Auf Hörsaal-Baustelle Werkvertrags-Ärger: Zoll schaltet sich ein


Osnabrück. Wieder Ärger wegen Werkverträgen: Dieses Mal steht der Neubau eines Hörsaals für Hochschule und Universität Osnabrück im Mittelpunkt. Mehrere rumänische Handwerker sollen seit Wochen kein Geld bekommen haben. Der Zoll hat sich eingeschaltet. Unklar bleibt vorerst die Frage nach der Verantwortlichkeit.

Es geht drunter und drüber in dem kleinen Container auf der großen Baustelle. Dort investiert das Land Niedersachsen 30 Millionen Euro in das Hörsaal-Gebäude. Im Schatten des Rohbaus leben sechs Rumänen. Sie reden wild durcheinander, kramen kleine gelbe Zettel hervor. Vier Stück insgesamt, Schecks in Höhe von jeweils 400 Euro. Das soll alles sein, was die Handwerker für mehrere Monate Arbeit bekommen haben. Jetzt sind sie pleite und fühlen sich betrogen.

Von wem? Mal geben sie dem Vermittler aus dem Allgäu die Schuld, der sie in Rumänien anheuerte und Ende August nach Osnabrück schickte. Mal der Firma Bohle Trockenbau aus Gummersbach mit einer Niederlassung in Coesfeld, in deren Auftrag sie auf der Baustelle per Werkvertrag arbeiten.

„Nicht ich bin der Gauner, sondern die Baufirma“, schimpft der Vermittler am Telefon. Er habe zu wenig Geld von seinem Vertragspartner bekommen. Dementsprechend könne er seine Leute auch nicht ausbezahlen. An der eilig einberufenen Krisensitzung auf der Baustelle am Donnerstag nimmt er nicht teil. Dort hält Bohle-Geschäftsführer Ulrich Becker ihm entgegen, dass 25000 Euro an den Vermittler gezahlt worden seien. „Offensichtlich ist das Geld aber nicht weitergegeben worden.“ Die Zusammenarbeit mit dem Mann aus dem Allgäu habe man eingestellt. Becker: „Wir müssen uns nichts vorwerfen.“

Mit dem Gebot in Höhe von 775000 Euro hatte sich Bohle den Zuschlag für die Trockenbau-Arbeiten an dem Gebäude gesichert. Sechs eigene Monteure sind auf der Baustelle tätig, sagt Becker. Hinzu kämen acht Werkvertragspartner – darunter wohl auch die sechs Rumänen, die ein eigenes Gewerk angemeldet haben und damit als Selbstständige gelten.

Das sei alles rechtens, heißt es von der Hochschule Osnabrück, die die Aufträge für den Bau ausgeschrieben hat. Nachunternehmen zu beauftragen sei erlaubt, solange der Bauherr darüber informiert werde. Und das sei der Fall gewesen.

Bohle-Geschäftsführer Becker verteidigt den Einsatz von umstrittenen Werkverträgen: Nur so sei es möglich gewesen, ein günstiges Angebot abzugeben. „Wir als Unternehmen sind gezwungen, in diesem Haifischbecken mitzuschwimmen, wenn wir Aufträge bekommen wollen.“ Und außerdem sei das so branchenüblich.

Mittlerweile beschäftigt sich der Zoll mit den Vorgängen auf der Baustelle. „Wir wollen herausfinden, was wirklich Sache ist“, so Sprecherin Sabine Pohl. Und das heißt: Waren die Bauarbeiter aus Rumänien wirklich selbstständig, oder wurde das nur vorgetäuscht, um Sozialabgaben zu sparen? Bis die Ermittler eine Antwort darauf hätten, könne es noch einige Zeit dauern.

Wie lange die strafrechtliche Aufarbeitung solcher Fälle dauern kann, zeigt ein aktueller Prozess vor dem Amtsgericht Osnabrück : Dort muss sich ein Stallbau-Unternehmer aus Gehrde verantworten, weil er bis 2010 Arbeiter aus Polen schwarz für sich arbeiten ließ. Insgesamt 600000 Euro an Sozialabgaben soll er so einbehalten haben, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Am Montag beginnt die Verhandlung.

Dann sind die Rumänen wohl längst weitergezogen. Nach Angaben der Gewerkschaft IG BAU, die die Arbeiter in einer Notaktion nach Bekanntwerden der Missstände mit Decken und Nahrung versorgt hatte, haben sie bereits eine neue Beschäftigung in Aussicht. Auf irgendeiner Baustelle irgendwo in Deutschland.


70 Millionen Euro investiert das Land Niedersachsen in den Hochschulstandort Osnabrück. Bereits im Dezember 2012 wurde die neue Mensa am Ende der Barbarastraße fertiggestellt. Weit fortgeschritten sind auch die Bauarbeiten an dem neuen Hörsaalgebäude für Uni und Hochschule. Ab Februar 2014 soll hier Platz für Seminare und zum Lernen sein. Die neueste Baustelle, unten im Bild, ist erst ein paar Wochen alt: Hier entsteht gerade eine gemeinsame Bibliothek für Universität und Hochschule, die voraussichtlich im Sommer 2015 in Betrieb genommen wird.

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