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Pinseln für die Tradition Hans-Günter Winkeler restauriert historisches Hofwappen der Nahner Familie Entrup

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<em>Eine Sisyphosarbeit,</em> die entspannt: Jeden Buchstaben zieht Hans-Günter Winkeler per Hand nach. Foto: Egmont SeilerEine Sisyphosarbeit, die entspannt: Jeden Buchstaben zieht Hans-Günter Winkeler per Hand nach. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Hofwappen sind selten geworden. Doch es gibt sie noch. Weithin sichtbar etwa prangt eines seit 1669 am Giebel des Hofes Entrup in Nahne. Damit das so bleibt, muss es regelmäßig restauriert werden.

Alle zehn bis zwanzig Jahre trennen sich die Entrups für ein paar Wochen von ihrer Giebelverzierung, damit Hans Winkeler und sein Sohn Hans-Günter das historische Wappen wieder erneuern können. Die beiden Familien sind seit Jahrzehnten befreundet. Hans-Günter Winkeler hat die Aufgabe in diesem Jahr erstmals von seinem Vater übernommen. In seinem Hobbykeller vertieft er sich gern für einige Stunden in die Arbeit. „Es ist ein schönes Gefühl, eine 700 Jahre alte Tradition fortzusetzen“, sagt er.

Die ersten Entrups waren im zwölften Jahrhundert urkundlich erwähnt worden, berichtete die „Neue Tagespost“, Vorläufer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, am 27. Oktober 1966, als Winkeler senior das Wappen zum ersten Mal instandsetzte. „Zum Viehstand gehörten, wie einer späteren Steuerliste zu entnehmen ist, im Jahre 1557 zehn Kühe, sieben Rinder, 26 Schafe, 16 Schweine und 5 Pferde“, so der Bericht.

Familienwappen waren im zwölften Jahrhundert noch dem Adel vorbehalten. Doch schon 100 Jahre später durften auch Bürger und Bauern Wappen führen. Das der Familie Entrup wurde 1669 gewidmet – und zwar „von Henrich Witte, genannt Trymacher, Bürger und Ratsherr zu Osnabrück“ und „Boldewein Bartelmann, Bürger und Kaufherr in Osnabrück“ – so steht es zumindest auf der Holzplatte. Offensichtlich hatten die Entrups damals gute Beziehungen zur Stadt. Ob sie sich hätten vorstellen können, dass Nahne drei Jahrhunderte später eingemeindet werden würde?

Im Zweiten Weltkrieg traf eine Luftmine den Hof und das Wappen wurde völlig zerstört. Es konnte 1946 nach altem Vorbild wiederhergestellt werden – durch wen, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Seitdem sorgen die Winkelers dafür, dass das Wappen nicht zu sehr verwittert. Heinz Dieter Steven, ebenfalls ein Freund der Familie Entrup, hat zudem ein Kupferdach angefertigt, das das Wappen gegen Regen schützt.

Als Bühnenbeleuchtungsmeister am Osnabrücker Theater hat Hans-Günter Winkeler das Glück, den Bühnenbildner um Rat fragen zu können. Mit feinen Pinseln zieht Winkeler seit Wochen minutiös die Buchstaben nach und frischt die Farben auf. „Das ist eine wunderbare Arbeit, um immer mal wieder zu Ruhe zu kommen“, sagt er.

Was die Zeichen auf dem Wappen bedeuten, erklärt übrigens auch der Zeitungsbericht von 1966: Auf rotem Grund ist ein Dengelhammer zum Schärfen von Sicheln oder Sensen dargestellt, der von drei stilisierten Ähren überragt wird.


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