zuletzt aktualisiert vor

Werke von Regine Wolff und Turid Schuszter im BBK-Kunstquartier Kunst als Gefahr?

Strategien, die Kunst zu überleben, heißt eine neue Ausstellung der beiden Künstlerinnen. Foto: Michael HehmannStrategien, die Kunst zu überleben, heißt eine neue Ausstellung der beiden Künstlerinnen. Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. „Strategien, die Kunst zu überleben“ ist der Titel einer Ausstellung, die heute Abend im BBK-Kunstquartier eröffnet wird. Zwei Künstlerinnen haben sich diesen geheimnisvollen Namen ausgedacht. Denn warum will man Kunst „überleben“? Viel eher üben sich Menschen doch darin, mit der Kunst zu leben oder Kunst zu erleben.

Bei Regine Wolff und Turid Schuszter geht es also um das „Überleben“, als würde von der Kunst eine Gefahr ausgehen. Doch vor den Werken der Künstlerinnen braucht der Betrachter sich nicht zu fürchten. Auch wenn Regine Wolff in einem ihrer Gemälde ein lichterloh brennendes Haus auf dem freien Land gemalt hat, das in tiefer Nacht von herbeigerufenen Feuerwehrwagen umstellt ist. Das Bild vermittelt etwas von der Faszination des Feuers, von seiner magischen Anziehungskraft, obwohl ihm auch immer etwas zutiefst Zerstörerisches innewohnt.

Ein Objekt von Turid Schuszter birgt ebenfalls etwas Morbides: Totes Getier wie Fliegen, Marienkäfer und Schmetterlinge sammelte sie von ihrem Fensterbrett auf und integrierte es in handgeschöpftes Papier. Unter dem Titel „Ich habe fertig mit mir, mit dir, mit der Welt“ präsentiert sie ein Monotypie-Triptychon, auf dem verzweifelte Menschen am Abgrund oder vor der Trennung stehen. Und die Bäume in einem idyllischen Waldbild mit Reiter von Regine Wolff tragen verräterische rote Ringe, die sie als zum Fällen verurteilt markieren.

Doch damit genug des Pessimismus. Es geht um das „Überleben“. Vielleicht greift Schuszter aus diesem Grund zu Werkstoffen, die für die Ewigkeit bestimmt sind? Die ausgebildete Textildesignerin und Weberin verwandelt Messingdraht und Kupfermaterialien in Gewebe, um daraus Raumobjekte und menschliche Torsi zu kreieren. Ihre Objekte aus Spültüchern deklariert sie augenzwinkernd zu Handtaschen, mit denen man „zur Not auch etwas aufwischen kann“. Derweil betreibt Regine Wolff Vergangenheitsbewältigung: Zwei Fotos von Karl May-Festspielen in der ehemaligen DDR dienten als Vorlage für indianische Reiter, die voller Energie durchs Bild preschen. So überleben sozialistische Kulturphänomene bis in die Jetztzeit.

BBK Kunstquartier (Bierstraße 33): „Strategien, die Kunst zu überleben“. Malerei, Monotypie und Objekte von Regine Wolff und Turid Schuszter. Heute: Eröffnung um 19 Uhr. Die Schau läuft bis 7. Januar 2012, Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Weitere Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN