Debatte um Friedenspreis Osnabrücker Schulen für Bundeswehr-Info offen

An einem Messestand der Bundeswehr in Leipzig spricht ein Jugendoffizier der Bundeswehr mit Schülern über das interaktive Spiel „Politik & Internationale Sicherheit“. Foto: dpaAn einem Messestand der Bundeswehr in Leipzig spricht ein Jugendoffizier der Bundeswehr mit Schülern über das interaktive Spiel „Politik & Internationale Sicherheit“. Foto: dpa

Osnabrück.Zwei Schulen in Berlin und Offenbach wurden jetzt mit dem Aachener Friedenspreis 2013 ausgezeichnet – stellvertretend für alle Schulen, die Besuche von Jugendoffizieren der Bundeswehr öffentlich ablehnen. An Osnabrücker Schulen scheint das Thema Bundeswehr dagegen bisher, keine Kontroversen ausgelöst zu haben.

Die Ehrung der beiden Schulen sei ein „Signal gegen den Mainstream der Militarisierung in unserer Gesellschaft“, so die Begründung des Vereins Aachener Friedenspreis. Viele Osnabrücker Schulen dagegen akzeptieren die Besuche von Jugendoffizieren als normale Infoveranstaltungen zur Berufsinformation beziehungsweise als Zusatzangebot im Rahmen der politischen Bildung.

Jugendoffizier Karsten Haase aus Meppen, der bei der Bundeswehr neben den Kreisen Emsland, Vechta und Grafschaft Bentheim auch für Stadt und Landkreis Osnabrück zuständig ist, konnte sich an keine explizite Ablehnung eines Besuchs in Osnabrück erinnern. An den Gymnasien Carolinum oder „In der Wüste“ habe es in den letzten Jahren beispielsweise Besuche gegeben, bei denen über die heutige Rolle der Bundeswehr allgemein aber auch über konkrete Einsätze wie den in Afghanistan diskutiert wurde. Die Aachener Auszeichnung sah er kritisch. „Die Bundeswehr ist ja keine Organisation, die außerhalb der Verfassung steht“, erklärte er. „Man kann durchaus kontrovers über Aufgaben und Einsätze diskutieren, wie es im Gespräch mit Jugendlichen auch häufig der Fall ist, aber unsere Besuche kategorisch abzulehnen, ist zweifelhaft.“ Es gehe den Jungoffizieren auch nicht um das Anwerben von Nachwuchskräften, sondern schlichtweg darum über die Arbeit der Bundeswehr zu informieren.

Norbert Wissing, Studiendirektor an den Berufsbildenden Schulen am Pottgraben, sieht das Angebot der Bundeswehr als legitim an. An der Berufsschule waren in den letzten Jahren schon häufiger Bundeswehroffiziere zu Informationsveranstaltungen zu Gast. „Es ist ja heutzutage niemand mehr verpflichtet, zur Bundeswehr zu gehen“, meinte Wissing. An der Dom-Schule und an der Gesamtschule Schinkel waren Bundeswehrbesuche gar kein Thema, da sie auch schon seit vielen Jahren nicht mehr stattgefunden hätten.

Hildegard Oevermann, Schulleiterin der Thomas-Morus-Schule, erklärte mit Hinweis auf die katholische Tradition der Schule, dass sie keine Infoveranstaltungen der Bundeswehr anbieten. „Berufsinformationen geben wir schon weiter, wie bei anderen Betrieben auch, aber wir laden die Verantwortlichen nicht von uns aus aktiv ein“, so Oevermann.

Der Aachener Friedenspreis wurde – unter anderem in Reaktion auf die in Aachen stark umstrittene Auszeichnung Henry Kissingers mit dem Karlspreis 1987 – im Jahr 1988 als Verein gegründet, um Menschen zu würdigen, die dazu beitragen, der Verständigung der Völker und der Menschen untereinander zu dienen sowie Feindbilder ab- und Vertrauen aufzubauen. Heute gehören dem Aachener Friedenspreis e.V. 400 Mitglieder an, darunter neben Einzelmitgliedern auch Institutionen wie der der regionale DGB, kirchliche Institutionen und derzeit die Stadt Aachen. Die Verleihung des Aachener Friedenspreises findet jährlich zum Antikriegstag am 1. September statt.


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