Schöner Wohnen am Schölerberg Noch zwei Jahre Käthe-Kollwitz-Schule - und dann?

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Die Schule war nur ein Intermezzo – bald werden hier neue Wohnungen gebaut. Foto: Gert WestdörpDie Schule war nur ein Intermezzo – bald werden hier neue Wohnungen gebaut. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Beidseits der schon länger bestehenden, aber erst 1955 mit fester Fahrbahn ausgestatteten Ameldungstraße - so genannt in Erinnerung an die 1636 als Hexe verleumdete und hingerichtete Anna Ameldung - entstand seit den 1950er Jahren das Siedlungsgebiet Schölerberg - damals wie heute ein beliebtes Wohngebiet in der Osnabrücker Neustadt. Einige der ersten Gebäude waren die 1954 errichteten Mehrfamilienhäuser in der - wohl nach dem Osnabrücker Dichter Theobald Wilhelm Broxtermann benannten - Broxtermannstraße (auf dem Foto die Baustelle oben links).

Die meisten Wohnungen entstanden in den 1960er Jahren, jüngeren Datums sind nur die Häuser im rechtwinkligen Knick der Schölerbergstraße unten links. Doch das wird sich ab 2015 ändern. Denn die Käthe-Kollwitz-Schule (Bildmitte), die seit den 1960er Jahren den Stadtteil prägt, soll dann geschlossen und abgerissen, die frei werdende Fläche mit Wohnungen bebaut werden.

Planungsgrundlage ist ein Ratsbeschluss aus dem Jahr 2009. Infolge der Errichtung der fünfzügigen Integrierten Gesamtschule am Standort Eversburg werden die Haupt- und Realschulstandorte Eversburg 2016 und Käthe-Kollwitz-Schule 2015 aufgegeben. Die Fläche am Schölerberg soll als Wohngebiet mit den Schwerpunkten Wohnen und Leben im Alter/Generationsübergreifendes Wohnen/Alternative Wohn- und Lebensformen entwickelt werden.

Derzeit besuchen noch circa 160 Schüler die organisatorisch zusammengefasste Haupt- und Realschule, die mit einem gemeinsamen Kollegium und einer einheitlichen pädagogischen Konzeption engagierte Arbeit leistet. Die offene Ganztagsschule hat mehrfach das Gütesiegel „Startklar für den Beruf“ verliehen bekommen. Zudem wurde sie auch als „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ ausgezeichnet. Seit diesem Sommer gibt es nur noch die Jahrgänge 9 und 10 mit insgesamt neun Haupt- und Realschulklassen. Wenn die letzten zehnten Klassen im Sommer 2015 ihre Abschlüsse erreicht haben, wird die Schule geschlossen.

Die Klassen der Berufsbildenden Schulen am Schölerberg, die zurzeit 13 Räume des Gebäudes als Außenstelle nutzen, werden zur Teutoburger Schule umziehen. Gegründet wurde die Schule 1961 als kommunales Mädchengymnasium. Am Nordhang des Schölerbergs begannen im Herbst 1958 die Bauarbeiten für das „Neue Gymnasium für Mädchen“. In mehreren Bauabschnitten entstand so ein gegliederter Schulkomplex mit zahlreichen Klassen- und Fachräumen. Die Aula (an der Ecke Ameldungstraße/Schölerbergstraße) prunkte mit einer großen Konzert- und Theaterbühne, die Sporthalle (am unteren Bildrand links) wurde 1963 fertiggestellt. Zur offiziellen Einweihung im Juni 1964 erhielt die Schule den umstrittenen Namen „Käthe-Kollwitz-Gymnasium“. Während bürgerliche Parteien argumentierten, eine „Kommunistin“ könne kein Vorbild für Mädchen sein, überwog schließlich doch die Überzeugung, dass die sozialkritischen Inhalte ihrer Kunstwerke und das persönliche Schicksal während der Nazizeit Käthe Kollwitz zur Namensgeberin einer modernen und fortschrittlichen Schule in der noch jungen Bundesrepublik regelrecht prädestinierten. Für Spott sorgte gelegentlich die Besonderheit, dass das neusprachliche Mädchengymnasium in einem Nebenzweig eine Frauenoberschule mit Hauswirtschaftsunterricht anbot. Der Abschluss an diesem „Puddinggymnasium“ führte nicht zur allgemeinen Hochschulreife, erlaubte aber das Studium an einer Pädagogischen Hochschule.

Ende der 1960er Jahre hatte das Gymnasium etwa tausend Schülerinnen. Bald wurde der Unterrichtsraum knapp; provisorische Lehrpavillons mit jeweils zwei Klassenräumen wurden aufgestellt. Um diesem Zustand abzuhelfen, kam 1976 der Neubau rechts im Bild hinzu. Nach der Gründung mehrerer Gymnasien im Landkreis durfte das Käthe-Kollwitz-Gymnasium keine Schüler mehr aus dem Landkreis aufnehmen. Daraufhin sank die Schülerzahl in den 1980er Jahren und die Stadt Osnabrück beschloss, das Gymnasium aufzugeben. Die verbliebenen Schüler wechselten an das Gymnasium In der Wüste, das auch die Schulakten übernahm. Seit 1990 und noch bis 2015 wird die Käthe Kollwitz Schule als Haupt- und Realschule geführt.

Dieses Motiv ist in den Geschäftsstellen der Neuen OZ in Osnabrück (Große Straße und Breiter Gang) sowie in Georgsmarienhütte (Am Rathaus 12) erhältlich. Ein Abzug (20 x 30 cm) kostet 14 Euro, das Format 40 x 60 cm 26,50 Euro.


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