Mutmaßlicher Täter nicht vorbestraft Mordfall Christina: Geständnis nach drei Stunden Verhör

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df/ski Osnabrück. Der mutmaßliche Mörder von Christina hat nach den Erkenntnissen der Ermittler keine weiteren Sexualdelikte oder andere Straftaten begangen. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt. Demnach habe der heute 45-Jährige bis zu seiner Festnahme „ein ganz unauffälliges Leben geführt“, wie es hieß.

Von Dirk Fisser und Sven Kienscherf

Nach den Angaben der Polizei ist der Mann verheiratet, hat keine Kinder und ging bislang einer geregelten Arbeit nach. Am Sonntag erfolgte die Festnahme, nachdem der 45-Jährige im Zuge eines Gentests der Polizei freiwillig eine Speichelprobe abgegeben hatte. Die DNA deckte sich laut Uwe Hollmann, Chef des zuständigen Fachkommissariats in Osnabrück, mit einer Spur auf einem Kleidungsstück der ermordeten Christina.

Nach rund dreistündigem Verhör am Sonntag brach der Mann laut Oberstaatsanwalt Hubert Feldkamp sein Schweigen und gestand das Verbrechen am 27. November 1987 . Demnach habe er Christina umgebracht, um die versuchte Vergewaltigung zu vertuschen.

Der sexuelle Missbrauch wird in der Anklage, die die Staatsanwaltschaft jetzt vorbereitet, keine Rolle spielen. Die Straftat ist verjährt. Aller Voraussicht nach wird die Anklage auf Mord lauten. Weil der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt erst 19 Jahre alt war, wird er sich vor einer Jugendstrafkammer verantworten müssen. Die Richter müssen sich dabei am Rechtsrahmen von 1987 orientieren. Das heißt: Im Falle einer Verurteilung droht dem 45-Jährigen eine Freiheitsstrafe von maximal zehn Jahren.

Wie auf der Pressekonferenz deutlich wurde, war der mutmaßliche Mörder bereits kurz nach der Tat im Fokus der Ermittler. Ein Zeugenhinweis habe sie auf seine Spur gebracht. Allerdings habe sich das Alibi zu diesem Zeitpunkt als wasserdicht erwiesen.

Nach der Ausstrahlung des Falls Christina in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ im April 2013 ging allerdings ein weiterer Hinweis ein, der wieder auf den 45-Jährigen hindeutete. So geriet er nach Angaben der Staatsanwalt in den erweiterten Kreis von 50 Personen, die zur freiwilligen Speichelprobe gebeten wurden. Die Ermittler betonten, dass der Fahndungserfolg erst durch die neue Kriminaltechnik möglich geworden sei.

Der mutmaßliche Mörder hat laut Uwe Hollmann freundlich reagiert, als die Polizei ihn zum Verhör bat. Sein Anwalt Frank Otten sprach am Rande der Pressekonferenz am Dienstag davon, dass sein Mandant erleichtert sei, nachdem er 25 Jahre mit dem Geheimnis gelebt habe. Er bereue die Tat. Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum habe der mutmaßliche Mörder aber nicht geben können, betonte Oberstaatsanwalt Feldkamp.

Erleichtert zeigten sich auch die Ermittler, die davon ausgehen, den aufsehenerregenden Mordfall nach 25 Jahren geklärt zu haben. Michael Maßmann, Chef der Polizeiinspektion Osnabrück, sprach von einem „hohen Maß an Erleichterung“ und einem „gewissen Maß an Stolz“. Laut Oberstaatsanwalt Feldkamp sei der Fall für die Ermittler besonders wichtig gewesen. „Wir sind nicht nur Staatsanwälte und Polizisten, sondern auch Eltern.“


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