Interview mit Florian Vollmers Das Unabhängige Filmfest wandelt sich behutsam

Denkt langfristig: Florian Vollmers, Chef des Unabhängigen Filmfests. Foto: GründelDenkt langfristig: Florian Vollmers, Chef des Unabhängigen Filmfests. Foto: Gründel

Osnabrück. Im letzten Jahr ist Florian Vollmers auf den fahrenden Festivalzug des Unabhängigen Filmfests aufgesprungen. Dieses Jahr hat er sein erstes komplett eigenes Festival gestartet. Im Interview spricht er über Neuerungen und über das, was er von seinen Vorgängern übernommen hat.

Neuer Web-Auftritt , neue Farben, neue Begriffe – Herr Vollmers, was ist sonst noch neu beim Unabhängigen Filmfest?

Wir haben sehr viel Mühe darauf verwendet, die Homepage attraktiv zu gestalten, und ich glaube, dass es wichtig war, das Programm transparenter und leichter zugänglich zu machen. Doch im Kern ist das Filmfest das gleiche geblieben wie in der Vergangenheit. Ein paar Neuerungen haben wir aber eingeführt.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel haben wir einen neuen Publikumspreis in der Europa-Sektion.

Einen Publikumspreis gab es vorher auch schon.

Es gab einen Preis für den besten Kurzfilm. Dabei konnten aber nicht alle Zuschauer abstimmen, sondern nur eine Auswahl. Jetzt können alle Zuschauer die Filme benoten, und der mit der besten Gesamtnote gewinnt.

Die Sektion heißt jetzt „Focus on Europe“ - nur ein neues Etikett?

Der Name „Europe unlimited“ stammte aus der Zeit der EU-Osterweiterung. Jetzt geht es um europäisches Arthouse-Kino und um europaweite, grenzüberschreitende Themen.

Also auch ein inhaltliches Nachjustieren?

Wir haben den Europa-Begriff inhaltlich ausgeweitet. Aber meine Vorgänger haben das thematische Verständnis dieser Sektion auch schon erweitert. Ein Film wie der spanische Stummfilm „ Blancanieves “ wäre sicher nicht in den ersten zwei Jahren dieser Sektion gelaufen.

Als wichtiges Ziel haben Sie vor einem Jahr genannt: Mehr Publikum. Zielen darauf die Erweiterung des Programms und die neue Spielstätte ab?

Ich möchte mich nicht auf die Formel „Mehr Geld, mehr Zuschauer“ reduzieren lassen. Natürlich haben wir ein hoch qualitatives Programm zusammengestellt. Aber ich finde es wichtig, noch mehr Zuschauer zu erreichen, mehr Bekanntheit erlangen, über Förderer mehr Geld bekommen. Das versuchen wir mit der Sektion „Filmfest Extrem“ und dem Spielort Filmpassage. Wir wissen nicht, wie erfolgreich das ist, aber ich glaube, in der Filmpassage gibt es Zuschauer, die das Festival noch nicht kennen. Die wollen wir gewinnen.

Ein Merkmal des Festivals ist die basisdemokratische Programmauswahl. Hat sich daran etwas geändert?

Das ist dieses Jahr genauso gelaufen. Auch wenn ich mir nicht, wie Birgit Müller und Holger Tepe, alle Filme angucken konnte. Das hätte ich gerne gemacht, habe ich aber nicht geschafft. Ich habe mich auf die Auswahl der Sichtungsgruppen verlassen und bin ab da eingestiegen.

Wo haben Sie in der Vorbereitung Ihre Schwerpunkte gesetzt?

Im strategischen Bereich: Ich war beschäftigt mit der neuen Internetseite, mit dem neuen Look, mit dem Logo. Außerdem standen Wechsel in der Finanzierung an: Es gab den neuen Zuschussvertrag mit der Stadt, und wir haben einen neuen Stifter für den Hauptpreis, den Friedensfilmpreis, finden müssen. Das war nervenzerfetzend.

Damit geht das Festival mit der gleichen finanziellen Ausstattung über die Bühne wie in den letzten Jahren?

Im Grunde ja. Das Ziel ist, das ab nächstem Jahr schrittweise zu steigern. Der Zuschussvertrag mit der Stadt beinhaltet ja eine kleine Erhöhung, entscheidend ist aber die Nordmedia-Förderung – darüber wird diese Woche entschieden.

Bisher hieß es ganz klar: Die Nordmedia fördert ein Festival pro Kommune, in Osnabrück das EMAF.

Ja. Aber es ist uns gelungen, diese Linie argumentativ etwas aufzuweichen. Ich bin sehr optimistisch, dass wir wieder in die Förderung der Nordmedia aufgenommen werden.

Ansonsten ist vieles geblieben, wie es war – so gibt es weiterhin den Friedensfilmpreis.

Das ist der zentrale Preis, der dieses Festival unverwechselbar macht. Einen Publikumspreis haben viele Festivals. Aber dieser Preis ist eng mit der Stadt verbunden und damit auch die Auswahl an Filmen. Das gibt es woanders nicht.

Das gilt auf für den Filmpreis für Kinderrechte?

Ja. Wir haben aber trotzdem ein paar Neuerungen eingeführt: So haben wir das Kinderprogramm auf ein Wochenende konzentriert. Und wir haben mehr Gäste als letztes Jahr.

Es ist ja immer ein schwieriger Spagat, einerseits das Publikum vor Ort anzusprechen und gleichzeitig das überregionale Fachpublikum?

Man muss aufpassen, dass man diesen Spagat nicht überreizt. Zunächst müssen die Menschen Vorort das Festival annehmen. Mit dieser Akzeptanz, wird es auch interessant für Verleiher in Berlin oder sonst wo, da mal hinzuschauen. Aber grundsätzlich geht es immer um das Programm. Unser Anspruch ist nicht, bei jedem Special-Interest-Film einen vollen Saal zu haben.Wichtig ist aber, dass wir den Film zeigen.


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