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Melone zur Moritat Stilechte Reise durch ein Künstlerleben: Benno Berlin sang Songs von Kurt Weill in Osnabrück

<em>Gesang von Macky Messer:</em> Sänger Benno Berlin und Pianistin Marije van Duijne. Foto: Hermann PentermannGesang von Macky Messer: Sänger Benno Berlin und Pianistin Marije van Duijne. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Für den Rollenwechsel genügt eine Kopfbedeckung. Wenn Benno Berlin mit kumpelhaftem Charme den Song „Buddy on the Nightshift“ singt, setzt er sich eine graue Schiebermütze auf. Zur „Moritat von Macky Messer“ trägt er eine schwarze Melone, und zum „Matrosen-Tango“ passt eine weiße maritime Mütze. Ansonsten hat der aus Ankum stammende Sänger und Conférencier keine Verkleidung nötig und überzeugt auch unbehütet mit seiner Stimme und der Begeisterung für den Komponisten Kurt Weill (1900–1950).

Er wolle seine „Verliebtheit“ auf das Publikum übertragen, erklärte der 48-jährige Benno Gramann alias Benno Berlin, der in Osnabrück durch Auftritte mit dem Pianisten Gerrit Loets bekannt ist und seit 15 Jahren in den Niederlanden lebt. Am Freitag präsentierte er im gut besuchten Spitzboden der Lagerhalle sein Programm „Kurzweilig – Songs und Meer...! von Kurt Weill“, bei dem er von der Hilversumer Pianistin Marije van Duijne Strobosch begleitet wurde.

Gelungen ist den beiden damit eine kurzweilige Hommage an einen Komponisten, der als Sohn eines jüdischen Kantors in Dessau geboren wurde und dessen Lebensstationen von Berlin bis ins Exil nach Paris und New York reichen. Hierzulande vor allem als Komponist der „Dreigroschenoper“ bekannt, mutete da der „Berlin-im-Licht-Song“ als charmantes Kuriosum an, den Weill 1928 anlässlich der gleichnamigen Berliner Festwoche über neue Beleuchtungstechniken kreiert hatte. Mit Songs aus der „Dreigroschenoper“ oder aus „Happy End“ markierte Benno Berlin Weills erfolgreiche Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht und die Ehe mit Lotte Lenya. Dazwischengeschoben waren Einlagen als Nachrichtensprecher, die die zunehmende politische Bedrohung verdeutlichten. Der zweite Teil des zweistündigen Programms behandelte mit Liedern wie dem morbiden „Complainte de la Seine“ oder „My Ship“ Kurt Weills Exilzeit in Paris und New York.

In den USA als Broadway-Komponist anerkannt, schuf er neben Musical-Klassikern wie „Knickerbocker Holiday“ auch die Musik zum Spottlied „Schickelgruber“, das die Herkunft Adolf Hitlers karikiert. Mit ans Ende seiner Hommage an ein ebenso reichhaltiges wie relativ kurzes Künstlerleben stellte Benno Berlin ein Lied aus Kurt Weills Musical „Lady in the Dark“, das wohl auch als Resümee verstanden werden konnte: „One Life to Live“.


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