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Wenn die Backe dick wird Machen Weisheitszähne Ärger, hilft oft nur eine OP

Im Erwachsenenalter können Weisheitszähne für so manchen Ärger sorgen. Foto: dpaIm Erwachsenenalter können Weisheitszähne für so manchen Ärger sorgen. Foto: dpa

Osnabrück. Nicht jeder hat in seinem Leben mit Weisheitszähnen zu tun, und bei vielen bleiben sie auch lange unentdeckt. Wenn sich die Backenzähne als Nachzügler zwischen dem 16. und 40. Lebensjahr dann aber doch ihren Weg aus dem Kiefer in die Mundhöhle bahnen, können sie für so manchen Ärger sorgen.

„Da sich der menschliche Kiefer im Laufe der Evolution zurückgebildet hat, haben die zuletzt durchbrechenden Zähne oftmals zu wenig Platz“, erklärt Michael Loewener von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Diese Entwicklung wirke sich sehr vielfältig aus: „Es gibt Menschen, bei denen entweder gar keine Weisheitszähne oder nur einzelne angelegt sind“, sagt Loewener. Oft blieben Weisheitszähne ganz oder teilweise im Kiefer eingeschlossen. Lediglich ein Röntgenbild könne frühzeitig zeigen, wie viele vorhanden sind und ob sie normal wachsen können.

Haben sie jedoch nicht genug Platz, machen sie Ärger: „Manche Zähne wachsen dann nicht in der Mitte des Kieferkamms heraus, sondern seitlich“, erläutert Loewener. „Die Nachzügler können dadurch den normalen Zusammenbiss der Zähne stören“, so der Zahnarzt. Das gelte auch für den Fall, dass einer der Weisheitszähne nach seinem Durchbruch kein Gegenüber findet und zu weit hinaus wächst.

Für Beschwerden könnten aber auch Zahnfleisch-Taschen sorgen, die entstehen, wenn der Zahn die Schleimhaut nicht ganz durchdringt. Sammeln sich in den Taschen Speisereste, seien Entzündungen oftmals die Folge. „Denn diese Bereiche sind meistens für die Zahnbürste kaum oder gar nicht erreichbar“, erklärt Loewener. Es könne zu kleineren Blutungen, im schlimmsten Fall zu einer „dicken Backe“ oder Eiteransammlungen kommen.

Spätestens, wenn sich solche Entzündungen wiederholen, sollte der Betroffene mit seinem Zahnarzt die Entfernung der Unruhestifter beraten, empfiehlt Loewener. Dasselbe gelte auch für die verlagerten Weisheitszähne, die durch ihr ungünstiges Wachstum andere Zähne verdrängen und Nischen schaffen, die Schlupfwinkelinfektionen begünstigen. „Es können sonst sogar benachbarte Backenzähne in ihrem Wurzelbereich geschädigt werden und Knochendefekte oder auch Zysten entstehen“, warnt der Zahnarzt. In der Ausbildung habe jeder Zahnarzt gelernt, Weisheitszähne chirurgisch zu entfernen.

uch die Ausstattung und der Hygienestandard erlaubten solche Operationen in einer Praxis. „Wegen der Vielfältigkeit der Fehlstellungen bei Weisheitszähnen wird der Arzt aber von Fall zu Fall zusammen mit dem Patienten entscheiden, ob er selbst, ein Fachzahnarzt für Oralchirurgie oder ein Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie die OP durchführt“, so Loewener. Das könne beispielsweise bei enger Nachbarschaft der Zähne zu wichtigen Nervenbahnen der Fall sein.

So mancher zögert mit dem Besuch beim Zahnarzt, weil er Angst vor den Schmerzen hat. Loewener beruhigt: „Die neuen Anästhesiemittel besitzen heute einen sehr hohen Zuverlässigkeits- und Verträglichkeitsgrad.“ Häufig wenden Zahnärzte eine lokale Betäubung an, bei der die Nervenbahnen oder die Region mit einem Anästhesiemittel umspritzt wird, so Loewener. Es sei üblich, die Weisheitszähne dann in getrennten Sitzungen und seitenweise zu entfernen. „Wenn Patienten die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen möchten, können aber auch alle Weisheitszähne in einer Sitzung entfernt werden.“

Insbesondere bei größeren Eingriffen, beispielsweise wenn alle vier Weisheitszähne zusammen entfernt werden sollen, könnte aber auch eine Vollnarkose sinnvoll sein. Weil eine Vollnarkose nicht risikolos sei, müsse aber ein Facharzt für Anästhesiologie hinzugezogen werden. Eine weitere Variante der begrenzten Schmerzausschaltung bietet laut Loewener aber auch die Lachgassedierung (Ruhigstellung), die von entsprechend ausgebildeten Zahnärzten durchgeführt werden kann.

Über die Behandlungskosten müssen sich Betroffene laut Loewener normalerweise keine Sorgen machen: Der Entfernung von Weisheitszähnen liegt in der Regel eine rein medizinische Indikation zugrunde. Dasselbe gilt auch für die Wahl der Betäubungsmethode. Insofern handelt es sich, unabhängig davon, ob der Patient privat oder gesetzlich versichert ist, um einen notwendigen Eingriff, der von allen Versicherungen ohne Zuzahlung des Patienten übernommen wird.

„Lediglich für den Fall, dass keine medizinisch begründete Notwendigkeit vorliegt und auf alleinigen Wunsch des Patienten etwa eine Behandlung unter Lachgassedierung durchgeführt wird, können für den Patienten Kosten entstehen.“


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