The Ropesh gewinnen „Jungen Deutschen Jazzpreises“ Experimente und tiefe Emotionen


Osnabrück. Premiere: Zum ersten Mal wurden im Blue Note die Gewinner des „Jungen Deutschen Jazzpreises“ gekürt. Den vom Institut für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück mit 2500 Euro dotieren Preis durfte die Band The Ropesh aus Frankfurt und Mannheim mit nach Hause nehmen.

Junge Jazzmusiker lieben das Experiment: Da ploppt das Saxofon, die Becken kreischen, und ein E-Piano gibt jaulende Klänge von sich. Keines der drei Ensembles, die sich für das Finale des Wettbewerbs qualifizierten, frönt konventionellen Klängen. Auch wenn Curious Case, die erste aufspielende Band, ein Stück im Stil eines Trauermarsches beginnt, als sei man auf einer Beerdigung in New Orleans gelandet, so entwickelt sich das Stück dennoch zu einer fantastischen Improvisation von Altsaxofon und Trompete.

Allein die Besetzungen der Gruppen sind ungewöhnlich. So treten Massive Schräge aus Weimar mit Gitarre, Piano und Schlagzeug an, The Ropesh überraschen mit Querflöte, Posaune, Gitarre, Bass, Schlagzeug und einer Sängerin, die dem Bossa nova frönt, derweil die Bläser von Curious Case aus Hamburg von Bass und Schlagzeug begleitet werden.

Letztere nehmen Jury und Publikum von Anfang an mit enormem Ideenreichtum, gekoppelt mit virtuoser Spielfreude, gefangen. Die Kompositionen, alle von Saxofonistin Anna-Lena Schnabel, erweisen sich als komplex und bedienen keinerlei Klischees. Während man hier von einer eigenen Charakteristik des Zusammenspiels sprechen kann, gehen The Ropesh nicht wählerisch mit den Stilistiken um: Erst regiert der Funk, schon bald setzt es freie Improvisationen, dann grätscht ein Gitarrist ins Geschehen, der Flötist ruft elektronisch Sprachfetzen ab, und plötzlich sieht sich der Zuhörer nach Südamerika versetzt, wenn Sängerin Miriam Ast Bossa-nova-Flair zaubert.

Eher ruhig geht es beim Trio Massive Schräge zu: Minimalistische Pianoläufe treffen auf singende Gitarrenmelodien, die von Florian Fleischer mit einem E-bow-Effektgerät zu einer Endlos-Schleife generiert als Fundament für ein Stück dienen.

Aus 70 Bewerbungen hatte die Jury die Finalisten „aus studentischem Umfeld“ ausgewählt. Stefan Hentz, ZEIT-Journalist, der Berliner Musiker Ronny Graupe und Florian Weber, Leiter des Studienprofils Jazz am IfM , haben schließlich die Qual der Wahl: „Es war eine schwere Entscheidung“, sagt Weber und betont, dass alle Darbietungen bei ihm tiefe Emotionen hervorgerufen haben. „Wir haben uns schließlich für The Ropesh als Gewinner des Wettbewerbs entschieden“, so Weber. Der Preis wurde von IfM initiiert, um die Jazzszenen deutscher Hochschulen stärker miteinander zu vernetzen und junge, kreative Bands auf ihrem Weg in die Professionalität voranzubringen.


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