Bunter Kunsthandwerkermarkt Tintenfischnudeln und Krippenfiguren

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Krippenbauer Harry Boldt aus Rödinghausen zählte am Sonntag zu den rund 150 Ausstellern des Kunsthandwerkermarktes in der Halle Gartlage. Foto: Michael GründelKrippenbauer Harry Boldt aus Rödinghausen zählte am Sonntag zu den rund 150 Ausstellern des Kunsthandwerkermarktes in der Halle Gartlage. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Was Kunst ist, liegt im Auge des Betrachters. Dem bot sich am Sonntag jede Menge Anschauungsmaterial zur Bewertung: Rund 150 Aussteller präsentierten auf dem Kunsthandwerkermarkt in der Halle Gartlage ein vielschichtiges Repertoire von Erzeugnissen, das von Strickwaren über bemalte Papyri bis hin zu verblüffend echt wirkenden Baby-Puppen so ziemlich alles beinhaltete, was Kreativität gepaart mit handwerklichem Geschick hervorzubringen vermag. Zum Beispiel auch Nudeln mit Tintenfischgeschmack.

Seit vier Jahren findet der Kunsthandwerkermarkt in der Halle Gartlage statt. Das sich die Veranstaltung mittlerweile etabliert haben dürfte, dokumentierte der Besucherandrang: Von mehreren tausend Besuchern sprach Stephan Grawe vom ausrichtenden Veranstaltungsbüro Grawe und Osterbrink, ein voller Parkplatz, Schlangen am Einlass und ein Gewühl wie auf einem Basar belegten seine Schätzung.

Über bloße Vermarktung hinaus gewährten viele Händler vor Ort Einblicke in ihre Arbeitsmethoden, an einigen Ständen konnten Besucher gleich selbst Kunsthandwerk erschaffen. Das Kunst vom Können komme, dürfte bekannt sein, die These taugt auch, um Platz für eher unscheinbare Produkte zu legitimieren: „Wir machen keine Kunst. Das ist solides Handwerk“, antwortete Bernhard Kock aus Ibbenbüren knapp auf die Frage nach dem Geheimnis seiner Kunst.

Bock flicht Sitzflächen für Stühle, statt Kreativität oder Inspiration zähle hier Tradition. „Wir flechten wie anno dazumal. Wenn man sauber arbeitet, wird das Ergebnis gut. So einfach ist das eigentlich.“ Einfach – das ist auch die Ausgangslage von Verena Kroh: Zwei Arme, zwei Beine und ein Kopf eines Basisbausatzes sind Grundlage der täuschend echten „Reallifebabypuppen“. Ohne entsprechendes Vorwissen könnte der Blick auf ihr Sortiment eine Mischung aus Erstaunen und Entsetzen auslösen: Die Puppen sind derart detailgetreu, ihre Erscheinung so realistisch, dass sich der Gedanke aufdrängt, hier stünden echte Babys zum Verkauf.

Tatsächlich sind alle Puppen Unikate, 80 Arbeitsstunden rechnet Kroh je Exemplar. „Nachgefragt wird vor allem von Muttis und Omis“, sagt die Künstlerin aus Bardowick. Aus Rietberg-Mastholte sind Reinhard und Veronika Kempkensteffen nach Osnabrück gekommen, im Gepäck: Jede Menge Nudeln aus eigener Produktion.

Die beiden bewirtschaften einen Bauernhof mit Hühnerhaltung, den Verkauf der Eier an die Endverbraucher managen sie selbst: „Dabei bleibt immer etwas über, irgendwann sind wir dann auf die Idee gekommen, daraus Nudel machen.“ Die Produktion sei teils Handarbeit, teils auf Maschinen gestützt, als Kunst wertet Veronika Kemkensteffen vor allem die Komposition einer gelungenen Nudel. „Wir hatten am Anfang überhaupt kein Know-how und mussten viel lernen und experimentieren.“ Vierzehn Jahre später präsentieren die Kemkensteffens ein respektables wie vielschichtiges Angebot aus Lasagne, Spaghetti und Spiralnudeln mit Dinkel-, Bärlauch-, Steinpilz-, und Zimtgeschmack. Oder eben Tintenfisch: „Deren Geschmack entsteht allerdings nur unter Verwendung künstlicher Aromen“, erklärte Kemkensteffen.


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