Navi und Handschuhe immer dabei Urban Exploring: Suche nach verlassenen Gebäuden

Von Sven Kienscherf


Osnabrück. In seiner Freizeit steigt Matthis in leerstehende Gebäude ein. Allerdings nicht um zu randalieren oder zu klauen, sondern um zu fotografieren.

Erlaubt ist es trotzdem nicht. Deshalb möchte Matthis lieber anonym bleiben. Urban Exploring nennt sich sein Hobby. Auf Deutsch bedeutet das in etwa „Stadterkunder“. Gemeinsam mit Freunden macht sich Matthis im Raum Osnabrück auf Entdeckungsreise. „Ziel ist es, die Orte zu dokumentieren, zu erforschen und schöne Bilder zu machen.Wir wollen nichts zerstören oder kaputtmachen“, betont Matthis. „Nimm nichts als Fotos und hinterlasse nur Fußspuren“ – so laute das Motto der Urbexer, wie er und seine Mitstreiter sich selbst nennen. Juristisch gesehen ist das oft Hausfriedensbruch. „Manchmal befindet man sich in einer Grauzone“, sagt Matthis. Er ist um die 20 Jahre alt, arbeitet im Bereich Informatik und Naturwissenschaften und kommt aus dem Landkreis Osnabrück – mehr möchte er nicht verraten.

„Sofern es möglich ist, kontaktieren wir vorab die Besitzer der Gebäude“, sagt Matthis. Das führt nicht immer zum erwünschten Ergebnis. „Meistens bekommt man keine oder eine negative Antwort.“ Es ist nicht nur die Angst vor Zerstörung, die die Eigentümer umtreibt, vermutet Matthis. „Sie haben auch Angst davor, dass wir uns verletzen.“ Die Urbexer hält das nicht ab. Von der Polizei sei er noch nie erwischt worden, berichtet Matthis. Von Nachbarn dagegen schon. „Wir waren in einer verlassenen Wurstfabrik. Als wir das Gelände gerade verlassen wollten, haben sie mit Paintball-Gewehren das Feuer auf uns eröffnet.“ Über einen Hinterausgang ergriffen die Urbexer die Flucht.

Seine Ziele spürt Matthis über das Internet auf. In Foren gibt sich die Urbexer-Gemeinde Hinweise auf verlassene Industrieanlagen, leerstehende Fabriken, unbewohnte Bauernhöfe. „Ich finde zum Beispiel einen Namen eines Ortes, den andere Urbexer ins Netz gestellt haben. Dann suche ich gezielt nach Informationen, Bildern und Koordinaten“, so Matthis. „Bevor wir aufbrechen, informieren wir uns über die Lage, die Größe und andere Besonderheiten.“

Ein bis zweimal im Monat starten die Urbexer zu einer Tour: im Gepäck ein Navigerät, Taschenlampen, Handschuhe und Atemschutzmasken. „Die Orte sind immer schmutzig und es kann sein, dass viel Staub in der Luft ist“, erklärt Matthis. Meistens steigen die Urbexer tagsüber in die Gebäude. „Lampen fallen auf“, sagt Matthis. Einige der Anlagen sind nicht so verlassen, wie es scheint. „Manchmal findet man Nachtlager von Nichtsesshaften.“ Urbexer und Obdachlose gingen sich aus dem Weg. „Das Ziel für beide Parteien ist es ja unsichtbar zu sein.“

Quietschende Türen und dunkle Ecken in den Gebäuden sind bei den Ausflügen durchaus erwünscht. „Der Gruseleffekt spielt eine riesige Rolle, ohne macht es ja keinen Spaß“, sagt Matthis. Faszinierend sei das Gesamtkonzept aus Stimmungen, Geräuschen und Gerüchen. Matthis: „Dann entstehen im Kopf Bilder und Geschichten.“


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