Wärme aus der Erde Außenbecken im Osnabrücker Nettebad nun mit Sole gefüllt

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Osnabrück. Ein Loch bohren, auf Sole treffen, Sole hochpumpen, die salzige Flüssigkeit in ein Becken schütten und den Rest als Wasserheizung nutzen – schön wär‘s. Ganz so einfach ist das Leben dann aber doch nicht. Hinter der Solenutzung im Nettebad stehen ein immenser Aufwand und nicht zu unterschätzende Kosten.

Seit gut einer Woche ist das Ganzjahres-Außenbecken im Nettebad mit gesunder – oder genauer gesagt – mit medizinischer Sole gefüllt. Allerdings kommt das wertvolle Nass nicht aus dem eigenen Garten. Die Sole, die die Stadtwerke unter der Liegewiese ihres bädertechnischen Zugpferdes im Stadtteil Sonnenhügel gefunden haben, taugt leider nicht zum Baden. Sie enthält zu viele Begleitstoffe wie zum Beispiel Eisen. Eine Aufbereitung wäre ungleich teurer als der Einkauf eines hochwertigen Soleprodukts aus dem Weserbergland.

So haben die Bohrungen zwar keinen Lottogewinn mit Jackpot zutage gefördert, wie es Bäderchef Wolfgang Hermle und sein technischer Leiter Jürgen August formulieren, für veritable sechs Richtige hat es aber dennoch gereicht. Denn die etwa 20 Grad warme Sole wird jetzt dazu genutzt, vorrangig das Badewasser aufzuheizen. So können Davina und Josefine im 32 Grad warmen Außenbecken toben. Die beiden Zehnjährigen finden es prima, dass das Wasser an der Oberfläche etwas kühler ist als in der Tiefe. „Das ist witzig.“ Und der Geschmack? „Noch ein bisschen Gewürz und Fleisch und das wäre eine prima Suppe“, meinen die beiden Badenixen.

So weit hergeholt ist der Vergleich noch nicht einmal. Die Weserberglandsole, die als 30-prozentiges Konzentrat in Tankwagen angeliefert wird, ist qualitativ kaum zu toppen. „Damit könnte man auch Speisen würzen“, sagt August. Im Becken selbst liegt die Solekonzentration bei 2,5 bis 3 Prozent.

Hinter der Solenutzung steckt ein erheblicher Aufwand, der sich im Prinzip in zwei Abteilungen gliedern lässt: Zum einen in die Herrichtung der Technik für das Außenbecken, sprich das Badewasser, die zunächst einmal von der Nutzung der eigenen Sole unberührt ist. Zum anderen die Investitionen und technischen Umstellungen, die nötig waren, um die Wärme der Sole, die aus 360 Meter Tiefe unter dem Nettebad gefördert wird, möglichst effizient zu nutzen. Primär wird das warme Salzwasser als Wärmelieferant für das Badewasser eingesetzt. In einem zweiten Schritt, wenn diese Aufgabe erfüllt ist, wird die Wärme der Lüftung, also der Heizung des Bades zugeführt. Nächster und letzter Einsatzbereich ist die Erwärmung des Brauchwassers zum Beispiel für die Duschen, das mit Blick auf die Legionellenabwehr eine wesentlich höhere Temperatur fordert, als das reine Badewasser. Das Ganze ist gekoppelt in einem System mit der Heizungsanlage (Blockheizkraftwerk). Regelungstechnik sorgt für den optimalen Einsatz aller Energielieferanten. „Wir haben im Prinzip die gesamte Heizungstechnik einmal in die Hand genommen“, beschreibt August den Aufwand, der getrieben wurde, um die Geothermie einsetzen zu können. Durch die Soleförderung decken die Stadtwerke schon jetzt 60 Prozent ihres Wärmebedarfs im Nettebad mit dieser regenerativen Energie.

Um eine solche Anlage zu realisieren, mussten die Stadtwerke zunächst einmal ordentlich Geld in die Hand nehmen. Pumpen und Rohrverbindungen aus hochwertigem Edelstahl, Wärmetauscher aus Titan und spezielle Filter sind gefordert, da herkömmliche Materialien der Sole nicht standhalten. Allein in die Technik für das Soleaußenbecken sind nach den Worten Hermles 200000 Euro geflossen.

Dafür haben die Stadtwerke aber ein Vorzeigeprojekt realisiert, das bereits interessierte Nachahmer aus anderen Städten zwecks Besichtigungsbesuch nach Osnabrück lockt. August steht hier an der Spitze der Bewegung. Gemeinsam mit den Entwicklern in den Herstellerfirmen für die technischen Komponenten arbeitet er an der individuellen Anpassung und optimalen technischen Umsetzung. Der Energiesparer aus Leidenschaft ist ständig auf der Suche nach neuen Einsparpotenzialen. „Wir haben da noch so einiges in der Pipeline“, sagt er.


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