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Wie ein zweites Wohnzimmer Osnabrücker Kinogeschichte(n), Teil 1: „Atlantis Filmstudios“

Von Reinhard Westendorf

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Blick zurück: Studio 1 der „Atlantis Filmstudios“ an der Bocksmauer . Foto: R. WestendorfBlick zurück: Studio 1 der „Atlantis Filmstudios“ an der Bocksmauer . Foto: R. Westendorf

Osnabrück. Nach dem Gesamtrückblick auf die Osnabrücker Kinogeschichte ab 1950 stellt Autor Reinhard Westendorf fortan in einer kleinen Reihe ehemalige oder noch existente Lichtspielhäuser der Stadt vor. Zu Beginn erinnert er an die „Atlantis Filmstudios“ an der Bocksmauer am Rande der Altstadt.

„Mit unserem Programm wollen wir nicht in Konkurrenz zum engagierten Filmangebot der Lagerhalle treten.“ So lautete der erste Satz im Intro der ersten Programmzeitung der „Atlantis Filmstudios“ im September 1981. Zur Redaktion des anfangs achtseitigen Heftes im A4-Format zählte damals u.a. Deutschlands späterer Kino-Wunderknabe Hans-Joachim Flebbe (CinemaxX).

Der Eröffnung des Studiokinos mit zwei kleinen Sälen (97 und 47 Plätze) an der Bocksmauer 19 war ein filmkultureller Schlagabtausch vorausgegangen. Im Erdgeschoss einer ehemaligen Spedition wollte eigentlich der Förderkreis Osnabrücker Kinokultur e.V. durch eine eigens dafür gegründete GmbH mit kommunaler Unterstützung ein Kino mit medienpädagogischen Aktivitäten betreiben. Doch als der Wirtschaftsdezernent der Stadt für den gleichen Standort einen finanzkräftigeren Interessenten präsentierte, scheiterte das ambitionierte Projekt. Dennoch bot auch das dann von den „Atlantis Filmtheater-Betrieben“ (München/Bremen) gebaute und geführte Kleinkino den Osnabrücker Kinogängern ein vielfältiges Angebot. Anfangs liefen in beiden Kinos in zusammen acht Vorstellungen täglich bis zu fünf verschiedene Filme.

Waren im Hauptprogramm fast ausschließlich Erstaufführungen deutscher und europäischer Produktionen zu sehen, bot insbesondere das Spätprogramm eine damals typische Programmkino-Mischung aus Klassikern, Repertoire, Regisseurporträts, Filmreihen und -nächten.

Trotz guten Publikumszuspruchs wechselte nach knapp einem Jahr der Betreiber. Der Göttinger Kinounternehmer Kurt Krause, der zwischenzeitlich das „Astoria-Kinocenter“ an der Möserstraße eröffnet hatte, übernahm das „Atlantis“. Im Gegensatz zum dünner gewordenen Programmheft blieb das Filmangebot aber weiterhin reichhaltig und für heutige Verhältnisse anspruchsvoll.

Nicht zuletzt dank des sympathischen Kassen- und Vorführpersonals war das „Atlantis“ bis zu seiner Schließung im Juli 1991 für den Autor eine Art zweites Wohnzimmer. Hier traf man sich nicht nur zum Film, sondern auch mit Freunden zum Frascati und zur mitgebrachten Pommes vom Imbiss am Rißmüllerplatz.


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