In neuer Jazzbeziehung Konzert mit dem Pianisten Florian Weber

<em>Florian Weber</em>
              Foto: BindrimFlorian Weber Foto: Bindrim

Osnabrück. Florian Weber ist nicht nur einer virtuosesten Pianisten des zeitgenössischen Jazz, sondern auch einer der vielseitigsten. Jetzt war er in Osnabrück im Blue Note zu Gast, zusammen mit dem E-Bassisten Bob van Luijt.

Florian Weber ist ein vielbeschäftigter Musiker, auch als „Sideman“. Aber der holländische E-Bassist Bob van Luijt weiß schon, warum er sich genau diesen Pianisten in sein Trio geholt hat. Denn Weber ist es, der an der Schnittstelle von Free und Fusion, Tradition und Moderne die Atmosphäre gestaltet, die Aura der Musik ausbildet. Freilich im engen Austausch mit van Lujit und dem farbreichen Schlagzeuger Billy Martin .

Das Trio durchlebt im Blue Note gerade die aufregende Phase des ersten Kennenlernens. In einer groß angelegten Improvisation tasten, nein: klopfen sie sich ab, und das sehr beherzt. Damit positionieren sich die drei Musiker in dieser musikalischen Dreiecksbeziehung – selbstbewusst und sensibel.

Klanglich dominiert – etwas zu sehr – van Luijt. Er stellt seinen E-Bass, klanglich orientiert an Jaco Pastorius, in den Vordergrund, reizt aus, was dieses Instrument an melodiösem und akkordgetriebenem Spiel ermöglicht – virtuos ist das, mitunter überraschend und mit Pointen gespickt. Klangzauberer Billy Martin erweckt neben dem Schlagzeug allerlei Glocken und Raschel-Instrumente zum Leben; Florian Weber aber wird zum heimlichen Kraftzentrum dieses Trios. Mit dem Fender Rhodes E-Piano schlägt er die klangliche Brücke vom E-Bass zum Klavier, er bringt Minimal Music und Impressionismus ein, und allein die Rhapsodie, mit der er das erste Set beendet, ist ein berauschender musikalischer Trip. Weber tänzelt dabei durch das verwinkelte Haus des Jazz, lugt um Ecken, stößt Türen auf und hat doch das Ziel immer im Blick gehabt. Und egal, wer nun die Hauptperson dieser Dreiecksgeschichte ist: Sie hat großes Potenzial.


Minimal Music: Musikstil innerhalb der Neuen Musik des 20. Jahrhunderts, der sich in den 60er-Jahren in den USA entwickelte. Kennzeichen sind stetig wiederkehrende Melodie-Pattern, die sich nur minimal und ganz allmählich verändern. Wichtige Vertreter dieser Richtung sind Steve Reich oder Philip Glass, sowie in Europa Michel Nyman.

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