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Am Samstag rollt die Blueslawine an – Der Tontechniker plaudert aus dem Nähkästchen Im Zweifel einfach abschalten

Die Männer am Regler: Wolfgang Lampe von der Blueslawine und der Mann fürs Technische: Dirk Altenrath (rechts).Foto: Elvira PartonDie Männer am Regler: Wolfgang Lampe von der Blueslawine und der Mann fürs Technische: Dirk Altenrath (rechts).Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Am Samstag findet die 17. Osnabrücker Blueslawine mit Meena, Thorbjørn Risager und The Brew im Haus der Jugend statt.

Was auf Schalke offenbar nicht mehr gilt, scheint für den Blues immer noch wichtig zu sein: „Never change a winning team“ sagen Veranstalter. Am Beispiel Blueslawine wird dieses Prinzip von Dirk Altenrath verkörpert. Schon zum 15. Mal mischt er das Kleinfestival im Haus der Jugend auf: am Tonmischpult. Am kommenden Samstag fängt sein Job sogar ein wenig früher als geplant an, denn die österreichische Bluesröhre Meena eröffnet bereits um 19.45 Uhr den diesmal sehr rockigen Bluesreigen.

„Eigentlich bin ich Sozialpädagoge“, sagt der 59-jährige Altenrath. Doch in seinem studierten Beruf hat er nie gearbeitet. Schon während des Studiums spielte er in diversen Rockbands, dann fragte ihn ein befreundeter Tourneeveranstalter Anfang der 80er-Jahre, ob er für ihn nicht als Tourbegleiter von John Lee Hooker arbeiten wolle. Diese Herausforderung nahm der technikinteressierte Altenrath gerne an – und gab seinem Leben eine entscheidende Wendung. Fortan war er im Veranstaltergeschäft tätig. „Früher sah das technisch alles noch ganz einfach aus“, erinnert er sich. Für die Tournee mit John Lee Hooker brauchte er nur zwei Boxen, einen Verstärker und ein Mikrofon einzupacken. Mit dieser „Anlage“ gastierten sie dann auf großen Festivals. Heute werden spezielle Mikrofone, Effektgeräte und Mischpulttypen verlangt, damit der Sound auch anspruchsvollen Ohren genügt. Vor allem die moderneren Bands sind vielfach auf dem letzten Stand.

„Im Bluessektor sind diese hohen Anforderungen nicht ganz so gefragt“, erklärt Altenrath, denn gerade die Ur-Blueser, die das Herz der Puristen höherschlagen lassen, bevorzugten auch heute noch den unverfälschten Klang ohne Effekte. Aber die jungen Bands, die den Blues oft mit Rock, Soul, Jazz und zum Teil auch mit Elektronik mixen, wollten mehr. „Während die Traditionalisten am liebsten noch Vinylknistern unter ihren Sound gemischt haben wollen, möchten sich die modernen Blueser am liebsten so klar und sauber wie auf CD anhören“, so der Techniker.

Bei der Blueslawine schätzt Altenrath die angenehme Atmosphäre. „Nur einmal war ich wirklich genervt“, erinnert er sich der Mann, der mittlerweile für den gesamten technischen Ablauf verantwortlich ist. „Im Jahr 2001 war Stan Webb mit seiner Band Chicken Shack zu Gast. Webb hat die Gitarre an seinem Verstärker auf der Bühne so laut gedreht, dass den Leuten die Ohren wegflogen und vom Rest der Band nichts mehr zu hören war. Da habe ich mein gesamtes Mischpult einfach ausgeschaltet und mir gedacht: Soll er doch alle wegpusten, aber ohne mich!“

Am kommenden Samstag wird so etwas nicht passieren, denn dann wird eine Riege interessanter junger Bands auftreten, die ihre Ohren noch nicht ruiniert haben. Der Grund für den frühzeitigen Beginn der Veranstaltung ist Meenas Teilnahme an dem internationalen Wettbewerb „Blues Challenge 2011“. Die Österreicherin konnte sich für das Finale qualifizieren, an dem 16 Bands teilnehmen. Daher muss sie nach ihrem Osnabrückauftritt sofort nach Berlin aufbrechen, wo in der gleichen Nacht noch die Gewinner gekürt werden.

17. Osnabrücker Blueslawine mit Meena, Thorbjørn Risager und The Brew: Samstag, 19. März, 19.45 Uhr, Haus der Jugend. www.blueslawine.de


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