zuletzt aktualisiert vor

Jugendring legt Konzept zur Verbesserung der Ausbildung von Gruppen- und Jugendleitern vor „Kodex Kindeswohl“ als Qualitätssiegel

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Osnabrück. Die verbesserte Ausbildung von Gruppen- und Jugendleitern stand im Mittelpunkt der Vollversammlung des Jugendrings Osnabrücker Land. Nach den erschütternden Ereignissen von Ameland mit sexuellen Übergriffen zwischen Kindern und Jugendlichen und Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche stehen Jugendverbände und Anbieter von Jugendfreizeiten im Fokus der Öffentlichkeit und natürlich der Eltern.

Die Delegierten der Mitgliedsverbände diskutierten mit dem Vorstand über den Entwurf eines Konzeptpapieres zur Vermeidung von Kindeswohlgefährdung in der Jugendarbeit, das dem Jugendhilfe-Ausschuss des Landkreises vorgelegt werden soll. „Die Jugendleiter-Card ist das beste Instrument der Qualitätssicherung und steht daher im Mittelpunkt des Konzeptes“, erläuterte der Vorsitzende Johannes Buß.

Der bundesweit einheitliche Ausweis sieht eine Ausbildung nach vorgeschriebenen Standards vor. Jetzt soll dem Thema der Kindeswohlgefährdung mehr Bedeutung innerhalb der 50 Stunden umfassenden Ausbildung eingeräumt werden. Dazu will der Jugendring in den kommenden Jahren Fortbildungen sowohl für Schulungsmultiplikatoren als auch für Jugendleiter, die bereits eine Juleica besitzen, durchführen.

Das Konzept umfasst auch einen „Kodex Kindeswohl“, mit dem die Träger der Jugendarbeit dokumentieren, dass der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor körperlichen und seelischen Schäden oberste Priorität hat. Auf der anderen Seite enthält das Papier auch Forderungen an die Politik und Verwaltung des Landkreises. So sollen finanzielle Anreize geschaffen werden, damit mehr Jugendleiter eine Juleica-Ausbildung absolvieren. Die Inhaber einer Jugendleiter-Card sollten beispielsweise bei Freizeiten und Fahrten mit dem doppelten Zuschussbetrag gefördert werden. Außerdem soll ein Informationsportal mit verschiedenen Materialen zum Thema entstehen.

Eine hilfreiche Arbeitslektüre wird sicherlich die Schulungsmappe „Kindeswohl und Jugendarbeit“ sein, die Stephan Schiller vom Bundesforum für Kinder- und Jugendreisen vorstellte und im Januar veröffentlicht werden soll. Der Referent stellte klar, dass die Prävention vor sexueller Gewalt nur mit einer umfangreichen Sexualerziehung funktioniere. „Oft ist das Wissen über Sexualität bei den Leitern geringer als bei den Teilnehmern“, betonte Schiller. Da Kinder und Jugendliche in einer Gesellschaft aufwüchsen, in der das Thema Sex omnipräsent sei, machten die Jungen und Mädchen immer früher ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Schon bei Kindern ab 12 Jahren seien Liebe, Sex und Zärtlichkeit das „Reisemotiv Nummer 1“, so das Ergebnis einer Umfrage.

Schiller erklärte weiter, dass sexuelle Gewalt nicht erst mit körperlichen Übergriffen beginnt. „Gewalt geht viel eher los. Mit verbalen Angriffen, beim Herumwühlen in den Klamotten oder dem Bemalen im Schlaf“, warnte der Experte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN