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Wer erinnert sich? Als die Popmusik nach Osnabrück kam



Osnabrück. Wer erinnert sich noch an das „Charlie Max“ in der Lohstraße, den „Ocambo Club“ in der Herrenteichstraße oder das „Saskatchewan“ in der Möserstraße? Harald Keller und Reiner Wolf arbeiten auf, wie die Popmusik nach Osnabrück kam. Es geht um die ersten Clubs und Discos, um vergilbte Plakate und selbst gebaute Verstärkeranlagen. Wer solche Exponate hat oder von damals erzählen kann, sollte sich melden.

Die Jugendkultur der Nachkriegsjahrzehnte ist das Thema einer Ausstellung, die 2013 im Museum Industriekultur und im Tuchmachermuseum Bramsche gezeigt werden soll. Die Kuratoren Keller und Wolf wollen dabei den Wandel der Musikstile und die Orte jugendlichen Musik-Erlebens von den 50er bis heute dokumentieren. Im Blick haben sie das Kino, den Jahrmarkt, Tanzsäle, Konzertbühnen, Diskotheken und Jugendzentren. Sie zeigen, wie sich die Abspielgeräte verändert haben („vom Transistorradio zum iPod“) und mit welcher Technik die Bands auf die Bühne gegangen sind.

Auch die Entwicklung der Osnabrücker Band-Szene wird in der Ausstellung beleuchtet. Und ein Kapitel widmet sich der Jugendmode im Wandel der Zeit.

Harald Keller und Reiner Wolf haben schon Dutzende Namen von Kneipen, Treffpunkten und frühen Diskos zusammengetragen. Jetzt suchen sie Zeitzeugen, die erzählen können, wie es dort in den wilden Jahren zuging. Zum Beispiel im „Grammophon“ an der Ellerstraße oder im „Westend“, einem ehemaligen Bunker auf einem Hinterhof an der Lotter Straße.

Die ersten Fundstücke, die bei den Pop-Forschern eingetroffen sind, offenbaren schon die kulturelle Kluft, die sich vor 40 Jahren zwischen den Generationen auftat. Was die langhaarigen Teenies aus den Lautsprechern alter Röhrenradios dröhnen ließen, wurde von den Eltern nicht selten als „Neger-“ oder „Hottentottenmusik“ diffamiert. Reiner Wolf hat eine Broschüre aufgegabelt, die den Ton der Zeit trifft. „Braucht unsere Jugend Hilfe?“, lautet der altväterlich anmutende Titel. Das Foto auf dem Einband zeigt einen irritiert dreinblickenden Jungen, der dem Rolling-Stones-Fieber von damals wohl noch nicht verfallen war, wie sein braver Haarschnitt erkennen lässt.

Wolf und Keller hoffen, dass ihnen noch mehr Exponate zur Verfügung gestellt werden. Gefragt sind Fotos von Jazz-, Beat- und Rockkonzerten der 60er und 70er im „Club 99“, in der Ludwigshalle Hehmann, der Halle Gartlage, der FH an der Albrechtstraße oder in der Schlossaula.

Ebenfalls gesucht sind Equipments von Bands der ersten Stunde, vor allem improvisierte Bestandteile wie selbst gebaute Verstärker. Auch die Kleidung der wilden Jahre soll Bestandteil der Ausstellung sein. Die Organisatoren suchen Lederjacken, Turnschuhe und Jeanshosen, die für ihre Träger ein Stück Jugend darstellen.

Das besondere Interesse der beiden Rock- und Pop-Archäologen gilt Fotos und Augenzeugenberichten zu Veranstaltungen der Osnabrücker Musikinitiative, die in den 70ern Non-Profit-Konzerte im Schloss, in der FH und im UJZ Schinkelberg veranstaltete.

Wer Hinweise geben kann oder Dokumente zur Verfügung stellt, kann unter Telefon 05461/94510 oder per Mail an keller58@t-online.de den Kontakt herstellen.

Kneipen, Clubs und Diskos: Wer erinnert sich?

Club 13, Diskothek im Haus der Jugend

Club der jungen Löwen oder Lion’s Club, Anfang Natruper Straße;

Besenbinderhof, Domhof 4c;

St. James Club, ab 1970 Marco Polo, Herrenteichsstraße 18;

(Zum) Poggenkeller, Hakenstraße 16 A;

studio schwabing, ab 1968 Pferdestall, Johannisstraße 86;

Tentenburg-Keller, Kristallpalast, Rischhalle, Kakadu-Bar (im Kristallpalast), alle Bohmter Str. 52;

Old Apple, Herrenteichsstraße;

Derby, Herrenteichsstraße;

Zemo-Milchbar und Café, Am Nikolaiort;

Monokel, Am Neumarkt;

Rallye, Ort nicht bekannt;

Tanzcafé Capri, Iburger Straße;

Le Voro, Hasestraße

Piccadilly Tanzcafé, Meller Straße 42

River Saloon, Hasestraße 62;

Simba Tanzclub, ab 1979 Charlie Max, Lohstraße 15;

Eden, Lotter Straße;

Tenne, Nikolaiort

Waldschlösschen, Voxtruper Str. 16;

Blumenhalle, Blumenhaller Weg;

Riemann, Netter Heide/Quirllsweg;

Ocambo Club, Herrenteichstraße;

Club 99, später Blow Up, Metro, Saskatchewan, Möserstraße 51;

Grammophon, Ellerstraße;

Harmonie Club, später Ambassador, TaTou, Castell, Große Rosenstraße 1-3/Johannisstraße;

Westend, Lotter Straße (ehem. Bunker);

Drehorgel, Johannisstraße 131/Spindelstraße;

Number One, Voxtruper Straße 98;

Hyde Park, Rheiner Landstraße, später Fürstenauer Weg;

Milljöh, später Nouvelle, Cincinnati, Baumstraße;

Wellmann-Nießen bzw. Beat Band Club Gondel, Lotte;

Bullerdiek, Westerkappeln, Am Bullerteich.


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