Viele Galerien schließen Ist Osnabrücks Kunstszene noch zu retten?

<em>Galeristen</em> Brigitte und Ralf Böhnke. Foto: Egmont SeilerGaleristen Brigitte und Ralf Böhnke. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Verkümmert die Osnabrücker Kunstszene? Nachdem bekannte Galerien wie écart in der Altstadt dichtgemacht haben und die Fotogalerie Entwicklungsraum in das Umland abgewandert ist, schloss jetzt die Galerie schwarz | weiß in der Seminarstraße für immer ihre Pforten.

„Wir machen aber weiter, und zwar an Plätzen, die wir temporär als Ausstellungsort nutzen“, erklären die Betreiber Brigitte und Ralf Böhnke.

Es ist ein Jammer: Der großzügige, hell erleuchtete Raum mit den mannshohen Schaufenstern gab einen idealen Ort für die Präsentation von Kunst ab. Auch bezüglich der Lage mitten in der City und in direkter Nachbarschaft zum Fachbereich Kunst der Universität ließ die Adresse keine Wünsche offen. Hier konnten die Böhnkes kleine wie großformatige Bilder, Skulpturen und Objekte der Künstler optimal präsentieren, mit denen sie fest zusammenarbeiten. Dazu gehören Etablierte wie Helle Jetzig, Gildas Coudrais, Eva Preckwinkel und Robert Stieve, aber vorwiegend auch junge Künstler, viele von der Universität, die die Galeristen fördern und aufbauen.

Der ehemalige Drogerie-Markt war allerdings von vornherein mit der Vorgabe gemietet worden, hier nicht lange arbeiten zu können.

Aufgrund der Tatsache, dass an dieser Stelle ein großes Einkaufszentrum entstehen soll, das Bürger, Händler und Politiker schon seit geraumer Zeit heftig diskutieren lässt, hatten die Böhnkes hier stets das Aus ihrer Galerie-Aktivitäten vor Augen. Jetzt wurde ihnen vom Eigentümer das Ende des Mietverhältnisses zum Ende des Jahres angekündigt. „Wir haben uns entschieden, schon zum September hin zu kündigen, weil wir auf keinen Fall im Winter ausziehen wollten“, sagt Brigitte Böhnke.

Die Schließung der Galerie heißt nicht, dass das Kunstehepaar seine Aktivitäten einstellt. Zwar hatten die beiden sich auf die Suche nach einem alternativen festen Standort gemacht, allerdings nichts Ansprechendes gefunden. Also beschlossen sie, fortan in Räumen Ausstellungen zu organisieren, die sich temporär anbieten: Das können Flure und Empfangshallen von Unternehmen genauso sein wie Ladenlokale, die für eine bestimmte Zeit leer stehen. Außerdem schließen sie auch nicht aus, dass sie vielleicht doch noch einen Standort finden, an dem sie wieder „sesshaft“ werden. So lange betreiben sie ihr Rahmungsgeschäft in einer Werkstatt in Westerkappeln, wo sie auch wohnen. „Wir haben uns für den individuellen Rahmungsservice vor Ort entschieden“, erklärt Ralf Böhnke. Er fährt zu seinen Kunden und berät sie in den Räumlichkeiten, in denen die Kunstwerke schließlich hängen sollen. Erst im vergangenen Jahr hatten Brigitte und Ralf Böhnke ihr Geschäft in der Redlinger Straße ausgeräumt: Erhöhte Mietforderungen der Hauseigentümer hatten den Verbleib in den Räumlichkeiten der Hausnummer 4 unmöglich gemacht. Zehn Jahre hatten sie dort residiert und die Galerie schwarz | weiß zu einem gefragten Anlaufpunkt für Kunstinteressierte gemacht. Die dürfen nun gespannt sein, welche Aktivitäten in Zukunft geplant sind: „Wir haben einiges vor, aber es ist noch nichts spruchreif“, sagen die beiden.

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