeriebereich der Stadtbibliothek mit einer Einführung von Hiltrud Schäfer eröffnet.

Augenfällig ist die stilistische Vielfalt. In einer Vitrine bilden zwei zart aquarellierte Zeichnungen zur „Schachnovelle“ einen künstlerischen Kontrast zu einer Serie kleinformatiger Bilder klassischer Kasperle-Figuren aus dem Puppentheater-Museum München. An einer Wand fällt die surreale Comic-Fantasie „Erfüllter Wunsch“ ins Auge, zu der der Künstler auch die gereimten Texte geliefert hat. Märchenhaft niedlich wirken wiederum Kinderbuch-Illustrationen zur Fabel „Der kluge Ziegenbock“ oder zu den „Tiergeschichten“ des 2005 verstorbenen Brecht-Schauspielers Ekkehard Schall . Naturalistisch-akribisch schließlich die Fachbuch-Zeichnungen sorbischer Trachten, die von der genauen Recherche des Künstlers zeugen. 1939 in Leipzig geboren, absolvierte Volker Pfüller ein Grafik-Studium an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, arbeitet seit 1965 freischaffend als Zeichner, Grafiker, Illustrator, seit Ende der 1960er-Jahre auch als Bühnenbildner, unter anderem am Deutschen Theater Berlin und den Münchner Kammerspielen.

Seine Verbindung zur Bühne kann in der Ausstellung an mehreren Linolschnitten festgemacht werden, die Pfüller etwa zu Jakob Lenz’ „Der Hofmeister“, Ernst Tollers „Der entfesselte Wotan“ oder August Strindbergs „Totentanz“ gestaltet hat. Eine Verbindung Pfüllers zur Hasestadt entwickelte sich durch seine Plakatarbeiten, von denen einige zur privaten Sammlung des früheren Osnabrücker Theater-Intendanten Erdmut C. August gehörten. Die Verknüpfung von Illustration und Wort spiegelt sich auch in Pfüllers Grafiken für die bibliophile Buchreihe „Die Tollen Hefte“ sowie in für den Lubok-Verlag gestalteten Künstlerbüchern wider. Als Buchkünstler und Reimer ist Volker Pfüller bis heute tätig. Dass er sich auch seinen verschmitzten Humor bewahrt hat, lässt sich auf einer von ihm gestalteten Neujahrskarte auf das Jahr 2013 ablesen. Darauf rät ein blau bemützter Hundekopf mit Ohrenwärmern den Betrachtern: „Zieht euch warm an!“

Stadtbibliothek Osnabrück, Markt 1: „Buchkunst aus der DDR . Volker Pfüller. Bis 11.1. 2014. Öffnungszeiten: Mo.– Fr. 10–18 Uhr, Sa. 10–15 Uhr.


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