Vier Osnabrücker Autoren Buch über Wohnungslosigkeit: „Ausweg Straße“

Drei der vier Autoren (von links): Thomas Osterfeld, Beate Nakamura und Thomas Kater. Maria Anna Leenen hat an der Buchvorstellung nicht teilgenommen.  Foto: Egmont SeilerDrei der vier Autoren (von links): Thomas Osterfeld, Beate Nakamura und Thomas Kater. Maria Anna Leenen hat an der Buchvorstellung nicht teilgenommen. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Vier Osnabrücker haben ein Arbeitsbuch zum Thema Wohnungslosigkeit geschrieben. Es richtet sich an Schulklassen, aber auch Jugendgruppen oder Gemeinden, die sich mit dem Thema befassen wollen. Das Konzept einer Projektwoche rundet das Buch ab.

Wohnungslosigkeit sei angesichts einer besseren Versorgung mit Notunterkünften und Aufenthaltsräumen nicht mehr ständig sichtbar, verzeichne dennoch einen stetigen Anstieg, sagte Mitautor Thomas Kater, Mitarbeiter in der Tageswohnung des SKM, bei der Buchvorstellung. Er verwies auf eine am Mittwoch veröffentlichte Meldung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Danach ist die Zahl der Menschen in Deutschland ohne Wohnung seit 2010 um 15 Prozent auf 284000 angestiegen. Bis 2016 prognostiziert der Verein einen weiteren Anstieg um 30 Prozent auf 380000 Menschen. Als Hauptgründe werden hohe Mieten, Verarmung und Fehlentscheidungen bei Hartz IV genannt, zum Beispiel Kürzungen bei den Kosten der Unterkunft für junge Erwachsene.

Eine wachsende Zahl junger Wohnungsloser sei auch in Osnabrück zu beobachten, sagte Mitautorin Beate Nakamura. Hier gebe es zwar keine Straßenkids wie in Großstädten, aber immer mehr junge Leute, denen der „Ausweg Straße eine verlockende Alternative“ erscheine. Ein Kapital dazu solle jungen Menschen vor Augen führen, dass das Leben auf der Straße keineswegs die große Freiheit bedeutet.

Wie schnell der Weg nach unten und nur langsam wieder nach oben führt, berichtete Werner Peters, dessen Schicksal in dem Buch mit einigen anderen kurz angerissen wird. Er musste innerhalb weniger Monate den Tod seiner Frau und seiner Eltern verkraften. Nach einem Arbeitsunfall konnte der gelernte Maurer nicht mehr arbeiten. Immer häufiger griff er zum Alkohol. Als Jahre später seine zweite Lebensgefährtin starb, kam der völlige Absturz. „Ich habe nie über meine Probleme geredet“, sieht er rückblickend ein.

Der Zufall führte ihn nach Osnabrück, wo er erst einen Entzug machte und dann für ein Jahr im Laurentiushaus einzog. In der Einrichtung bekommen Wohnungslose nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch Hilfe bei der Rückkehr in ein sesshaftes Leben. „Mit der ,Abseits!?‘ aus dem Abseits“, erzählt Peters. Der Verkauf der Obdachlosenzeitung brachte ihn in Kontakt zu anderem Menschen: Durch eine Kundin fand er eine Wohnung, eine andere wurde seine neue Lebensgefährtin. Heute ist er 66 Jahre alt, trocken und mit seinem Leben zufrieden. Er malt, singt im „Abseits!?“-Chor und sieht wieder „die Blumen am Wegesrand blühen“.

Werner Peters ist auch oft dabei, wenn Thomas Kater in Schulen von Wohnungslosen berichtet. Sein Ziel und das des Buches ist es, die Menschen auf der Straße als Menschen zu zeigen, ihnen bei allen Problemen die Würde zu erhalten. Schulklassen und andere Jugendgruppen erhalten deshalb während des Projektes die Gelegenheit, persönlich mit Wohnungslosen und ehemals Wohnungslosen ins Gespräch zu kommen. Möglich ist aber auch, selbst für einen Nachmittag Verkäufer der Straßenzeitung „Abseits!?“ zu sein.

„Ausweg Straße!?“ bietet auf 136 Seiten und einer CD Hintergrundinformationen, Daten, Lebensbeschreibungen, Aufgaben für Einzel- und Gruppenarbeit. Es ist im Dialogverlag Münster erschienen und kostet 19,80 Euro.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN