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Kinder sexuell missbraucht 41 Monate Haft für Pizzaboten

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Symbolfoto: ColourboxSymbolfoto: Colourbox

Osnabrück. Im Verfahren gegen den inzwischen 30 Jahre alten Osnabrücker wegen sexueller Vergehen verkündete die 3. Große Strafkammer des Landgerichts jetzt das Urteil: Der Mann muss für drei Jahre und fünf Monate ins Gefängnis. Außerdem hat er an eines der Opfer, das bis heute besonders unter den Geschehnissen leidet, ein Schmerzensgeld von 4000 Euro zu zahlen. Die Revision gegen das Urteil ist möglich.

Nach Überzeugung des Gerichts hat der gelegentlich als Pizzafahrer arbeitende Angeklagte mit einer damals 13-jährigen Hasbergerin im Januar 2010 zweimal in seiner Wohnung Geschlechtsverkehr gehabt, „und das in Kenntnis des Alters des Mädchens“, wie der Vorsitzende betonte. Zwar sei in der Verhandlung strittig geblieben, ob das Mädchen in seinem „User-Profil“ eines sozialen Netzwerks, über das der Kontakt zustande kam, sein wahres Alter angegeben habe. Darauf komme es aber nicht an, weil der Angeklagte aus vorausgegangenen Gesprächen die Lebenssituation des Mädchens einschließlich seines Alters genau kannte.

Die beim zweiten Mal wohl deutliche Kooperation des Mädchens ändere nichts an der Strafbarkeit. Das Gesetz stellt Sex mit Kindern generell unter Strafe, da sie ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung noch nicht wahrnehmen können, oder, wie der Staatsanwalt es in seinem Plädoyer ausgedrückt hatte, „sexuelle Neugier und Vernunft noch stark auseinanderfallen“. Als Einzelstrafen setzte das Gericht für den ersten Fall zwei Jahre und neun Monate und für den zweiten Fall zwei Jahre und drei Monate fest.

Für den sexuellen Missbrauch des zweiten Opfers, der damals ebenfalls noch 13-jährigen Osnabrückerin, verhängte das Gericht eine Einzelstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und bildete daraus die Gesamtstrafe von drei Jahren und fünf Monaten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Osnabrückerin ebenfalls schwer missbraucht hat, als er im April 2010 mit ihr an einem Bach in der Nähe des Schinkeler Friedhofs saß. Zum Geschlechtsverkehr kam es nicht, da die Stiefmutter des Mädchens auf dem Heimweg von der Arbeit zufällig ihre Tochter mit dem Mann im Gras entdeckte.

Die Zeugenaussagen des dritten Opfers, einer damals 18-jährigen Bad Iburgerin, seien in sich zu widersprüchlich und unbestimmt gewesen, stellte das Gericht fest, als dass es darauf einen Schuldspruch hätte gründen können. Vom Vorwurf einer sexuellen Straftat gegen die Bad Iburgerin sprach das Gericht den Angeklagten frei.

Die Verteidigerin hatte zuvor auf Freispruch plädiert, da alle Vorwürfe der Fantasie der Mädchen entsprängen, eventuell auch einer Selbst-Suggestion. Als wesentliche Entlastungspunkte führte sie das vom ersten Opfer behauptete, aber nicht vorhandene Sofa im Zimmer des Angeklagten an, weiterhin die allgemeine Zugänglichkeit des Zimmers wegen eines defekten Schlosses. Selbst der bei Besuchern konstant bellende Hund hätte die Tür mit seiner Schnauze aufstupsen können. Der Angeklagte, der während der Verhandlung geschwiegen hatte, nahm sein Recht auf das letzte Wort vor dem Urteil wahr, indem er seine Unschuld beteuerte, gleichzeitig aber auch äußerte: „Das ist alles übertrieben, was hier gesagt wurde.“


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