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Heimatlos in der Heimat Azar Mortazavis neues Stück feiert im Emma-Theater Premiere

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Osnabrück. Gerade erst ist Azar Mortazavi mit dem Studium fertig geworden. Ihre Diplomarbeit habe sie vor vier Wochen abgegeben, sagt sie am Telefon. Jetzt wartet sie auf ihre Note. Doch diese Woche dürfte Azar Mortazavi etwas anderes viel mehr beschäftigen: Ihr Stück „Ich wünsch mir eins“ wird im Emma-Theater uraufgeführt.

Die 28-Jährige hat Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Uni Hildesheim studiert. Schon während ihres Studiums hat sie Stücke veröffentlicht und Preise gewonnen. Ihr Debüt „Todesnachricht“ wurde mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnet. „Ich wünsch mir eins“ wurde 2010 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.

Bevor die im rheinland-pfälzischen Wittich geborene Mortazavi nach Hildesheim ging, studierte sie zwei Semester Germanistik und Philosophie. „Ich habe aber gemerkt, dass ich nicht nur rein wissenschaftlich, sondern auch kreativ arbeiten will“, erzählt sie. Also wechselte sie 2007 ihr Studium und ist seitdem äußerst kreativ.

2009 entwickelte sie mit dem Regisseur Robert Wagner eine Bühnenfassung von Dostojewskis „Traum eines Narren“. Im Oktober wurde sie mit einem Kurzdrama zum 1. Karlsruher Dramatikerfestival eingeladen. Und Anfang des Jahres bekam sie den exil-DramatikerInnenpreis der Wiener „wortstaetten“. Verbunden damit ist der Auftrag, ein Stück zu schreiben.

Azar Mortazavi, Tochter einer Deutschen und eines Iraners, schreibt viel über die Themen von Migranten. In „Ich wünsch mir eins“ gibt es etwa die junge Leila, die lieber im Land ihres Vaters wäre, obwohl sie dort gar nicht geboren ist. „In Deutschland kann sie sich nicht zu Hause fühlen“, sagt Azar Mortazavi, die es selbst kennt, als Fremde zu gelten, obwohl sie Deutsche ist. Das äußere sich sowohl in positiver Diskriminierung, etwa in der Frage „Wie ist das denn in eurem Land?“, als auch in negativen Bemerkungen. Allerdings, betont Azar Mortazavi, habe Leilas Gefühl der Heimatlosigkeit noch andere Gründe. „Jeder kann sich heimatlos fühlen“, sagt sie.

Wichtig ist ihr der Blickwinkel der zweiten Generation von Migranten. „Bisher wurde kaum zwischen der ersten und der zweiten Generation unterschieden“, sagt sie. Im Stück geschieht das. Dort taucht schließlich Leilas Vater Sahid auf, durch den die anderen vier Figuren auf der Bühne miteinander verbunden sind. Die Perspektive des Vaters thematisiert Azar Mortazavi auch in dem Roman, an dem sie gerade arbeitet und aus dem sie am Tag nach der Uraufführung ihres Stücks im Theater am Domhof liest. „Das ist nicht 1:1 Sahid“, so Mortazavi. Doch wie der Vater im Stück flüchtet auch hier ein Mann aus dem Iran nach Deutschland. Seine Migrationserfahrung ist das Thema des Romans.

Wie Schauspielleiterin Annette Pullen ihr Stück auf der Bühne umsetzt, wird Azar Mortazavi erst bei der Uraufführung sehen. Sie gehört nicht zu den Autoren, die sich in Inszenierungen einmischen. Das findet sie besser so. Außerdem sei es ein „spannender und zauberhafter Moment“ zu sehen, was aus ihrem Text geworden sei.

„Ich wünsch mir eins“: Premiere am Freitag, 7. Dezember, 19.30 Uhr, Emma-Theater. Lesung „Ein Lebensbericht“ mit Azar Mortazavi am Samstag, 8. Dezember, um 20 Uhr im Emma-Theater. Kartentel.: 0541/7600076.


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