zuletzt aktualisiert vor

Solange sie es belegen, ist es erlaubt Alle Wissenschaftler schreiben ab – Professor der Uni über wissenschaftliche Praxis

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Genau genommen schreiben alle Wissenschaftler ab. Denn jede Forschung, jedes wissenschaftliche Projekt baut auf bereits Erforschtem auf – und das stammt zumeist von anderen Wissenschaftlern. Zum Plagiat und damit zum Problem wird eine Forschungsarbeit erst, wenn diese Bestandteile nicht vermerkt sind. Auch um das zu verhindern, hat der Senat der Universität Osnabrück einen Ombudsmann bestellt, den Juristen Prof. Ulrich Foerste.

Er kümmert sich um die Einhaltung der guten wissenschaftlichen Praxis auf der Basis entsprechender Richtlinien der Hochschule. Ulrich Foerste berät Wissenschaftler, denen ein Fehlverhalten vorgeworfen wird. Zudem versucht er Fälle zu klären, in denen Forscher einen Verdacht gegen einen anderen hegen, dass jener bewusst oder fahrlässig falsche Angaben gemacht hat, geistiges Eigentum verletzt oder Forschung sabotiert hat. „Werde ich auf mögliches Fehlverhalten aufmerksam gemacht, versuche ich die Dinge zu klären.“ Lässt sich ein Verdacht nicht ausräumen, informiert er das Präsidium, damit weitere Schritte eingeleitet werden können.

Ziel einer Promotion ist es, eine Forschungslücke zu schließen, in dem der Doktorand nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sucht. Basis für seine Arbeit ist bisheriges Wissen, sind bereits abgeschlossene Forschungsarbeiten, die zur Herleitung der Ergebnisse in der neuen Arbeit erwähnt werden. Gute wissenschaftliche Praxis bedeutet in dem Fall, dass die entsprechenden Passagen gekennzeichnet sind; der Urheber, die Publikation und das Jahr der Veröffentlichung dienen als Beleg. Wer das vergisst oder absichtlich nicht erwähnt, handelt unrecht.

Mit Blick auf den Fall Guttenberg sagt Ulrich Foerste mit Erleichterung in der Stimme: „Nein, bei uns am Fachbereich gab es solche Fälle bislang nicht.“ Er halte das auch nicht für möglich. „Das Verhältnis von Professor zu Doktorand ist recht eng.“ Dadurch könne der Betreuer hinreichend einschätzen, wie sein Schützling arbeitet, und bei möglichem Fehlverhalten korrigierend eingreifen.

Wird ein Fehlverhalten erst nach Abschluss des Promotionsverfahrens entdeckt, hat die Universität verschiedene Sanktionsmöglichkeiten, die bis zur Aberkennung des Doktorgrades führen können.

Mit der Einführung von Computern und vor allem des Internets ist es einfach geworden, Forschungsarbeiten zu kopieren oder Bestandteile in die eigene Arbeit zu integrieren. Inzwischen gibt es eine spezielle Software, die den Abgleich von Formulierungen ermöglicht. Wer sich also noch nicht einmal die Mühe macht, die Sätze leicht umzustellen, hat schlechte Karten. Bislang sei es an seinem Fachbereich aber nicht vorgeschrieben, Doktorarbeiten mit dieser Software zu überprüfen, sagt Foerste. Anders sei das bei Examensarbeiten. „Die müssen auch auf CD abgegeben werden, damit sie digital überprüft werden können“, sagt er zur Praxis am Fachbereich Rechtswissenschaften.

Auf diese Weise wurde im Jahr 2006 ein dreister Fall von Betrug an einem anderen Uni-Fachbereich aufgedeckt. Eine Studentin hatte ihre Examensarbeit abgekupfert und war dabei erwischt worden. Bei der Wiederholung der Prüfung – sie bat darum, die gleiche Prüferin zu bekommen – machte sie sich erneut im Internet „schlau“ und kopierte eine bereits angefertigte Arbeit, um sie einzureichen. Die junge Frau wurde wieder erwischt. Da die Prüfungsordnung ihres Fachbereichs nur eine Wiederholung zuließ, war das Examen der Kandidatin damit gelaufen. Jahre hatte sie studiert und dann keinen Abschluss in der Tasche.

„An der Universität Osnabrück wird gerade an Qualitätsstandards für Promotionsverfahren gearbeitet“, sagt Utz Lederbogen, Sprecher der Universität Osnabrück. Darüber hinaus habe es in jüngster Zeit eine Reihe von Veranstaltungen gegeben, die sich mit Methoden der guten wissenschaftlichen Arbeit beschäftigten.

Einen Fall gibt es dann aber doch an der Universität Osnabrück: „Es handelt sich um ein Hochschulmitglied, das beim Verfassen eines Artikels möglicherweise die Urheberschaft nicht beachtet hat“, sagt Foerste vorsichtig, um niemanden vorzuverurteilen. Auch das gehört zu einer guten Wissenschaft dazu.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN