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Täglich 800 Meter in Beton gegossen November 1968: Osnabrück bekommt Autobahn-Anschluss

Von Frank Henrichvark

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Staatsakt auf der Autobahn: An der Anschlussstelle Gaste auf der A 30 vollzog sich am 14. November 1968 nach langer Bauzeit die Freigabe der Autobahn „Hansalinie“. Fotos: Archiv NOZ/Kulturgeschichtliches MuseumStaatsakt auf der Autobahn: An der Anschlussstelle Gaste auf der A 30 vollzog sich am 14. November 1968 nach langer Bauzeit die Freigabe der Autobahn „Hansalinie“. Fotos: Archiv NOZ/Kulturgeschichtliches Museum

Osnabrück. Am 14. November 1968 durchschnitt Bundesverkehrsminister Georg Leber das weiße Bandund gab damit die Hansalinie für den Verkehr frei.

215 Kilometer war die Strecke zwischen Bremen-Ost und Kamen lang. Eine Milliarde Mark betrugen die Baukosten, zuletzt durchschnittlich fünf Millionen pro Kilometer. 70 Rastplätze und sechs Rasthöfe entstanden, 288 Brücken wurden gebaut. Die längste Brücke war die Talbrücke Exterheide mit 430 Metern im Teutoburger Wald. Im Jahr der Einweihung passierten das Lotter Kreuz je nach Fahrtrichtung zwischen 4000 und 11 000 Fahrzeuge. Zu Anfang des 21. Jahrhunderts liegen die Frequenzzahlen über 70000 Fahrzeuge pro Tag.

Der frostige 14. November 1968 war der vorläufige Schlusspunkt eines Ringens um eine angemessene Verkehrserschließung des Nordwestens der Bundesrepublik. Von einem „Jahrhundert-Erlebnis“ sprach denn auch der IHK-Präsident Beckmann beim Empfang des Ministers im Rathaus, und deutete zugleich die weiteren Wünsche der Region an.

Autobahn Hansalinie geht zurück auf den Fernverkehrsplan der NS-Zeit. Die Autobahn zwischen Hamburg und Bremen wurde von 1935 bis 37 gebaut. Die Lücke von Bremen Ost bis Osnabrück und zum Kamener Kreuz erstreckte sich über 129 Kilometer nach Norden und 87 Kilometer Richtung Ruhrgebiet.

Das Lotter Kreuz – oder korrekt das „Autobahnkreuz Osnabrück-Lotte“ verdankt seine Entstehung einem Beschluss, der 1948 von einer Wirtschafts- und Verkehrskommission der Vereinten Nationen gefasst worden war. Die UNO verabschiedete damals einen Plan der internationalen Fernverkehrsstraßen. Neben der Linie Stockholm- Hamburg -Köln wurde darin auch eine Achse London-Berlin-Moskau, eben die Europastraße E8, festgelegt.

Bei der Hansalinie brauchten die Straßenbauer gerade mal fünf Jahre, um das Betonband durch die niedersächsisch-westfälische Tiefebene zu ziehen. Ende 1962 war die Teilstrecke Bremen Ost-Uphusen fertig, Mitte 1963 folgte das Teilstück bis Bremen-Brinkum, die südliche Umgehung von Bremen. Die Planfeststellungsverfahren für den Bau der Hansalinie müssen fast reibungslos verlaufen sein.

Ausgerechnet dort allerdings, wo sich die Fernstraßen kreuzen sollten, in Lotte nämlich, regte sich der Widerstand. Als Minister Seebohm im Sommer 63 die Trasse bereiste, wurde er mit Plakaten konfrontiert: „Von 1000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche 100 ha Autobahn. Wir fordern Ersatzland. Dieses Kreuz drückt uns alle. Die Landwirtschaft ist empört!“

Im Jahr 1964 gibt es doch Konflikte mit dem Kreislandvolkverband, dem Minister Seebohm öffentlich „falsche Behauptungen“ und Ausnutzung einer Machtposition, sogar die Bildung einer „geschlossenen Front“ der Grundeigentümer vorwirft.

Im Sommer 67 und 68 entstehen die Brückenbauwerke für die A30, hinter dem Heger Friedhof am Hakenhofholz wird Sand aufgespült, den ein Schwimmbagger aus dem Rubbenbruchsee hierher pumpt. Auf der Hansalinie werden zu dieser Zeit täglich 800 Meter Fahrbahndecke gegossen.

Die Europastraße E8 wird schließlich im Sommer 1968 zur Autobahn hochgestuft und damit auf ganzer Länge vierspurig ausgebaut. Zunächst soll die Strecke in Richtung Osten (Bad Oeynhausen), dann (ab 1971) Richtung Holland gebaut werden. Per Ministerentscheid musste dann noch eine hochwichtige Frage entschieden werden: Welchen Namen sollte das neue Autobahnkreuz von A 1 und A 30 bekommen? „Osnabrück West“, wie es die Stadt Osnabrück gern gesehen hätte? Oder „Lotte“, wie es die aufmüpfige Gemeinde in Nordrhein-Westfalen wollte? „Lotte-Osnabrücker-Kreuz“ war in der Debatte, auch das „Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück“. Minister Leber ordnete dann die Formulierung „Autobahnkreuz Lotte-Osnabrück“ an.

Die Stadt Osnabrück verfügte zu diesem Zeitpunkt über keinen einzigen funktionsfähigen Autobahnanschluss.Der Ost-West-Fernverkehr quälte sich also weiter über den teilweise immer noch zweispurigen Innenstadtring. Die Stadt hatte zu spät reagiert. Erst 1971 war die E8 (A30) als Osnabrücker Südumgehung fertig.


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