Nützliche Vorsorge Notfallmappe hilft pflegenden Angehörigen

Gerd Diekherbers hat eine Notfallmappe entwickelt. Foto: Marie-Luise BraunGerd Diekherbers hat eine Notfallmappe entwickelt. Foto: Marie-Luise Braun

Osnabrück. Sich selbst Gutes tun: Da denken die meisten Menschen an einen entspannten Abend, ein gutes Essen, ein Konzert oder einen Spaziergang. Die wenigsten kommen auf die Idee, für sich selbst vorzusorgen – für Zeiten, in denen sie sich nicht mehr selbst um sich kümmern können. Dabei ist es nur wenig Aufwand, die Dinge für den Ernstfall zu ordnen. Gerd Diekherbers hat dafür eine Notfallmappe entwickelt.

Es geht meistens schnell, und vor allem passiert es zumeist plötzlich: Ein Unfall, ein Herzinfarkt oder ein Hirnschlag, und schon läuft das Leben ganz anders als bisher. „Niemand ist dafür zu jung oder zu alt. Es kann jederzeit passieren“, sagt Gerd Diekherbers.

Pfingstmontag 2010 klagte seine Frau über Kopfschmerzen. Als es am kommenden Tag nicht besser war, fuhren die beiden ins Krankenhaus und dann stand die Diagnose: Schlaganfall. 14 Tage später kam seine Frau als Pflegefall aus der Klinik. In solchen Situationen ist es gut, sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können – auf die Versorgung des Angehörigen. Und so ist es hilfreich, alle relevanten Informationen beisammen zu haben, zumal der Angehörige in dieser Situation zeitlich und emotional stark gefordert ist. „Der Patient kann ja nicht mehr gefragt werden“, sagt Diekherbers.

Dabei meint er nicht nur Informationen über bisherige Krankheiten, Medikamente, Versicherungen, Vollmachten. Wichtig sei auch ganz Alltägliches, wie die Kleidergröße, und darin unterscheidet sich die Mappe von anderen, die entwickelt wurden. „Man muss ja auch mal ein Nachthemd kaufen oder Bettschuhe.“

Auch für solche Informationen hat Gerd Diekherbers Platz in der Notfallmappe vorgesehen, die er für die Selbsthilfegruppe „Pflegende Angehörige Osnabrück“ zusammengestellt hat. Nützlich ist die Mappe jedoch nicht nur für pflegende Eheleute, Kinder und Eltern. Denn fallen sie plötzlich aus oder können in den Urlaub fahren, finden Ersatzpfleger ebenfalls sofort die notwendigen Informationen. So kann in die Mappe auch der Musikgeschmack des Patienten eingetragen werden, sein Lieblingsessen oder der Pullover, den er am liebsten trägt.

Neben Kontaktdaten wichtiger Bezugspersonen, Ärzte, Anwalt, Pastor und Einrichtungen, wie Fußpflege und Physiotherapie, gibt es Platz für den Eintrag von besonderen Ernährungshinweisen, Brillenstärke, Hörgerät und der Hinterlegung des Zweitschlüssels. Außerdem empfiehlt Diekherbers, Kopien wichtiger Unterlagen anzuhängen, wie Personalausweis oder Führerschein. Das Gleiche gilt für die Patientenverfügung und das Testament. „Das sollte man in jedem Fall aufsetzen, egal wie alt man ist“, sagt Diekherbers. Viele Menschen hätten davor zwar Hemmungen, aber: „Man stirbt ja nicht früher, nur weil man sein Testament gemacht hat“, fügt Gerd Diekherbers leise schmunzelnd hinzu.

Zu finden ist die Notfallmappe im Internet. Kostenlos kann sie heruntergeladen werden, am Computer ausgefüllt, ausgedruckt und abspeichert werden.

Mehr Informationen unter www.selbsthilfe-os.info/media/Pflegende%20Angehoerige/Notfallmappe%20Stand%202013-07-01.pdf .


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