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Keine weitere Fälschung im Nussbaum-Haus?

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Entwarnung im Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus? Nach der Entlarvung eines Museumsexponates als Fälschung haben sich keine Hinweise auf unechte Gemälde im Bestand ergeben.

„Wir haben keinen Anlass zu glauben, dass wir noch weiteren Fälschungen aufgesessen sind“, versicherte Osnabrücks Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski auf Anfrage. Nach ihren Angaben wird ein Teil des Museumsbestandes auf seine Echtheit hin überprüft.

Nach den Worten von Frau Rzyski ist das angeblich 1943 entstandene Gemälde „Stillleben mit Puppe und Pampelmuse“ inzwischen auch kriminaltechnisch als Fälschung entlarvt worden.

Den Angaben zufolge hat der „Maler“ dieses Werkes Farben verwendet, die zur Lebenszeit des in Auschwitz ermordeten Künstlers Felix Nussbaum (1904–1944) noch nicht verwendet wurden. Der Fälscher, der 52 Jahre alte „Jürgen R.“ aus Berlin, hat inzwischen vor dem Berliner Landgericht gestanden, das fragliche Bild hergestellt zu haben. Dies bestätigte Dr. Petra Carl, Sprecherin der Berliner Strafgerichte.

Frau Carl sagte weiter, dass in dem Verfahren derzeit noch Zeugen vernommen werden. Zu ihnen gehört auch Inge Jaehner, Leiterin des Osnabrücker Museums, die nach den Worten Carls am 30. Juni in Berlin ihre Aussage machen wird.

Anschließend werden weitere Mitarbeiter des Museums sowie Vertreter der Osnabrücker „Felix-Nussbaum-Foundation“ vernommen werden, die das fragliche Bild für 200000 Euro seinerzeit ankaufte und es dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte.

Eine „Vertrauensperson“ aus dem Umfeld des Fälschers und seiner Helfer hat, so Carl, mit einem anonymen Hinweis die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Museumsleiterin Jaehner wollte sich gestern mit Rücksicht auf das laufende Verfahren nicht zu Fragen gefälschter Nussbaum-Bilder und der Überprüfung von Museumsbeständen äußern.

Einstweilen prüfen Museumsmitarbeiter die Herkunft von Erwerbungen der letzten Jahre. Die große Mehrzahl der Gemälde, „weit über 100 Stück“, stehe außer Zweifel, sagte Dr. Sven Jürgensen, Pressesprecher der Stadt Osnabrück. „Ein Großteil des Bestandes ist geklärt“, so Jürgensen.

Das Problem aus seiner Sicht: Da sich noch weitere Werke des gebürtigen Osnabrückers Nussbaum in Privatbesitz befinden, ist der tatsächliche Umfang des Gesamtwerkes auch Experten nicht wirklich bekannt. Dies begünstigt, so die Einschätzung, Fälschungen von Bildern Nussbaums ebenso wie die schwierigen Umstände der Biografie des Malers. Atelierbrand, Emigration, Verfolgung: All dies ist geeignet, den Umriss des Werkes Nussbaums zu verunklären.

Zu der laufenden Überprüfung von Teilen der Museumsbestände werden eventuell auch noch externe Experten hinzugezogen, wie Frau Rzyski sagte. 


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