zuletzt aktualisiert vor

Neue Chance für den Obus Osnabrück will die Weichen für ein neues Nahverkehrssystem stellen

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Der Oberleitungsbus könnte in Osnabrück das Nahverkehrsmittel der Zukunft sein. Bei den Stadtwerken gibt es große Sympathien für die elektrische Alternative zum Dieselbus.

Ältere Osnabrücker erinnern sich, dass der Obus nach dem Ende der Straßenbahn 1960 für fast ein Jahrzehnt zum Stadtbild gehörte. Die sklavische Abhängigkeit von der Oberleitung wurde jedoch als großer Nachteil empfunden. Wenn der Stromabnehmer in einer Kurve den Kontakt zum Fahrdraht verlor, musste er mühsam wieder eingefädelt werden. Ende der 60er-Jahre wurden die letzten Trolleybusse in Osnabrück durch Dieselbusse ersetzt.

„Jetzt sind wir 40 Jahre weiter“, sagt Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes. Er weist darauf hin, dass moderne Obusse sogar auf Teilstrecken ohne die wenig beliebte Oberleitung auskommen könnten. Und das Einfädeln der Stromabnehmer gehe heute mit elektronischer Hilfe völlig problemlos vonstatten.

Bei einem Symposium der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) am Mittwoch wurde der Obus als innovative, leise und zugleich energiesparende ÖPNV-Lösung gehandelt. Peter Hanz, der Leiter der Solinger Verkehrsbetriebe, sang ein Loblied auf die Trolleybusse, die seit fast 60 Jahren auf den Straßen der Klingenstadt unterwegs sind. Der Elektromotor wirke direkt auf die Achse, auch steile Strecken seien kein Problem. Und der Strom koste nur halb so viel wie der Dieselkraftstoff für vergleichbare Busse.

Die einzige Schattenseite, die Hanz einräumte, ist optischer Natur: „Oberleitungsbusse sind beliebt, die Oberleitung nicht.“ Er hielt dem entgegen, die vielen Autos störten das Straßenbild doch erheblich mehr als ein paar Drähte. Inzwischen gebe es auch schon Fahrleitungen, die auf elegante Weise mit der Straßenbeleuchtung kombiniert würden.

Im Symposium wurden Fahrzeuge vorgestellt, die aus verschiedenen Modulen bestehen, etwa Elektroantrieb kombiniert mit Brennstoffzellen oder Hybridantrieb mit Dieselunterstützung. Abschnitte ohne Oberleitung lassen sich auch mit Batterien überbrücken, für die schon Schnellladestationen erhältlich sind.

Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes spricht sich dafür aus, die Weichen für ein neues Nahverkehrssystem zu stellen. Den Dieselbus hält er für ein Auslaufmodell. Trotz vieler Anstrengungen sei die Geräuschbelastung kaum zurückgegangen, und der Dieselverbrauch steige durch die aufwendiger werdende Filtertechnik. Beim Wirkungsgrad schlage der Elektroantrieb den Verbrennungsmotor um Längen.

Die plötzliche Wiederentdeckung des Trolley-Prinzips wird von der Stadtbahn-Initiative kritisch gesehen. Sie favorisiert den schrittweisen Aufbau eines Schienennetzes in Normalspur nach Karlsruher Vorbild. Der Stadtwerke-Vorstand wittert jedoch hohe Kosten und als Folge davon ausgedünnte Taktzeiten.

Die Entscheidung über ein neues Nahverkehrssystem ist Sache der Räte – nicht nur in Osnabrück, sondern in enger Abstimmung mit den Kommunen der Region.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN