Darmstädter Gericht im Stress Olaf Tank immer noch nicht vor Gericht

Die Geschichte des Olaf Tank, aufgeschrieben von dessen Frau Manuela Thoma-Adofo.Foto: Klaus LindemannDie Geschichte des Olaf Tank, aufgeschrieben von dessen Frau Manuela Thoma-Adofo.Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Vor knapp zwei Jahren hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt Klage gegen den früheren Osnabrücker Skandal-Anwalt Olaf Tank erhoben. Passiert ist bislang nichts. Ein Grund: Der spektakuläre Prozess gegen Heidi K. kam dem Landgericht Darmstadt in die Quere.

Die Sprecherin des Landgerichts Darmstadt bittet um Verständnis für die lange Verfahrensdauer. Der Geschäftsverteilungsplan wollte es, dass ausgerechnet jene Kammer, die die komplexe Betrugsmasche der Internet-Abofallen juristisch aufarbeiten soll, auch noch den Fall Heidi K. auf den Richtertisch bekam. Die Lehrerin, die aus Bad Rothenfelde stammt, wurde im September wegen falscher Vergewaltigungsvorwürfe zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt . Die 48-Jährige hatte einen Kollegen zu Unrecht beschuldigt, der 2001 für fünf Jahre ins Gefängnis musste, wo er vor Ablauf der Strafe starb. Heidi K. wurde deshalb am Freitag von einem Zivilgericht in Osnabrück zur Zahlung von 80000 Euro Schmerzensgeld an die Tochter verurteilt.

Das Verfahren gegen die Lehrerin machte bundesweit Schlagzeilen und beschäftigte die Kammer des Landgerichts über Monate. Die Akte Tank und die der Hauptbeschuldigten Internet-Abzocker blieben deshalb liegen. Außerdem herrscht keine Eile, weil die Beschuldigten nicht in Untersuchungshaft sitzen. Denn: „Haftsachen haben Vorrang“, erklärte die Sprecherin des Landgerichts Darmstadt, Christa Pfannenschmidt. Wann das Hauptverfahren gegen die mutmaßlichen Internet-Betrüger eröffnet wird, ist weiter unklar. Es gebe noch keine Terminierung, sagte die Gerichtssprecherin.

Olaf Tank lebt inzwischen in München und arbeitet als Anwalt für Medien-, Urheber- und Internetrecht. Die Kanzlei firmiert unter einer Münchener Topadresse: Maximilianstraße 13. Dabei handelt es sich um ein repräsentatives Büro- und Geschäftshaus in bester Lage. Auf Anfragen unserer Zeitung teilte der Medienanwalt schriftlich mit, es gebe keine weiteren Informationen. Seit der Anklage sei nichts mehr geschehen.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt erhob im Dezember 2011 Anklage gegen den früheren Osnabrücker Anwalt wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges. Das Landgericht ließ die Klage im April 2012 zu. Mit Tank sind drei Männer als Betreiber von unlauteren Internetseiten angeklagt. Die Staatsanwaltschaft beschränkt die Klage auf die Internetseiten opendownload.de und softwaresammler.de. Die Anklagebehörde wirft den Betreibern und dem Inkasso-Anwalt Tank vor, vom 2. September 2008 bis 28. Februar 2010 Internetnutzer betrogen zu haben. Alle anderen Verfahren, die sich auf Internetseiten gleichen Strickmusters (wie top-of-software.de) beziehen, wurden eingestellt, weil dem Strafverfolgungsinteresse durch die Anklage Rechnung getragen sei, wie die Staatsanwaltschaft damals mitteilte.

Tank stand auch im Blickfeld der Staatsanwaltschaft Landshut, die im April 2012 Tanks Vermögen sicherstellen ließ . Nach Einschätzung der Landshuter Behörde sind mindestens 4,6 Millionen Euro im Zusammenhang mit den Abo-Fallen durch die Hände des Inkasso-Anwalts gegangen.

Tausende gutgläubige Internetnutzer tappten in die Abo-Fallen und zahlten meist um die 100 Euro. So funktionierte das System: Die Betreiber boten auf ihren Seiten Programme zum Herunterladen an, die es überall im Netz kostenlos gab. Mit dem Herunterladen, so die Darstellung der Betreiber, schlossen die Nutzer ein zweijähriges Abo zum Preis von 96 Euro ab. Die Aufgabe von Olaf Tank war es, das Geld einzutreiben. Wer nicht zahlte, erhielt geharnischte Mahnschreiben aus Tanks Osnabrücker Kanzlei im Gewerbegebiet Hellern.


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