Ein kulinarisches Naturtalent Der Kürbis – die größte Beere der Welt

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Zahlreiche Kürbissorten gibt es, doch manchen dienen nur der Zierde. Foto: dpa/Friso GentschZahlreiche Kürbissorten gibt es, doch manchen dienen nur der Zierde. Foto: dpa/Friso Gentsch

Osnabrück. 821 Kilo brachte ein Kürbis auf die Waage, der 2010 in den USA geerntet wurde. Er gilt als weltweit größtes Exemplar seiner Art. Die hiesigen Kürbisse, die es derzeit auf Märkten und in Supermärkten zu kaufen gibt, begnügen sich mit einem Gewicht zwischen einem und zehn Kilo. Zweifelsfrei sind sie die größten Beeren der Welt. Beeren mit vielfältigem kulinarischen Potenzial.

Tatsächlich gehören die orange-, gelb- oder rotfarbenen Riesen zu der Familie der Beerenfrüchte. Der rote oder gelbe Zentner, den Großmutter früher gern sauer eingemacht hat, der weltweit bekannte Hokkaido mit seinem knalligen, orangefarbenen Fruchtfleisch, der flaschenförmige Butternut und der würzige Muskatkürbis – sie alle stehen in einer Reihe mit klitzekleinen Beerenfrüchten wie etwa der Johannisbeere, aber auch der Zitrone, die ebenfalls zu den Beerenfrüchten zählt.

Hokkaido ist der Renner

Und sie alle sind derzeit sehr beliebtes Marktgut. „Die werden gerade alle geerntet, der Kürbis ist sehr frostempfindlich“, sagt Rainer Kuhlmann, Geschäftsführer der Gemüsegärtner in Kalkriese. Schon seit September läuft die Saison. Stetig werden die Temperaturen niedriger. Da wird es höchste Zeit, die letzten Kürbisse vom Feld zu holen. Auf ihren Marktständen in Osnabrück und Umgebung haben die Gemüsegärtner vier verschiedene Sorten im Angebot. „Am beliebtesten ist der Hokkaido. Er ist in der Verarbeitung auch am einfachsten, man muss ihn nur putzen und zerteilen. Schälen ist nicht notwendig“, sagt Kuhlmann.

Der Hokkaido lasse sich ganz hervorragend zur Suppe, als Gemüsebeilage oder auch als Rohkost verarbeiten. Der leicht nussig schmeckende Butternut sei hingegen perfekt zum Überbacken im Ofen. „Mit etwas, Salz, Pfeffer und Honig ist das ganz köstlich“, verspricht der Chef der Gemüsegärtner. Früher habe der gelbe oder rote Zentner die Hitliste der beliebtesten Kürbissorten angeführt. „Dann gab es den Knick mit den Einmachgeschichten“, erklärt Kuhlmann. Man kochte weniger ein, verarbeitete eher frisch. Folglich sackte der Zentner in seiner Beliebtheit ab, und Hokkaido holte auf.

Drei-Sterne-Koch empfiehlt den Butternut

Wenn es nach dem Osnabrücker Drei-Sterne-Koch Thomas Bühner geht, sollte noch ein anderer Kürbis aufholen. Sein liebstes Exemplar ist der Butternut-Kürbis. „Der hat eine dünne Schale, wenig Kerne und viel Fleisch“, erklärt der Experte. Den Hokkaido finde er „nicht so prickelnd“. Auf seinen Menükarten landet daher eher der Butternut-Kürbis. „Am liebsten mag ich ihn als Püree“, sagt Bühner. Er empfiehlt, das Fruchtfleisch bei möglichst niedrigen Temperaturen mit kaum Flüssigkeit zu garen und nur mit etwas Butter und Ingwer abzuschmecken. Der Sternekoch schätzt die dicke Beere sehr: „Kürbis ist total vielfältig, er passt zu Fisch, aber auch zu hellem und dunklem Fleisch.“ Genauso wie seine Kräuter darf Thomas Bühner sich auch seine Kürbisfrüchte aus dem Schlossgarten der Ippenburg holen. Ansonsten schaue er auf dem Markt.

Viele dienen nur der Zierde

Neben den Gemüsegärtnern aus Kalkriese verkaufen dort zurzeit noch viele andere Gemüsegärtner ihre Kürbisernte. So auch der Hof Löbke aus Ibbenbüren. „Wir haben 50 Sorten im Angebot“, sagt Juniorchef Tobias Löbke. Zehn davon seien Speisekürbisse, der Rest Zierkürbisse. Neben den Klassikern hat Löbke auch einige Exoten wie den Spaghetti-Kürbis im Angebot. „Beim Kochen zeigen sich längliche Fasern, die wie Spaghetti aussehen.“ Für seinen Hofladen kocht das Team vom Hof Löbke selbst Kürbisse in Weckgläsern ein. Allgemein habe der Trend des Einmachens beim Kürbis aber eher abgenommen, meint der Juniorchef. Und das, obwohl grundsätzlich mehr Kürbis gegessen werde. „Der Verbrauch ist in den vergangenen fünf bis sechs Jahren stetig angestiegen.“

Nicht alle bauen selbst an

Während einige Marktbeschicker ihre Früchte selbst anbauen, kaufen andere von Kollegen zu. So hat der Gemüsehandel Niermann aus Bissendorf seinen Schwerpunkt auf Kartoffeln, Erdbeeren und Spargel gelegt. Er baut daher keine eigenen Kürbisse an. „Ich kaufe sie zu“, sagt Thorsten Niermann. Der eigene Anbau beschränkt sich bei ihm eher auf kleinere Beerenfrüchte und eben Spargel und Erdbeeren, die er im Übrigen nicht nur deutschlandweit vertreibt, sondern auch aus Deutschland exportiert.


Buchtipp: Kittler, Martina: „Kürbis“, GU-Verlag, 7,99 Euro

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