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Zwei Künstler geben sich kritisch Werke von Klaus Staeck und Fritz Raddatz im Kunst-Quartier

Deftig prangern Klaus Staeck und Jens Raddatz (im Bild) Missstände in Politik und Gesellschaft an. Foto: Egmont SeilerDeftig prangern Klaus Staeck und Jens Raddatz (im Bild) Missstände in Politik und Gesellschaft an. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Mit provokanten politischen Postkarten und Plakaten wurde Klaus Staeck in den 70er-Jahren berühmt. Im Kunst-Quartier eröffnet der Bund Bildender Künstler (BBK) Osnabrück jetzt eine Ausstellung unter dem Titel „Zum politischen…“ mit Werken von Staeck und dem Osnabrücker Künstler Jens Raddatz.

Es sind eine Auswahl von Staecks Plakaten aus allen Schaffensperioden sowie Werke von Raddatz zu sehen, die sich dem aktuellen Thema „Terror von rechts“ widmen. „In meiner Magisterarbeit an der Universität Osnabrück habe ich mich intensiv mit der Bedeutung des Siebdrucks für die Kunst beschäftigt“, erklärt Raddatz, Erster Vorsitzender der BBK-Bezirksgruppe Osnabrück. Auf die Frage in einem Bogen zum Thema, den er an diverse Grafiker und Künstler verschickte, wen der Empfänger denn für den wichtigsten Siebdruckkünstler halte, bekam Raddatz eine Antwort per Telefon: Staeck rief den Osnabrücker an, um ihm mit einem selbstbewussten Augenzwinkern mitzuteilen, dass natürlich Staeck der wichtigste Siebdrucker sei.

Aus diesem Kontakt entwickelte sich eine Bekanntschaft, die schließlich zu der gemeinsamen Ausstellung im Kunst-Quartier führte. Politik- und Gesellschaftskritik ist angesagt, wenn man die Ausstellungsräumlichkeit betritt. Staecks satirische Angriffe auf die Springerpresse, seine Auffassung, dass unser Grundgesetz nach 50-jähriger Existenz zerlöchert sei oder der Kapitalismus in Form von kenternden Containerschiffen über den Ozean schippert, findet man ebenso in Plakatform wie das Titelblatt zu seinem Buch „Pornografie“. In dem er die Obszönität der Bildersprache in den Medien auf Korn nimmt, die keinen Blutflecken, kein martialisches Bild von Krieg oder Gewalt und keine spektakuläre Enthüllung privater VIP-Lebensumstände unveröffentlicht lassen.

Raddatz zeigt einen Bildzyklus, mit dem er die Bedeutung der Medien für die Aktionen der Roten-Armee-Fraktion (RAF) thematisiert. Per Siebdruck verwandelte er rostende Stahlblechtafeln in eine Art Wandzeitung. Fotos, Zitate, Reproduktionen zum Thema RAF zeigen die Art des gegenseitigen Umgangs der Presse und der Terroristen auf – bis hin zum „Wendepunkt Stockholm“, der Geiselnahme in der dortigen westdeutschen Botschaft.

Mit den aktuellen Werken „Anschlag gegen rechts“ und „Aktion Dönerspieß“ prangert Raddatz den Terror von rechts an. Eine Art Abreißblock eröffnet inhaltliche sowie künstlerische Perspektiven auf rechte Propagandisten wie Rudolf Hess oder Karl-Heinz Hoffmann von der nach ihm benannten Wehrsportgruppe.

Am 23. Februar findet im Kunst-Quartier eine Diskussion zum Thema „Kunst kann mehr als dekorativ – zum politischen Wirken der Kunst“ statt.

BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): Druckgrafik von Klaus Staeck und Jens Raddatz. 3. Februar (Eröffnung um 19 Uhr) bis 16. März, Di., Mi. und Fr. 14–18 Uhr, Do. 15–20 Uhr Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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