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Superheld auf der Couch Robert Downey Jr. leidet als Marvel-Held: „Iron Man 3“


Osnabrück. Im neuesten Marvel-Abenteuer bekommt es Iron Man Tony Stark (Robert Downey Jr.) nicht nur mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu tun, sondern leidet auch noch unter Panikattacken und einem bösen „Mandarin“. Gelungene Fortsetzung – nicht nur für Action-Fans.

New York? Komme ihm bloß niemand mit New York, dem Wurmloch und der ganzen Sache mit der Alien-Invasion aus dem „Avengers“-Film! Seitdem leidet Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) unter Schlaflosigkeit, Albträumen und Panikattacken, die ihn regelmäßig außer Gefecht zu setzen drohen. Zur Kompensation seines miserablen psychischen Zustandes hat der geniale Tüftler nicht nur seinen Kampfanzug verfeinert, sondern auch noch eine kleine Armee aus Iron-Man-Drohnen kreiert, die er mit seinen Gedanken steuern kann. Dummerweise funktioniert diese Tüftelei auch aus seinen Albträumen heraus, was Freundin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) zu spüren bekommt.

Mieser Mandarin

Aber das sind nur kleine Folgen der Geister, die er rief. „Wir erschaffen unsere eigenen Dämonen“, sinniert Stark gleich zu Beginn aus dem Off. Und meint damit einen Dämon, den er unwissentlich und ungewollt Silvester 1999 in Genf erschuf. Damals ließ er einen genialen, verkannten Nerd (Guy Pearce) auf einem Hoteldach abblitzen. In der Folge bekommt es Stark nun mit einem ominösen „Mandarin“ (doppelt gut: Ben Kingsley) zu tun. Der terrorisiert die USA mit menschlichen Bomben und genetisch veränderten Menschen. Was das alles mit Genf 1999 zu tun hat? Bis Stark dahinterkommt, muss er erleben, wie sein Anwesen zerstört, Pepper entführt und sein bester Kumpel Rhodes (Don Cheadle) aus dessen Iron-Patriot-Anzug geprügelt wird. Kann Stark den Kampf gegen die Geister der Vergangenheit gewinnen?

Regisseur Shane Black („Kiss Kiss Bang Bang“), der auch gemeinsam mit Drew Pearce das Drehbuch schrieb, lässt sich erst einmal eine erstaunliche halbe Stunde Zeit, bevor er mit Karacho in die Vollen geht. Aber dann gibt es keine ruhige Minute mehr. Wobei nicht nur die Action-Bedürfnisse der Fans bedient werden. Wenn es im Comic-Genre kracht, darf schließlich auch der Humor nicht zu kurz kommen. Dafür sorgt alleine schon die liebevoll gezeichnete und hervorragend gespielte Titelfigur als egozentrisches, selbstverliebtes, aber auch liebenswert menschliches Ekel.

Ganz nebenbei stellt Black in seiner zweiten Regiearbeit Fragen zur Moral des Machbaren, den ethischen Grenzen der Technik. Was ist vertretbar in einer Umgebung, in der scheinbar alles möglich ist? Gentechnik? Drohnen? Die totale Manipulation von Menschen? Keine unbekannten Größen auch in unserer Welt. Black verpackt diese Fragen innerhalb des höchstens auf den ersten Blick trivial erscheinenden Geschehens in eine recht komplexe Handlung, deren Figuren nur selten eindimensional wirken. Klar, dass da dann auch nicht immer jeder der ist, als der er erscheint.

Menschliche Bomben

Wobei die dritte „Iron Man“-Verfilmung dem Affen der Verschwörungstheorie ordentlich Zucker gibt. Überträgt man die fiktive Figur des „Mandarin“ nicht ganz zufällig auf Osama bin Laden, dann sind neuen Spekulationen Tür und Tor sperrangelweit geöffnet. Am Ende liegt Iron Man Stark auf der Couch und quatscht sich seine Schmerzen von der Seele – vergeblich. Wer wissen möchte, bei wem und warum, der muss warten, bis der Abspann durchgelaufen ist.

Iron Man 3 3-D (auch 2-D). USA 2013. R: Shane Black. D: Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Ben Kingsley, Guy Pearce. 131 Minuten. Ab 12. Hier geht‘s zu Trailern und Filmausschnitten .


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