Polizei gab Hoffnung nie auf Mordfall Christina: Rückblick auf 25 Jahre Ermittlungen



Osnabrück. Ab 11 Uhr will die Polizei in Osnabrück in einer Pressekonferenz über die Hintergründe zur Ergreifung des mutmaßlichen Mörders von Christina informieren. Er soll das Mädchen vor 25 Jahren umgebracht haben. Noz.de berichtet live. In dem Vierteljahrhundert hat die Polizei die Hoffnung nie aufgegeben, den Täter zu fassen. Hier die Hintergründe:

Hoffnung? Nein, die habe sie nicht mehr, sagte Christinas Mutter unserer Zeitung im Sommer 2012. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass der Täter trotz der guten Arbeit der Polizei nicht gefasst wird.“ 25 Jahre nach dem Mord an ihrer Tochter scheint es nun doch anders gekommen zu sein: Die Ermittler haben einen Mann festgenommen, er soll das Verbrechen gestanden haben .

Vergewaltigt, umgebracht und im Gebüsch liegen gelassen: Der Mord am 27. November 1987 erschütterte Osnabrück. Die kleine Christina, damals neun Jahre alt, war spät dran an diesem Freitag. Deswegen machte sie sich alleine auf den Weg zur Schule. Wie jeden Morgen ging sie über einen Schleichweg vorbei an verwilderten Hecken und Schrebergärten. Irgendwo hier muss der Mörder dem Mädchen aufgelauert haben. Zumindest fand die Polizei am Abend im Dickicht Christinas Leiche.

„Dieser Tatort war unser Dilemma“, sagte der damalige Leiter der Mordkommission unserer Zeitung fast ein Vierteljahrhundert später. „Wir hatten nie eine Spur. Nie.“ Obwohl die Kripo tage- und wochenlang rund um die Uhr arbeitete, konnte der Täter nie gefasst werden. Die Mordkommission wurde im Februar 1988 aufgelöst. Alle Spuren waren ausgewertet. Ohne Erfolg. „Nach Wochen, nach Monaten, nach Jahren war ich immer mal wieder am Tatort. Ich weiß, dass das komisch klingt. Erklären kann ich das nicht“, so Horst Kuhn im Sommer 2012. Der Fall der kleinen Christina ließ den Ermittler nicht los.

Kuhn ging in Pension, die rund 20 Akten zum Mordfall aber blieben auf der Polizeiwache am Kollegienwall in Osnabrück allgegenwärtig. Kuhns Nachfolger Uwe Hollmann und seine Kollegen nahmen sie immer wieder hervor, um die Frage zu beantworten, die sich ihr Vorgänger noch im Ruhestand stellte: „Habe ich damals irgendetwas übersehen?“ Nein. Zumindest fanden auch seine Kollegen keine neuen Ermittlungsansätze.

Bis in den April dieses Jahres. Hollmann rollte den Fall erneut auf. In einer Kiste im Keller der Staatsanwaltschaft Osnabrück lagerten die sichergestellten Gegenstände vom Tatort. Darunter auch Christinas Kleidungsstücke. Die schickte er an einen Spezialisten zur Untersuchung mit neuen Analysemethoden. Das Ergebnis: „Wir haben eine männliche DNA gefunden, die wir als mögliche Täter-DNA einstufen müssen“, sagte Hollmann.

Wenig später stand er im Studio der ZDF-Sendung „ Aktenzeichen XY “. 25 Jahre nach dem Mord rief er Zeugen auf, sich bei den Ermittlern in Osnabrück zu melden. Einige Dutzend Anrufe gingen ein. Ob darunter einer war, der zum mutmaßlichen Mörder führte, ist unklar. Nach Informationen unserer Zeitung ist aber sicher: Eine DNA-Untersuchung legte den Verdacht nahe, dass der Mann, der die Tat nun gestanden hat, in irgendeiner Form in den Mord an dem Mädchen verwickelt war. Am Sonntag erfolgte die Festnahme, wenig später nach unseren Informationen ein Geständnis. Im Laufe des Montags wurde der Mann dem Haftrichter vorgeführt, er sitzt in Untersuchungshaft.

Am Dienstag wollen Polizei und Staatsanwaltschaft eine Pressekonferenz abhalten. Hier sollen weitere Details zur spektakulären Wende in dem Mordfall bekannt gegeben werden. Im Sommer 2012 sagte der pensionierte Ermittler Kuhn: „Ich hoffe inständig, dass dieser Fall jemals geklärt wird. Auch für die Familie.“ Diese Hoffnung könnte sich nun bewahrheiten. Eine Hoffnung, die die Mutter schon aufgegeben hatte. Die Polizei aber nie.

Hass hege sie gegen den Mörder ihrer Tochter nicht, sagte die Mutter vergangenes Jahr. „Es ist nur schade, dass ich ihm nicht in die Augen schauen und fragen kann, warum?“ Vielleicht wird sie diese Auskunft nicht vom mutmaßlichen Mörder direkt erhalten. Eine Antwort könnte aber ein möglicher Mordprozess vor dem Landgericht Osnabrück liefern, wenn es zur Anklage kommt und diese zugelassen wird.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN