Keine stichhaltigen Beweise Mordfall Obst: Aufhebung des Haftbefehls beantragt

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<em>Fall Gabriele Obst:</em> Weiterhin keine stichhaltigen Beweise vor dem Landgericht Bielefeld. Symbolfoto: dpaFall Gabriele Obst: Weiterhin keine stichhaltigen Beweise vor dem Landgericht Bielefeld. Symbolfoto: dpa

Bielefeld. Der Verteidiger des wegen Mordes angeklagten Ehemanns von Gabriele Obst hat vor dem Landgericht Bielefeld beantragt, den Haftbefehl gegen den 74-jährigen Haller aufzuheben. „Es besteht kein dringender Tatverdacht gegen meinen Mandanten“, sagte er zu Begründung.

Verteidiger Siegfried Kammel führte aus, dass sich der Haftbefehl allein auf die DNA-Anhaftungen seines Mandanten an dem Gewehr stütze, mit dem die 49-jährige Zeitungsbotin im April erschossen wurde. Das Gewehr gehörte dem Beschuldigten, war aber nicht registriert. Ansonsten habe der Prozess bisher keine Beweise für die Schuld des Ehemanns zutage gefördert, so Kammel weiter. Keiner der Gutachter, weder in der Rechtsmedizin noch im Landeskriminalamt, habe einen Selbstmord von Gabriele Obst ausschließen können.

Doch selbst wenn ein Suizid ausgeschlossen werden könnte, sei das auch noch kein Beweis für die Schuld des 74-jährigen Hallers, so der Verteidiger weiter. „Auch der Sohn kommt für die Tat infrage“, so Kammel. Vorstellbar sei auch, dass ein Liebhaber von Gabriele Obst die Tat begangen habe. Vielleicht habe Frau Obst sich mit der Beendigung der Beziehung nicht abfinden können und habe ihn womöglich erpresst. Bei einem Besuch im Hause Obst könne er sich in den Besitz der Waffe gebracht haben.

Die Kammer entschied, nicht sofort über den Antrag zu entscheiden. „Schließlich sind noch gar nicht alle Beweismittel in den Prozess eingeflossen“, sagte der vorsitzende Richter. Man wolle die Schöffen nicht beeinflussen und werde daher in der Runde der drei Berufsrichter außerhalb der öffentlichen Verhandlungen darüber entscheiden.

Zu den Zeugen des Verhandlungstages gehörten unter anderem der Sohn und die Tochter des Angeklagten und seiner getöteten Frau. Der Sohn machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, die Tochter hingegen erklärte sich zur Aussage bereit.

„Für mich war das eine ganz normale Ehe“, berichtete die 26-Jährige. Von großartigen Streitereien habe sie nichts mitbekommen, das Verhältnis der Familienmitglieder untereinander sei gut gewesen. Ihre Mutter sei ein lebenslustiger, herzensguter Mensch gewesen, die für alle ein offenes Ohr hatte.

Nachdem die junge Frau den Ablauf des Morgens des 16. April – dem Tag, als Gabriele Obst verschwand – geschildert hatte, berichtete sie von einem Gespräch zwischen Vater und Sohn im Schlafzimmer, das bereits an diesem Tag stattgefunden haben soll. Der Sohn habe den Vater darauf aufmerksam gemacht, dass eine der Waffen fehlen würde. „Hoffentlich hat sie die nicht mitgenommen“, soll der Vater gesagt haben. Auf die Frage, warum sie der Polizei nichts von dem Fehlen der Waffe erzählt habe, sagte die Tochter, dass ihr Vater sie darum gebeten habe. „Er ist mein Vater und er wird seinen Grund gehabt haben, dass er es nicht sagen wollte.“

Das Gericht konfrontierte den Angeklagten schließlich mit der Aussage der Tochter, denn er selbst will das Verschwinden der Waffe erst am 26. April bemerkt haben, nachdem die Leiche gefunden worden war. „Da muss sie sich irren“, sagte der 74-Jährige. „Das Gespräch war nicht am 16. April, das war viel später.“

Das Gericht befragte die Tochter schließlich noch zu möglichen Selbstmordabsichten der Mutter und hielt der Zeugin vor, dass sie selbst bei den ersten Befragungen durch die Polizei einen Selbstmord ausgeschlossen habe.

Mit dem Gedanken habe sie sich anfangs auch nicht anfreunden können, sagte die Tochter. „Das durfte so nicht sein“, erklärte sie. Nach dem Auffinden ihrer Mutter am 26. April sei ein Selbstmord dann aber das Einzige gewesen, was für sie infrage kam. „Ich hatte inzwischen ja auch viel Zeit, darüber nachzudenken“, sagte die junge Frau. Ihre Mutter habe seit mehr als einem Jahr starke Kopfschmerzen gehabt. Vielleicht, weil sie oft unter Stress gestanden hatte. Zudem habe sie vor einigen Jahren aus einem Haus ausziehen müssen, an dem sie sehr gehangen habe. Das habe sie kaum verkraftet. „Sie wird einfach genug von allem gehabt haben, sodass sie einfach nicht mehr wollte“, sagte die Tochter.

Gefragt nach möglichen Liebhabern ihrer Mutter wehrte die 26-Jährige entschieden ab. „Dazu wäre sie viel zu ehrlich gewesen.“


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