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Keine Plage Osnabrück: Falken von St. Katharinen halten Tauben in Schach

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Der Wanderfalke macht den Kammerjäger überflüssig: Wanderfalken verspeisen am liebsten Tauben. Für die Stadt Osnabrück wäre damit ein Problem gelöst. Foto: Bernhard VolmerDer Wanderfalke macht den Kammerjäger überflüssig: Wanderfalken verspeisen am liebsten Tauben. Für die Stadt Osnabrück wäre damit ein Problem gelöst. Foto: Bernhard Volmer

Osnabrück. Taubenplage? Kein Problem! Sagt der Ornithologe Gerhard Kooiker. Auf dem Turm der Katharinenkirche hat sich ein Wanderfalkenpärchen niedergelassen. Das werde den Bestand an Straßentauben in der Innenstadt schon kurzhalten, kündigt der Vogelkundler an.

Taubenkot ist für historische Bauten ein Problem, weil er vor allem Sandstein, aber auch Lack und Metalle angreift. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten sind die verwilderten Haustauben in Osnabrück nicht zur Plage geworden. Ein älterer Herr, der Taubenvater, hat sie in seine Taubenschläge gelockt und eingefangen. Doch jetzt findet die Stadt keinen Nachfolger für den Taubenvater, dem sie eine kleine Aufwandsentschädigung gezahlt hat.

Braucht sie auch nicht, sagt der Ornithologe Dr. Gerhard Kooiker, der seit Jahrzehnten die Vogelwelt in Osnabrück beobachtet. Aus seiner Sicht ist es ein Glücksfall, dass sich ein Falkenpärchen im Turm von St. Katharinen niedergelassen hat. Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Stadt Osnabrück vor der Frage steht, ob die Straßentauben in Zukunft bekämpft werden sollen.

Kooiker ist überzeugt, dass sich das Problem ohne Giftköder und Unfruchtbarkeitspillen von allein lösen wird. Ganz biologisch, im Sturzflug. Mit bis zu 300 Stundenkilometern stürzen sich die Greifvögel auf ihre Beute und schlagen sie in der Luft. Tauben sind die Lieblingsspeise der Wanderfalken, daneben mögen sie auch Drosseln und Stare, gelegentlich sogar Elstern.

„Ein Wanderfalke frisst täglich mehrere Vögel“, erklärt der Ornithologe. Auf der Jagd entferne er sich kilometerweit von seinem Horst. In seinem gerade erschienenen Buch „Die Gastvögel von Osnabrück und Umgebung“ schreibt Kooiker, dass vor über 130 Jahren schon einmal ein Wanderfalke im Turm der Katharinenkirche nistete. Damals notierte der Vogelkundler Wilhelm Seemann: „Von den vorragenden Ecken spähte der Falke nach Beute. Hatte er, meist in unmittelbarer Nähe der Kirche, eine Taube geschlagen, so kehrte er mit seinem Raube regelmäßig auf das Turmdach zurück, um ihn hier zu verzehren. Nachdem er ungefähr 14 Tage lang den Bestand der umliegenden Taubenschläge decimiert hatte, wurde er, als er auf der Höhe des Turmes eben wieder Tafel hielt, durch einen glücklichen Schuss erlegt. Er war ein alter Vogel.“

Heute dürfen Falken nicht mehr erlegt werden. Es gilt als Glücksfall, dass sie sich überhaupt in der Stadt niederlassen. 75 Jahre lang habe es in unserer Region keine Brutpaare gegeben, sagt Kooiker. Seit 2004 gibt es ein Falkennest am Fernmeldeturm auf dem Schinkelberg. Jetzt hofft der Ornithologe, dass dem Horst auf dem Turm von St. Katharinen bald Ästlinge entschlüpfen.


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