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Grenzenloser Jubel auf dem Neumarkt

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tw Osnabrück. Ausgelassen und überschwänglich feierten nach Schätzung der Polizei etwa 1500 Menschen den 4:0-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Argentinien. Für viele Fans kam dieser deutliche Triumph völlig unerwartet. Um so doller wurde gefeiert – auch ein Tief aus Island konnte die Party mit einem Gewitter und einem heftigen Wolkenbruch nicht beenden. Ein Großteil der Fans feierte feucht-fröhlich weiter.

Gleich nach Spielende ging die Party los. Die Menschen strömten aus den Public-Viewing-Orten zum Neumarkt und feierten in der drückenden Hitze. Die Böen des heranziehenden Gewitters kühlten die Gemüter nicht ab, im Gegenteil: Endlich spürten sie ein wenig Erfrischung in der aufgeheizten Luft. Nun fanden sie wieder die Kraft zum Singen, Hüpfen und Tanzen. Als sich die Schleusen des Himmels öffneten, suchten zwar einige Fans einen Platz im Trockenen. Viele hießen die Erfrischung aber willkommen und feierten klatschnass weiter. Auch auf den Straßen war der Schlusspfiff das Signal für eine große Party. Mit einem Hupkonzert und wehenden Fahnen fuhren viele Autos über den Wall und durch die Innenstadt. Viele Osnabrücker standen auf den Bürgersteigen und guckten aus den Fenstern ihrer Wohnungen und jubelten den Autofahrern zu.

Das in Hot Pants und weiße Deutschland-Trikots gekleidete Trio Laura Korte (16), Alicia Fasel (16) und Ann-Cathrin Loose (18) zog mit einer Deutschland-Fahne zum Neumarkt. „Und anschließend wird hupend durch Osna gefahren, wie sich das gehört“, merkte Ann-Cathrin Loose an, die von ihren Freundinnen am Samstag nur noch „Klose“ genannt wurde. Als der Bayern-Stürmer das 2:0 erzielt habe, sei es für sie wie eine Erlösung gewesen, erzählte das Trio. Nun sind sie siegesgewiss: „Jetzt kommt das Finale.“

Für den Weltmeister von 1986, Diego Armando Maradona, ist das Turnier vorbei. Dies veranschaulichte Alexander Hitker, indem der hochgewachsene junge Mann die Frontseite der „Bild“-Zeitung in die Luft hielt und mit ihr durch die feiernde Menge lief. Darauf war zu lesen: „Adios, Diego.“ „Das passt wie die Faust aufs Auge“, sagte er.

Das 4:0 sei für ihn eine Genugtuung gewesen, meinte Alexander Hitker, da Maradona überheblich behauptet habe, Argentinien hätte die beste Mannschaft der Welt. „Jetzt haben wir die beste Mannschaft der Welt“, sagte er grinsend und zog weiter durch die Menge.

Gervel Meyer, Einsatzleiter der Polizei, beobachtete die ausgelassene Menge vom Bussteig am Landgericht. Etwa ein Dutzend Beamte seien am Samstag im Einsatz gewesen, sagte er. Einige Kollegen seien abgestellt worden, um übermütige Fans davon abzuhalten, auf die Dächer der Haltestellen am Neumarkt zu klettern. Falls es zu Randale gekommen wäre, hätten sofort Polizisten bereitgestanden, sagte Meyer. Die Polizei musste jedoch nicht eingreifen. Ab 20 Uhr wurde der Neumarkt wieder für den Verkehr freigegeben.

Während des Spiels habe es kaum Einsätze gegeben, sagte Meyer. „Einige Kollegen mussten zu einem Unfall auf der A1 und zu einem Heckenbrand“, berichtete er. Auch bei den Public-Viewing-Orten sei nicht so viel los gewesen wie sonst. Einige Beamte seien dort Streife gefahren, sagte er. So konnten Meyer und seine Kollegen das Viertelfinale relativ störungsfrei am Fernseher in der Dienststelle verfolgen. Sie kamen auch direkt nach Spielende zum Neumarkt und konnten eine „herrliche Party“ verfolgen, wie Meyer meinte. Diese „herrliche Party“ sah sich auch Heinz Dölling an. Der 63-Jährige kam im Trikot der Weltmeister von 1954 zum Neumarkt und feierte mit sichtlichem Genuss in sicherer Entfernung vom Landgericht. „Ich muss da nicht rein“, sagte er mit Blick auf die tobende Menge und fügte an: „Ich würde mich freuen, wenn die Stimmung so bleibt.“

Wie viele andere Fans war er von der Höhe des Siegs überrascht worden. „Dölling verglich die Spielstärke von Jogis Jungs mit den Mannschaften von 1972 und 1974, als Spieler wie Beckenbauer, Müller, Netzer und Overath Europa- und Weltmeister wurden.

Eine Bildergalerie von der ausgelassenen Siegesparty unter www.neue-oz.de


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