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Die Studenten von morgen Im Wintersemester startet an der Uni Osnabrück das Fach Islamische Theologie

Von Gunhild Seyfert

Angehende Studenten: Jasser Abou Archid, Dua Zeitun und Bilal Erkin. Foto: Egmont SeilerAngehende Studenten: Jasser Abou Archid, Dua Zeitun und Bilal Erkin. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Ihrem Wissen über den Islam wollen sie jetzt den akademischen Schliff geben: Die Studenten im Fach Islamische Theologie, das man im Wintersemester erstmals auch in Osnabrück studieren kann, sind keine Anfänger, die gerade von der Schulbank kommen. Sie sind bereits gut gebildete und engagierte Muslime. Und sie hoffen, als akademisch qualifizierte Experten für den Islam in der deutschen Gesellschaft anerkannt und auch bezahlt zu werden.

Bilal Erkin studiert in Münster im letzten Semester im Masterstudiengang Islamische Religionspädagogik am Institut für Arabistik und Islamwissenschaft. Danach möchte er promovieren. Dafür würde der 24-Jährige gerne nach Osnabrück kommen. Seine Chancen auf eine Promotionsstelle stehen gut. Denn Schwerpunkt des neuen Instituts wird in den nächsten Jahren die Qualifizierung des wissenschaftlichen Personals sein, das in den fünf Instituten, die bundesweit ab Herbst Islamische Theologie anbieten, dringend gebraucht wird. Eine wesentliche Aufgabe der Studien an Universitäten sieht Bilal Erkin darin, „den Islam in guter deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen und dieses Wissen zugänglich zu machen für jedermann.“ Damit, so sagt er, „bieten wir eine Alternative zu radikalen Gruppen und Fundamentalisten“.

Wertvolle Erfahrung im Dialog zwischen Christentum und Islam hat Dua Zeitun gesammelt. Zusammen mit dem Bistum Osnabrück engagiert sie sich bei christlich-muslimischen Führungen durch den hiesigen Dom und die Ibrahim-Al-Khalil-Moschee. Seit sieben Jahren wirkt sie dort als Seelsorgerin. Auch die zweisemestrige Fortbildung für religiöses Personal am Zentrum für Interkulturelle Islamstudien an der Uni Osnabrück hat sie absolviert. Endlich ist für sie die Möglichkeit da, islamische Theologie zu studieren. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich möchte, dass mein Glaube, der Islam, anerkannt wird.“ Mit Nachdruck weist Dua Zeitun darauf hin, dass es längst einen deutschen Islam gebe – gelebt von Menschen wie sie, die in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben.

Deutscher Islam

Zunächst wird es für Dua Zeitun darum gehen, mit einem ausgefeilten Zeitmanagement ihr Engagement, ihre Familie und das Studium unter einen Hut zu bekommen. Beruflich will sie auch später im Bereich Integration und interreligiöser Dialog tätig sein. Sie wird dann zu den ersten akademisch ausgebildeten Expertinnen gehören, die als Frau fundiert Stellung beziehen können in den öffentlichen Diskussionen um die Position der Frauen im Islam, um ihre Stellung in Recht und Gesellschaft. „Als Theologin möchte ich aufklären, als Expertin in Schulen und anderen Institutionen meinen Beitrag zur Integration leisten“, so Dua Zeitun.

„Den Islam auf gleicher Augenhöhe mit den anderen Religionen“ – das will Jasser Abou Archid. Mit der Etablierung des Islam an der Universität ist dafür ein entscheidender Schritt getan, und Abou Archid möchte mit einer Promotion dabei sein. Aktiv ist er schon lange: Er hält öfters die Freitagspredigt in Moscheen in Osnabrück und Aachen und gibt religiöse Unterweisungen, bei denen Fragen aus der Moscheegemeinde beantwortet werden. „Eine solche Tätigkeit kann ich mir auch in Zukunft vorstellen“ sagt der 31-Jährige. Offen ist allerdings, wie diese Tätigkeit bezahlt sein wird. Denn im Islam gibt es keine Kirchensteuer. Mit Ausnahme der türkischen Ditib-Moscheen werden Imame mit den Spenden, die aus der Gemeinde kommen, honoriert.

Die drei Studenten sind sich sicher: „Es wird mehr Diskussionen geben.“ Wenn man sich tiefer beschäftige mit seiner Religion, gebe es mehr Debatten. „Aber das sehe ich positiv“, sagt Bilal Erkin. Die beiden anderen nicken.