Satte Mehrheit für Rot-Grün Analyse der Juniorwahl am Stauffenberg-Gymnasium

Von Stefan Buchholz

<em>Die Juniorwahl </em>analysierten der Graf-Stauffenberg-Schüler jetzt.Foto: Stefan BuchholzDie Juniorwahl analysierten der Graf-Stauffenberg-Schüler jetzt.Foto: Stefan Buchholz

Osnabrück. Cool sein und Kanzlerin wählen? Von wegen. Der auf jugendlich getrimmte CDU-Stimmenfang zur Bundestagswahl verfing bei den Schülern des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums (GSG) kaum. Stattdessen wählten die mündigen Bürger in spe Rot-Grün mit 51,1 Prozent. Eine Wahlanalyse machte jetzt eine neunte Klasse mit einer Expertin von der Universität Osnabrück.

Kurz vor der Bundestagswahl fand auch diesmal wieder die Juniorwahl an deutschen Schulen statt. An dem vom Berliner Verein „Kumulus“ 1999 gegründeten Einübungsspiel des Nachwuchses im Wahlkreuze machen beteiligten sich am GSG 452 Schüler der achten bis elften Jahrgangsstufe. Und zwar von der Pike auf. „Die elften Klassen organisierten als Vorstand die Wahl, legten Verzeichnisse an, kontrollierten Ausweise und zählten die Stimmen aus“, erzählt Politiklehrer Alexander König. Mit den jüngeren Schülern habe man dafür intensiv alles besprochen.

Das Ergebnis der Juniorabstimmung am GSG: Bei den Erststimmen gewann SPD-Mann Martin Schwanholz den Wahlkreis Osnabrück-Stadt – und nicht wie in der Realität Mathias Middelberg (CDU). Mit ihren Zweitstimmen sorgten die Schüler für eine satte Mehrheit von Rot-Grün. Auch den Piraten verschafften sie mit 9,5 Prozent der Stimmen einen sicheren Hafen im theoretischen Reichstag. Überraschung auch bei der Wahlbeteiligung: Mit 82,5 Prozent toppten die Gymnasiasten die Wahlbeteiligung der Erwachsenen um elf Punkte.

Zur Aufarbeitung vieler Fragen rund um die Junior- und die tatsächlich gültige Bundestagswahl holten sich die GSG-Schüler der 9a Dorothee Kellermann von Schele ins Klassenzimmer. Die Uni-Lehrbeauftrage für Vergleichende Politikwissenschaft – Spezialgebiet: Parteien und Wahlkämpfe – wollte aber zunächst wissen: Was hat euch bei der Wahlentscheidung geholfen? Nur schwer, weil schwammig, das TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück, meinte ein Schüler. Das Internet und den Wahl-O-Mat zählten andere als Entscheidungshilfe auf. „Was meint ihr, warum euer Wahlergebnis von dem der Erwachsenen abweicht?“, fragte Kellermann. Wir haben uns halt gut informiert, lautete die selbstbewusste Antwort. Heraus kam auch: die Jugendlichen interessierten sich vor allem für die NSA-Debatte, Nachhaltigkeit und die Abschaffung von Studiengebühren.

Im zweiten Teil der Doppelstunde fragten die Schüler nun die promovierte Wahlkampf-Expertin: „Warum hat die ,Alternative für Deutschland‘ so viele Stimmen erhalten, obwohl man doch vor von der Partei nichts mitbekommen hat? Wieviel Geld geben Parteien für ihren Wahlkampf aus? Und: Warum zeigte Steinbrück den Mittelfinger?“

„Bürger wie euch kann man in der Demokratie gebrauchen“, lobte Kellermann am Ende die ihrer Meinung nach sehr gut informierten Schüler. Und auch Lehrer König zeigte sich vom Experten-Import in seine Klasse zufrieden: „Unterrichtseinheiten wie heute sorgen dafür, dass mündige Bürger aus dem Unterricht heraus gehen – und das ist ja auch das Ziel.“


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