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Kreischmaschine gegen Jugendliche

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Mit einem elektronischen Kreischen versucht eine Immobilienfirma, herumlungernde Jugendliche vom Neumarkt zu vertreiben. Das "Mosquito"-Gerät, das im vergangenen Jahr schon am Alfsee für hitzige Diskussionen sorgte, geht aber nicht nur Störenfrieden auf die Nerven, sondern allen jungen Leuten, die noch ein funktionierendes Gehör haben.

"Das fühlt sich an, als würde mir jemand mit einer Nadel ins Ohr stechen!", sagt Jens Klöntrup gequält. Der 26-jährige Osnabrücker fühlt sich von der Abschreckungsmaschine in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt. Beim Gang über die Große Straße kreischte der hochfrequente Ton plötzlich in seinen Ohren. Als er sich nach der Lärmquelle umsah, entdeckte er das unscheinbare "Mosquito"-Gerät am Neumarkt-Carrée, über einem Schaufenster von Hennes & Mauritz.

Das Modegeschäft H&M distanziert sich allerdings von der Vertreibungsmasche: "So etwas würden wir nicht tun", hieß es gestern in der Hamburger Zentrale. Die Initiative sei vom Vermieter ausgegangen.

Vermieter ist die Firma Dr. Bergmann & Partner. "So wie ich weiß, geben wir dazu keinen Kommentar ab", erklärte eine Mitarbeiterin des Büros auf Anfrage unserer Zeitung. Ihr Chef Dr. Theodor Bergmann schlug die Gelegenheit aus, eine Stellungnahme abzugeben.

Das Gerät, das unter dem Namen "Mosquito" vertrieben wird, erinnert auf den ersten Blick an einen Badezimmerventilator. Im Innern des Gehäuses sitzt jedoch ein Lautsprecher, der den hochfrequenten Pfeifton erzeugt. Jens Klöntrup weiß, dass er mit seinen 26 Jahren schon fast aus dem Alter raus ist, in dem das Pfeifen noch wahrgenommen wird.

Der ultraschrille Pfeifton bewegt sich im Frequenzbereich zwischen 16 und 18 Kilohertz. Kinder und Jugendliche, die ihren Gehörsinn noch nicht verschlissen haben, sind ihm ausgeliefert. Und das sei "ziemlich rasch lästig", schreibt der Hersteller auf seiner Internetseite. Der erzielte Effekt sei, "dass die meisten Jugendlichen den unmittelbaren Wirkungsbereich des Mosquito verlassen".

Direkt beschallt wird am Neumarkt-Carrée die südliche Schaufensterfront von H&M. Weil ein Vordach die Fläche vor Regen schützt, setzen sich Bettler und Punks gerne mal auf das Pflaster. Seit das "Mosquito" installiert ist, haben sie sich in die Große Straße verzogen.

Wer das Geschehen beobachtet, merkt schnell, dass das Kreischen nicht immer zu hören ist. Offenbar wird das Störgeräusch nach Bedarf eingeschaltet. Bei H&M heißt es, der Knopf zum Ein- und Ausschalten werde in der Filiale der Bäckerei Coors bedient, was die Geschäftsleitung der Bäckerei aber bestreitet.

Nach Angaben des Herstellers verursacht das "Mosquito" keine physischen Schmerzen oder Schäden. Eine Studie, die von der niedersächsischen Landesregierung in Auftrag gegeben wurde, kommt zu einem anderen Schluss. Im Labor wurde ein Schalldruckpegel von 104 dB gemessen, deutlich mehr als der Hersteller nannte. Gesundheitliche Schäden seien da nicht auszuschließen, warnte die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann vor wenigen Monaten.


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